Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest (2006)
Fluch der Karibik 2 - Die Truhe des Todes
Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest (2006) Fluch der Karibik 2 - Die Truhe des Todes
Mit Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest steht der nächste grosse (potenzielle) Sommer-Blockbuster an. Wieder führt Gore Verbinski Regie und produziert wird der ganze Streifen von Hollywood-Kracher Jerry Bruckheimer. Dass somit auch der Media-Ventures-Sound nicht allzu fern sein kann, überrascht wenig. Nach seinem Ausflug ins dunklere, mysteriösere und verhaltenere Genre mit The DaVinci Code, meldet sich Hans Zimmer mit einem weiteren Blockbuster-Soundtrack zurück. Und das kein bisschen leise...
Nachdem Zimmer bereits beim ersten Teil, Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl, als "Overproducer" akkreditiert wurde, lassen sich doch sehr klare Parallelen zwischen den beiden Scores ziehen. Sämtliche Themen aus dem ersten Teil wurden übernommen: Das Thema für Capten Jack Sparrow (u.a. aus "He's A Pirate" auf dem Soundtrack zum 1. Teil) wird auch hier etliche male zitiert. Dies scheint daher logisch, da es sich ja auch um den gleichen Charakter handelt. Zimmer variiert das Thema auf recht unterhaltsame Weise (besonders im ersten Stück "Jack Sparrow"). Auch das Black Peral-Thema wird hier, wenn auch nur einmal, wieder aufgegriffen. Es leitet das Stück "Tia Dalma" ein. Auch das Liebesthema aus dem ersten Teil "Will and Elisabeth" wird im eindrücklichen und recht ungewohnten "Hello Beastie" wieder aufgegriffen. Das letzte Score Stück überrascht daher, da es dem Hörer genau das bietet, was man im Score zum 1. Teil vermisste: etwas tiefer gehende, ruhigere, charakterbetonte Musik. Mit Dead Man's Chest liefert uns Hans Zimmer eine sehr wuchtige und actiongeladene Komposition (besonders Stücke wie "The Kraken" und "Wheel of Fortune" lassen einem während dem Autofahren doch schon mal die Geschwindigkeitsbegrenzung vergessen...). Auch Abwechslung ist geboten: Das Stück "Davy Jones" und auch "A Family Affair" haben verträumte Gute-Nacht-Musik-Elemente und kommen nach dem Actiongetose wie gerufen. Im Stück "Dinner is Served" beginnt eine Solostimme mit sehr harter Perkussion begleitet und leitet dann über in einen Walzer. "Two Hornpipes (Tortuga)" bietet uns typische Seeräuberstadt-Musik mit etwas "versoffenem" Unterton.
Thematisch gesehen hat sich leider nicht allzu viel getan. Zimmer bietet uns lediglich ein neues einschlägiges Thema (welches sehr stark an Themen aus seinen früheren Werken erinnert): es erklingt zum ersten Mal im Stück "The Kraken" und wird besonders am Schluss dieses Stückes eindrücklich und vollorchestral vorgetragen. Das Thema repräsentiert die "neuen Bösewichte" aus den Tiefen der Meere und deren Anführer Davy Jones. Stilistisch hervorzuheben sind die Einsätze einer Orgel (im Davy Jones-Thema) und der eher misslungene Einsatz einer E-Gitarre im Stück "You Look Good Jack". Der Einsatz der Orgel ist wirkungsvoll und gibt der Melodie einen "alten" Touch (schade, dass dieses beeindruckende Instrument so selten in die Filmmusikkomposition miteinbezogen wird. Das letzte Mal kam sie in der Komposition von Howard Shore für seinen Score zum Video-Spiel "The Soul of the Ultimate Nation" zum Einsatz). Dem Score mangelt es an eigener Identität und Konsistenz (auch wenn diese eindeutig grösser ist als im Score zum ersten Teil, der sich manchmal anhört, als ob es ein Zusammenschnitt wäre von unterschiedlichsten Ideen aus der Feder etlicher Komponisten... ist es auch). Auch kommt die CD mit gerade mal 51 Minuten Scoreanteil eher mager daher und somit lässt sich auch darüber streite, wie gut der angeblich über 2-stündige Score thematisch repräsentiert ist. Der grösste Fehler jedoch, welcher hier begangen wurde, ist mit dem so genannten Bonus Track am Ende des Albums unverzeilich. Hier wurde die unterhaltsame orchestrale Komposition "He's A Pirate" einem Trance-Remix von Tiësto unterzogen (ähnlich wie beim Gladiator-Hit "Now We Are Free", welcher ebenfalls etliche Pop-Remixes über sich ergehen lassen musste). Im Falle von "He's A Pirate" ist das Ergebnis einfach nur unaussprechlich scheusslich. Dass das ganze dann auch noch über 7 Minuten dauert ist eine weitere Zumutung. Hätte man also die Wahl, würden sich die meisten wahrscheinlich eher für die Planke entscheiden, als sich diesen "Leckerbissen" nochmals anhören zu müssen. Daher mein Tipp: programmieren!!!
Fazit: Mit dem Sequel-Score zur Pirates-Franchise bietet uns Hans Zimmer sicherlich nichts Weltbewegendes. Die Anleihen aus dem ersten Score sind zahlreich. Dazu gesellen sich ein paar Ideen aus King Arthur, Crimson Tide und sogar The DaVinci Code. Somit ist Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest nicht wirklich originell und auch kompositorisch mag er nicht wahnsinnig zu beeindrucken. Unterhaltsam ist er jedoch allemal und daher als kleines Souvenir zum Film durchaus zu empfehlen.
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