The Prestige (2006)
Prestige - Die Meister der Magie
The Prestige (2006) Prestige - Die Meister der Magie
Oder: Zaubern als Dreiakter
Die beiden künftigen Magie-Stars Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) kämpfen gemeinsam für ein Ziel. Um der grösste Magier der Welt zu werden, verdienen sie sich ihre Sporen als Hilfskräfte und schauen den Meistern über die Schulter. Unter den Fittichen von Trickerfinder Cutter (Michael Caine) soll die grosse Karriere dann gestartet werden. Vor allem Alfred Borden entpuppt sich als Freund der riskanten und gefährlichen Tricks. Und genau bei einem solchen kommt Angiers Frau (Piper Perabo) ums Leben.
Die beiden Zauberer entzweien sich. Borden erfindet weiterhin spektakuläre Tricks und Angier versucht, mit seinem Schmerz fertig zu werden. Er gibt die Schuld am Tod seiner Frau natürlich seinem ehemaligen Kollegen und unternimmt alles, um ein grösserer Magier als dieser zu werden. Auch wenn das heisst, dass er in die "feindlichen" Vorstellungen geht und die Tricks ruiniert. Dass das natürlich der Rivalität der Beiden keinen Gefallen tut ist klar. Aus sportlichen Gegnern werden persönliche Feinde.
Als Borden eines Tages mit einem sensationellen neuen Trick auftaucht, versucht Angier diesen zu enthüllen, scheitert aber. Sollte es tatsächlich so sein, dass er sich geschlagen geben muss? Zusammen mit seiner Assistentin (Scarlett Johansson) will er hinter das Geheimnis dieses Transportationstricks kommen. Und dafür ist er sich nicht zu schade, das junge Fräulein als Spionin zum Gegner zu schicken und sie in seiner Verbissenheit zu "opfern".
Ausserdem reist Angier nach Amerika, wo der geheimnisvolle Bastler und Tüftler Nikola Tesla (David Bowie) Experimente der gefährlichen und elektronischen Art durchführt. Und genau so eine Maschine aus dem Hause Tesla wird, da ist sich Angier sicher, ihm zum finalen Sieg über seinen Gegner helfen.
Kinofilm-Rating
Der renommierte SF-Autor Christopher Priest reagierte am Neuenburger Internationalen Festival des Fantastischen Films, dessen sechste Ausgabe er diesen Sommer als Jurymitglied besuchte, eher frustriert auf die Frage nach der Verfilmung seines Beststellers "The Prestige": "Ich weiss überhaupt nicht, was Christopher Nolan und seine Leute treiben. Die haben mich beim Drehbuch gar nicht mitreden lassen, und bei meinen Castingvorschlägen hiess es immer, mit diesen Leuten könne man eh nicht zusammenarbeiten. Ich habe bis jetzt nur den Trailer gesehen, und der ist sowieso online."
Priest ist wohl nicht der erste und nicht der letzte Autor, der mit den Rechten an einem Werk auch gleich sein gesamtes Mitspracherecht verkauft hat. Dass er den Film jetzt nur unterstützt, weil er dadurch mehr Bücher verkauft, wird auf seiner Homepage ziemlich klar ersichtlich. Aber was hat nun Regie-Wunderkind Christopher Nolan tatsächlich aus diesem äusserst komplexen Stoff gemacht?
Wie es zu erwarten war, hat Nolan die Geschichte um zwei Varieté-Zauberer - die sich im Roman über Generationen hinweg bis in die Jetztzeit erstreckt - drastisch gekürzt und vereinfacht. Damit war es ihm auch möglich, die zahlreichen offenen Fragen der Handlung erst gar nicht erst aufzuwerfen oder sie mit einfacheren Antworten abzusegnen. So weit, so gut - die Regeln des filmischen Schaffens verlangen jeweils nach solchen Massnahmen.
Derweil war Nolan stark darum bemüht, das zentrale Thema des Buchs in seinem Film zu verankern - die Selbstaufgabe der beiden Magier, die beide der heiligen Kunst des Effekts ihre gesamte Identität opfern, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig die Hölle heiss machen. Der grösste Zauberer - so heisst es früh im Film - ist derjenige, der sein Publikum nicht nur auf der Bühne, sondern permanent einer Illusion aufsitzen lässt. Denn wer auch immer die Lösung eines Bühnentricks ausfindig machen will, der wird sich an die Fersen des Performers heften - und gerade dort muss er in die Irre geführt werden. Und so beschummeln sich die beiden Kontrahenten bis in den letzten Winkel ihres Daseins.
Diesen Aspekt hat Nolan psychologisch hervorragend herausgearbeitet, und seine beiden Hauptdarsteller helfen ihm grossartig dabei. Von Christian Bale wissen wir ja spätestens seit The Machinist, wie weit er für eine Rolle in Sachen Selbstverschwindung zu gehen bereit ist. Und auch der sonst deutlicher fassbare Hugh Jackman verleiht seiner Figur erfolgreich eine gespenstische Dimension.
Aber Christopher Nolan versagt schlussendlich auf einer ganz anderen Ebene des Projekts. Analog zum Buch hat er versucht, seinen gesamten Film wie einen Zaubertrick aufzubauen - alles Gezeigte sollte eigentlich auf eine Art und Weise funktionieren, die das Publikum erst mit einem in letzter Minute aus dem Zylinder gezauberten Kaninchen feststellt lässt, dass es selbst einem Schwindel aufgesessen ist. Aber leider merkt der aufmerksame Kinobesucher trotz den zahlreichen Ablenkungsmanövern viel zu schnell, wo dieser Hase begraben liegt, und daran wird auch ein allfälliger Director's Cut nicht viel ändern können.
Somit wird die Tagline des Films - "Are you watching closely?" - zur völligen Farce: Nur diejenigen, die nicht genau hinschauen, haben nämlich am Schluss noch eine Überraschung zugute. Aber dieser versaute Schluss ändert nichts daran, dass The Prestige mit hohen Produktionswerten und einer gepflegten Vielschichtigkeit seiner Romanvorlage gerecht wird.
Der Autor Christopher Priest darf sich derweil freuen - gerade frustrierte Kinobesucher werden durch diesen Film vielleicht Lust auf ein Buch kriegen, das mit seinen zahlreichen Geheimnissen etwas sorgfältiger umgeht.
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