Perfume: The Story of a Murderer (2006)
Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Perfume: The Story of a Murderer (2006) Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Oder: Smells like Teen Spirit
Das Parfum erzählt die Geschichte des Aussenseiters Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw), welcher 1738 unter widrigsten Umständen auf dem Pariser Fischmarkt geboren wird und durch seinen phänomenalen Geruchssinn zum Mörder wird.
Mit seiner Nase ist Grenouille in der Lage, sämtliche Gerüche der Welt zu erkennen und auseinanderzuhalten. Selbst besitzt er hingegen keinen Eigengeruch, was ihn für seine Mitmenschen zu einem unheimlichen und beängstigenden Sonderling macht. Ein Schlüsselerlebnis für den jungen Mann ist die Begegnung mit einer jungen Früchteverkäuferin (Karoline Herfurth), deren betörenden Geruch ihn berauscht und dazu treibt, sie zu ersticken. Dabei gewinnt er die bittere Erkenntnis, dass sich dieser Duft nicht aufbewahren lässt. Verzwiefelt über diesen Umstand beginnt er eine Lehre beim abgehalfterten Parfumier Baldini (Dustin Hoffman), in der Hoffnung, dass dieser ihm zeigen kann, wie Düfte konserviert werden können. Baldini sonnt sich im unverhoffen Ruhm von Grenouilles Parfumkreationen, die er unter eigenem Namen auf den Markt bringt. Dieser ist aber nicht zufrieden: Baldini kann ihm zwar zeigen, wie beispielsweise Rosen zu einem Duftwasser destilliert werden können - bei menschlichen Gerüchen aber versagt diese Methode.
Grenouille verlässt deshalb Paris in Richtung des Parfum-Mekkas Grasse, wo er die Methoden erlernt, mit welchen es möglich ist, auch menschliche Gerüche zu konservieren. Aus der frustrierenden Erkenntnis, dass er keinen individuellen Geruch verströmt - was für ihn mit dem Fehlen einer eigenen Persönlichkeit gleichkommt - beschliesst er, für sich ein einzigartiges Parfum zu erschaffen, welches aus den Düften dreizehn junger Frauen besteht. Dass diese bei der Herstellung sterben müssen, ist unumgänglich. Bald hat er die zwölf Grundkomponenten seines Parfums zusammen. Es fehlt nur noch Duft Nummer 13, die abschliessende individuelle Note. Dafür auserkoren hat er die schöne Laure (Rachel Hurd-Wood), Tochter des angesehenen Kaufmannes Richis (Alan Rickman). Doch Richis unternimmt alles Erdenkliche, um seine Tochter vor dem mittlerweilen landesweit gefürchteten Mörder zu schützen...
Kinofilm-Rating
Es ist das Schicksal einer jeden Romanverfilmung, dass sie unweigerlich an ihrer literarischen Vorlage gemessen wird. Je erfolgreicher der Roman, desto schwieriger ist es für den Film, sich als eigenständiges Werk zu behaupten. Insbesondere, wenn es sich bei der Vorlage um ein wahrhaftiges Monument der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur handelt: "Das Parfüm" von Patrick Süskind aus dem Jahr 1985 brach damals sämtliche Rekorde mit über 15 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in 45 Sprachen. Seit Remarques "Im Westen Nichts Neues" hat kein deutschsprachiger Roman mehr international für ein derartiges Furore gesorgt. Klar, dass die Frage nach einer Verfilmung nicht lange auf sich warten liess. Die Liste derjenigen Regisseure, die sich seit Erscheinen des Buches für den Stoff interessiert haben sollen, liest sich wie ein Who's Who Hollywoods: Tim Burton, Milos Forman, Stanley Kubrick, Martin Scorsese, Ridley Scott... Doch Süskind hat sich 15 Jahre lang konsequent gegen jegliche Verfilmungsversuche gewehrt, bis es 2001 dem deutschen Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger gelang, ihm die Filmrechte abzukaufen. Nach weiteren fünf Jahren kommt das Resultat nun in die Kinos. Als Regisseur verpflichtet wurde dabei schliesslich Lola rennt-Regisseur Tom Tykwer. Dieser ist wohl eine Nummer kleiner als die oben genannten Schwergewichte, dennoch aber einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure der letzten Jahre.
