Princess (2006)
Princess (2006)
Oder: PorNO!
Als seine Schwester Christina stirbt, kehrt August von seinen Missionarsreisen zurück, um sich um deren fünfjährige Tochter Mia zu kümmern. Eine Puffmutter übergibt ihm das Kind zusammen mit einer Kiste voller VHS-Kassetten von Christina, die unter dem Pseudonym "Princess" Karriere im Pornobusiness gemacht hat. Das Mädchen und ihr Plüschhase ziehen bei August ein und nachdem sich August erst einmal daran gewöhnt hat, wie die Kleine ihre Corn Flakes essen möchte, hat er vor allem damit zu tun, es vor den Produkten seiner Mutter zu beschützen.
Mia erkennt ihre Mama aber nicht nur auf den Tapes in der Kiste, sondern auch im Aushang mit den Sexheften beim Kiosk nebenan. Da August nicht ganz unschuldig ist an der Pornokarriere seiner Schwester, und Mia je länger je lieber wieder zum Pornoproduzenten zurückkehren möchte, weil sie es da lässiger fand, entschliesst er sich alle Erzeugnisse, wo "Princess" draufsteht, zu vernichten - mit Mia im Schlepptau.
Kinofilm-Rating
Aus Dänemark, dem ersten Land das Pornographie legalisiert hat, kommt auch die erste Anti-Porno-Animation. Regisseur Anders Morgenthaler prangert die alltägliche Faszination des Genres genauso an wie die Ausbeutung der Darstellerinnen durch die Pornoindustrie. Warum der bekannte Comiczeichner (Wulff Morgenthaler) dies aber mit der Darstellung exzessiver Gewalt gemacht hat - dem anderen Thema, das im Kino immer wieder für rote Köpfe sorgt - ist nicht ganz klar.
Über Pornostars die jung sterben, wird selten ein grosses Trara gemacht. Tendenziell verdienen sich die Produzenten aber postmortal noch ein bisschen mehr als nur gerade postkoital, da die Starlets durch den Tod der durch seine unnatürlichen Umstände meist ein gewisses Medieninteresse hervorruft, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden. Dafür muss aber eine Produktionsfirma gar auf die Mithilfe des Todes warten. Fälle wie Sibel Kekilli und Michaela Schaffrath zeigen, dass auch Lebende in diesem Business wenig Rechte an den mit ihnen produzierten Werken haben und mit ihren Körpern munter weiter geschäftet wird, auch wenn sie der Szene schon lange den Rücken gekehrt haben. Trotzdem wirkt es in bisschen seltsam, dass ein Pornoproduzent einer seiner Darstellerinnen ein nicht jugendfreies Graceland als Ort der letzten Ruhe bauen würde, wie dies im Film gezeigt wird. Mehr Ahnung scheinen die Macher von Princess von technischen Belangen zu haben, denn Videokopierstationen und Mirrorserver sind die erklärten Ziele von Augusts Rachetrip.
Wie bei Kill Bill Vol. 1 sind ein Teil der Szenen so brutal, dass man sie sich als Realverfilmung nur schwer vorstellen kann. Trotzdem sollte man Princess nicht einfach als Nachahmer des Rachefilms von Quentin Tarantino bezeichnen, da der sich ja auch explizit auf die japanischen Animes als Vorbild gestützt hatte. Ein Genre, das in Asien viele Erwachsene begeistert und innerhalb dessen sicher schon ähnliche Werke wie dieses hier produziert worden sind. Frisch ist bei Princess hingegen das Verschmelzen von Videobildern und Animation, und zwar immer dann, wenn in der Handlung Videokassetten eingeschoben werden. Dies ist umso faszinierender, da die Trickfilmsequenzen nicht gerade überragend gezeichnet sind. Mia erinnert an die argentinische Figur der Mafalda und ist deshalb viel niedlicher gezeichnet als all die Erwachsenen im Film, die eher wie Figuren aus Les Triplettes de Belleville aussehen.
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4.4 Sterne (12 Bewertungen) | 1 Kommentar


