Coeurs (2006)
Herzen
Coeurs (2006) Herzen
Oder: Leise rieselt der Schnee
In Paris sind die Herzen mal wieder einsam. Immobilenmakler Thierry (André Dussollier) leiht sich von seiner bibelsicheren Assistentin Charlotte (Sabine Azéma) Videokassetten mit Kirchenprogrammen aus, und entdeckt dabei die leicht frivole Seite der Ausleihenden. Thierrys viel jüngere Schwester Gaelle (Isabelle Carré) begibt sich jeden Abend auf ein Blind Date, ohne je einmal den Richtigen zu finden. Nicole (Laura Morante) sucht leicht frustriert eine ordentliche Wohnung für sich und ihren nichtsnutzigen Verlobten Dan (Lambert Wilson), der oft bei Lionel (Pierre Arditi) an der Bar sitzt. Lionel hingegen kümmert sich auch noch um seinen böswilligen Vater Arthur (Claude Rich, den man nur hört, aber nie sieht im Film). Die Wege der sechs Personen werden sich kreuzen.
Kinofilm-Rating
Schreibt man Texte über den französischen Regisseur Alais Resnais, scheint es Pflicht zu sein, das Wort "Altmeister" zu verwenden. "Als Vorbild geltender Vertreter eines Berufs- oder Kunstzweiges, eines Fachgebietes" definiert das Lexikon dieses Wort. Vielleicht muss man dies wieder einmal erwähnen, denn oft scheint für Journalisten ein gewisses, erreichtes Alter zu genügen, damit sie den Altmeistertitel verteilen. Mit 84 Jahren gehört Resnais sicherlich zu den Regisseuren, bei denen man sich schon wundert, dass er noch Filme dreht. Aber ist er wirklich auch ein Meister?
Sein bekanntester Spielfilm ist gleichzeitig sein erster: Hiroshima Mon Amour. Bis heute folgten darauf viele weitere, kritikerfreundliche Werke, die man ausserhalb der Cineastenkreise vom Hörensagen kennt. Auch Coeurs wird wohl nur die eingefleischten Fans richtig befriedigen.
Als Vorlage nimmt Resnais "Private Fear in Public Places". Das Theaterstück des Briten Alan Ayckbour nimmt dem Vorwurf, dass es sich beim Werk um trockene Studiofilmthematik aus Frankreich handelt, den Wind aus den Segeln. Resnais hat es aber trotzdem geschafft, den Film äusserst pariserisch wirken zu lassen. Die manchmal aus der Vogelperspektive aufgenommenen Kulissen (Hat da jemand "Café Bâle" gesagt?) sind Teil des Inszenierung. Als trennende Wand schieben sich Teile davon immer wieder zwischen die Protagonisten. Jeder Szenenübergang vollzieht sich im Flockengestöber und oft liegt Schnee auf den Schultern der Schauspieler. Der Stoff verleugnet seine Wurzeln im Theater nicht, wirkt aber trotz der künstlichen Studiobauten sehr cineastisch - vor allem dank der Musik (X-Files-Thematiker Mark Snow ist back in action) und dem breiten Cinemascope. Die Schauspieler aus dem Resnais-Reservoir sind wohl auch nicht schlecht. Trotzdem wirkt der Film seltsam distanziert. Durch die Raumwechsel wechselt ständig die Atmosphäre. Ans Herzen wächst einem Coeurs so nicht.
![]()
3.3 Sterne (6 Bewertungen) | 1 Kommentar