Der stolze Betrag, welcher Eichinger Süskind für die Filmrechte zufliessen liess, blieb nicht die einzige Millioneninvestition. Auch sonst wurde bis in die Details mit der ganz grossen Kelle angerichtet (finanzielle Zustüpfe kamen dabei übrigens auch aus der Schweiz, namentlich von FC-Basel-Mäzenin Gigi Oeri). Mit Dustin Hoffman und Alan Rickman konnten zwei gestandene Schauspieler aus Hollywoods A-Liga verpflichtet werden, welche ihre Aufgabe mit der Routine erledigen, welche von ihnen erwartet werden darf. Allerdings spielen beide eine zu wenig zentrale Rolle, um längerfristig in Erinnerung haften zu bleiben. Für die Hauptrolle hingegen wurde ein höchst aufwändiges Casting durchgeführt. Man entschied sich schliesslich für den heute 26-jährigen Engländer Ben Whishaw, für welchen die Rolle des Grenouille die erste grosse Hauptrolle ist. Er meistert diese schwierige Aufgabe souverän und konzentriert, verfügt nur über einen wirklichen Makel: er sieht zu gut aus. Während Grenouille im Buch als abstossende, widerliche Gestalt beschrieben wird, kann dies von Whishaw beim besten Willen nicht behauptet werden. Offensichtlich wollen die Produzenten das Publikum, welches schon die Untaten der Hauptfigur zu verkraften hat, nicht zusätzlich mit einem wirklich hässlichen Hauptdarsteller vergraulen. Nun gut.
Was ist sonst von der mit Spannung erwarteten Verfilmung zu erwarten? Kann die filmische Umsetzung eines derart erfolgreichen Romans überhaupt erfolgreich geschehen? Die Antwort auf diese Frage: ja. Das Parfum ist ein in sich stimmiger, bildgewaltiger, äusserst sorgfältig inszenierter Film in historischem Umfeld, welcher sich vor grossen Hollywoodproduktionen nicht zu verstecken braucht. Das Drehbuch hält sich dabei im Wesentlichen an Süskinds Buchvorlage, mit einigen kleinen Änderungen, die in erster Linie im Hinblick auf dramaturgische Effekte vorgenommen wurden. Die negativen Aspekte des Filmes lassen sich direkt aus dessen Stärken ableiten: Durch die aufwändige Inszenierung erscheint er zeitweilen als zu makellos auf Hochglanz getrimmt; wenn auch die Produzenten gemäss eigenen Angaben grössten Wert darauf legten, das dreckige Paris des 18. Jahrhunderts ungeschönt darzustellen, bleibt Das Parfum doch in jeder Hinsicht ein schöner Film, sowohl im positiven als aber auch im negativen Sinn. Die teilweise durchaus ruppige Vorlage wird abgefeilt und in manchmal allzu perfekte Bilder umgesetzt. Trotzdem - und das ist den Machern wiederum hoch anzurechnen - bezieht der Film keinerlei moralische Stellung. Die schwierige Herausforderung, die geruchsdominierte Welt Grenouilles in die von Bild und Ton dominierte Filmsprache zu übertragen, meistert er im Rahmen seiner Möglichkeiten: Grossaufnahmen von Grenouilles schnüffelnder Nase oder Bilder von golden glitzernden (Duft-) Wässerchen, unterlegt mit effektiven akustischen Effekten, sind hierbei die Mittel, denen er sich bedient.
Das Parfum wird problemlos auch die wenigen Zuschauer mitreissen können, welche das Buch nicht gelesen haben. Süsskinds Geschichte ist - trotz historisch genauer Einbettung - zeitlos. Die Verfilmung weist zudem einige Parallelen auf zu Der Name der Rose von 1986, für den sich ebenfalls Eichinger als Produzent verantwortlich zeigte: dort wie da galt die Vorlage lange Zeit als unverfilmbar, der betreffende Autor weigerte sich lange, die Rechte zu verkaufen, wurde aber durch Eichingers Hartnäckigkeit doch noch umgestimmt. Dieser verpflichtete darauf einen renommierten europäischen Regisseur (Jean-Jacques Annaud resp. Tom Tykwer), einen bis dato unbekannten Hauptdarsteller (Christian Slater resp. Ben Whishaw) und zwei bewährte Stars in weiteren tragenden Rollen (Sean Connery und F. Murray Abraham resp. Dustin Hoffman und Alan Rickman). Das Rezept geht auf: Der Name der Rose gilt heute als Klassiker - Das Parfum hat das Potenzial dazu. Die These von der Unverfilmbarkeit darf somit in beiden Fällen widerlegt werden. Dass die Vorlage hierfür gezwungendermassen reduziert werden muss, kann angesichts der Verschiedenheit von filmischer und literarischer Sprache als Notwendigkeit akzeptiert werden.
Aus Augen des Kinogängers ist Das Parfum jedenfalls bestes europäisches Kino, unterhaltsam und spannend, perfekt massentauglich, gewiss, doch dies mag höchstens für dünkelhafte Zeitgenossen ein wirkliches Problem darstellen. Allen anderen sei der Film wärmstens empfohlen.
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