The Queen (2006)

Die Queen

The Queen (2006) Die Queen

Oder: Gefühle zeigen schickt sich nicht

The Queen

Untertänigst...

London, Mai 1997. Der 44-jährige Labour-Politiker Tony Blair (Michael Sheen) wird vom britischen Volk zum neuen Prime Minister gewählt. Er gilt als Hoffnungsträger einer neuen Generation, der nach 18 Jahren konservativer Regierung endlich dringend nötige Reformen einleiten soll. Argwöhnisch beäugt wird er dabei von Queen Elizabeth II. (Helen Mirren), welche die legeren Umgangsformen des Polit-Aufsteigers mit Befremden zur Kenntnis nimmt.

The Queen

Woher das Callcenter bloss diese Nummer hatte?

Am 30. August desselben Jahres passiert in Paris ein folgenschwerer Unfall: Prinzessin Diana stirbt auf der Flucht von Paparazzi im Autobahntunnel. Die Königsfamilie verbringt derweil ihren Urlaub in ihrem schottischen Landgut auf Schloss Balmoral. Trotz grossen Druckes der Öffentlichkeit schweigt sie sich beharrlich aus und schottet sich im Feriendomizil konsequent ab. Dieses Vorgehen erntet grossen Unmut in der Bevölkerung und stellt auch das Verhältnis zwischen der Königin und dem neuen Prime Minister auf eine schwere Probe. Dieser versucht sie zu überreden, den Menschen wenigstens ein kleines Zeichen ihrer Trauer zu geben. Elizabeth hingegen bleibt hart und will weder von einer öffentlichen Beileidserklärung, dem Setzen der königlichen Fahne auf Halbmast oder sonstigen Extravaganzen etwas wissen. Statt dessen igelt sie sich mit ihrer Familie in Balmoral ein in der Überzeugung, dass die Angelegenheit bald in Vergessenheit geraten würde. Doch da irrt sie sich...


Kinofilm-Rating

The Queen lief 2006 sehr erfolgreich an der Biennale in Venedig und galt als Favorit für den Goldenen Löwen. Dieser wurde Stephen Frears' Werk allerdings vom Überraschungsfilm Still Life aus China vor der Nase weggeschnappt. Übrig blieben der Preis für das beste Drehbuch von Peter Morgan und die - hochverdiente - Coppa Volpi für Helen Mirren als beste Hauptdarstellerin. Ihre Leistung ist grandios, ihre Verkörperung der Königin, deren Weltbild dem Zeitgeist nicht mehr zu folgen vermag, trägt den ganzen Film und macht diesen allein schon ihretwegen sehenswert.

Nach Palais royal! ist The Queen bereits der zweite in jüngster Zeit im Kino angelaufene Film, welcher sich mit der Geschichte rund um das Leben und Sterben von Lady Di befasst. Während ersterer die Aufmerksamkeit auf die "Prinzessin der Herzen" fokussierte und sich dabei der Mittel der satirischen Überspitzung bediente, konzentriert sich der vorliegende Film auf eine realistische Charakterzeichnung der Königsfamilie, insbesondere von deren Oberhaupt, Queen Elizabeth. Im Unterschied zu Palais Royal!, der in einem fiktiven - aber eindeutig zu identifizierenden - Königreich spielt, nennt er die Personen beim Namen und lässt die Geschichte unverändert, wie sie sich in Wirklichkeit abgespielt hat. Dies ist insofern ein durchaus interessantes Unterfangen, da ja - ausser Diana - alle involvierten Personen noch leben und ihre Positionen nach wie vor innehaben. Normalerweise werden Biopics ja erst nach Ableben oder zumindest nach Rücktritt der portraitierten Personen gedreht. Wie die echte Queen auf diesen Film reagiert, sei dahingestellt. Es ist aber durchaus möglich, dass sie den Film als ihrer würdig erachtet: Obwohl einige Szenen das Königshaus in nicht sehr vorteilhaftem Licht erscheinen lassen (so diskutieren die Windsors schon mal gemütlich über die Jagd, während im TV Persönlichkeiten der Weltpolitik wie Nelson Mandela live ihr Beileid zu Dianas Tod ausdrücken), zeigt Frears doch grosses Einfühlungsvermögen und Verständnis gegenüber den leicht antiquierten Wertvorstellungen der Königin. Man beginnt die Gründe zu verstehen, warum sie den Weg der Abschottung dem Weg des öffentlichen Gefühle-Zelebrierens vorzieht. Und ist sich auf einmal nicht mehr so sicher, welcher der beiden Wege denn nun tatsächlich der bessere ist.

Die Handlung von The Queen verspricht keine grosse Spannung: schliesslich wissen wir alle, was sich in dieser denkwürdigen Spätsommerwoche in England abgespielt hat. Trotzdem ist der Film an keiner Stelle langweilig - sondern ein grossartig gespieltes Portrait einer sich von der Öffentlichkeit entfremdenden Königin.

4.7 Sterne
4.7 Sterne (42 Bewertungen) | 16 Kommentare

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25.09.2006 / ebe