Poseidon (2006)
Poseidon (2006)
Oder: Schiff wird seekrank
Auf der Poseidon herrscht ausgelassene Stimmung: der Jahreswechsel steht bevor und auf einem Kreuzfahrtschiff feiert sich besonders gut. Währenddessen versucht Robert Ramsey (Kurt Russell) die Jungfräulichkeit seiner Tochter zu retten, John Dylan (Josh Lucas) möchte die versammelte Geldprominenz am Pokertisch ausnehmen und Richard Nelson (Richard Dreyfuss) seinen Liebeskummer nicht nur in 5000 Dollar teurem Wein, sondern auch den Tiefen des Ozeans ertränken.
Bei der suizidalen Gelegenheit sieht er eine Monsterwelle auf das Schiff zurasen. Mit voller Breitseite erwischt sie den Kahn und lässt diesen Kiel nach oben treiben. Die versammelte Passagierliste wird arg dezimiert. Nur diejenigen im grossen Ballsaal überleben nach heftigem Durchschütteln. Ein kleine Gruppe macht sich auf einem möglichen Schicksal zu entrinnen, das vom Kapitän mit festem Vertrauen in die Hochtechnologie des Schiffs verneint wird. Also geht es für die von Ramsey und Dylan angeführten Freiwilligen von nun an immer Richtung oben, während die Poseidon langsam aber stetig sinkt.
Kinofilm-Rating
Wenn Wolfgang Petersen einen Film macht, dann rappelts im Karton. Ähnlich seinem Landsmann Roland Emmerich versteht es der Deutsche hervorragend, Sachen kaputt zu machen. Einst war es die Air Force One, dann die Griechen in Troy und mit Wassermassen hat der Mann ja schon in The Perfect Storm zu tun. Die Neuauflage von Poseidon hat zwar in den Staaten nur knapp einen Drittel seiner Kosten wieder eingespielt, verzichtet aber dankenderweise auf (fast) jegliche Art von Herzschmerz und Schmusibusi, was ihn zum vergleichbaren Titanic positiv erscheinen lässt.
Der Anfang des Films wird höchst unterhaltsam dem Zuschauer um die Ohren und Augen geschlagen. Ein imposantes Schiff (Josh Lucas joggt mal kurz eine Runde), ein paar nette Figuren (Papa Kurt Russell mags nicht, wenn seine Tochter mit dem Freund rummacht) und eine gelöste Stimmung. Ist ja schliesslich auch Silvester. Was kann da schon passieren. Was folgt, ist imposant. Eine gigantische Welle und ein Dampfer, der kippt. Hört sich nach nicht viel an, wird aber sehr gelungen umgesetzt und ist effekttechnisch ganz oben an zu siedeln.
Die restliche Zeit verbringt der Zuschauer nun damit, dem mutigen Grüppchen oberflächlicher Charaktere bei der Flucht über die Schulter zu schauen und sie in den fast ausweglosen Situationen zu begleiten. Nur dumm, das keiner der Figuren (vielleicht mit Ausnahme von Richard Dreyfuss Charakter) irgendwie Sympathie ausstrahlt und man auf dessen Überleben hofft. Kurt Russell ist der amerikanische Held, Josh Lucas entdeckt seinen Familiensinn und den Rest kann man rauchen. Schade, dass die Figur des "Lucky Larry" nicht länger betrachtet wird. Das wäre mal was, wenn in einer Rettungsgruppe einer dabei ist, der ausser motzen und Frauen anbaggern nix kann. Aber eben...
Die Story flacht schnell ab, die Effekte beschränken sich auf die üblichen Verdächtigen wie abfallende Lifte, brennende Böden (in die man einfach so springen kann...), Türen unter Druck oder Luftschleusen, die sich erst verspätet öffnen. Nein, nach den ersten paar Minuten ist die Luft raus aus Poseidon. Nur gut, dass der Film bereits nach knapp 100 Minuten zu Ende ist und nicht unnötig in die Länge gezogen wird.
Fazit: Wer auf Katastrophenkino steht, vor Wasser keine Panik hat und gerne mitbibbert, der darf sich Poseidon ohne weiteres angucken. Wer allerdings ein bisschen Tiefe, Witz und Geschichte zu all den Explosionen, Wasserfluten und dramatischen Aufstiegen erwartet, der dürfte bald einmal enttäuscht werden. Trotzdem, gemacht ist der Film solide und wer könnte besser eine Katastrophe verfilmen als einer der beiden amerikanischsten Deutschen aus Hollywood.
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3.0 Sterne (81 Bewertungen) | 13 Kommentare



