One Way (2006)

One Way (2006)

Oder: 2 sind ein Paar, 3 ist eine(r) zu viel

Kurz nach dem Weinkrampf

Kurz nach dem Weinkrampf

An einem idyllischen Flüsschen wird ein Mädchen durch den Wald gejagt. Vier jugendliche Männer verfolgen sie, schnappen und vergewaltigen sie. Zur Rettung naht ein General (Michael Clarke Duncan), der die Peiniger erschiesst. Es werden jedoch keine Leichen gefunden und das junge Mädchen wird in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert, denn es scheint, als hätte sie sich die Tat nur eingebildet.

Jahre später ist Creative Director Eddie Schneider (Til Schweiger) dick im Geschäft. Er ist mit der Tochter des Agenturleiters, der herzigen Judy (Stefanie von Pfetten) verlobt, poppt aber die attraktive Nachbarin unten an der Strasse. Ausserdem hat er von seinem Chef Russel Birk (Art Hindle) zu hören bekommen, dass er dessen Tochter erst dann heiraten darf, wenn er den nächsten Grossauftrag an Land ziehen kann. Mit viel Improvisationsarbeit (Schäferstündchen und Verkehrsstau lassen dem Yuppie keine andere Wahl) wird der Kunde gewonnen und die Welt von Eddie Schneider ist in Ordnung.

*Buh*

*Buh*

Als er mit seiner besten Freundin und Assistentin Angelina Sable (Lauren Lee Smith), mit der er wohl als einzige Frau kein Verhältnis hat, auf den Erfolg anstösst, nimmt sie ihm den Schwur ab, die Fremdgeherei zu beenden. Die beiden verabschieden sich in der Tiefgarage und Eddie braust davon. Angelina hingegen muss nochmal ins Büro hoch und trifft auf Verlegersohn und Bald-Schwager von Eddie, Anthony Birk (Sebastien Roberts), der sie brutal zwischen Bürotisch und Kaffeemaschine vergewaltigt.

Föhnfrisuren sterben nie

Föhnfrisuren sterben nie

Als Eddie Angelina am nächsten Morgen total aufgelöst in der Tiefgarage findet, schwört er, Anthony dafür bezahlen zu lassen. Doch dieser hat bereits vorgesorgt. Er hat einen Detektiv auf Eddie angesetzt, der Schnappschüsse dessen diverser Frauenbesuche mitgebracht hat. Und wenn Eddie im Gericht gegen Anthony Birk aussagt, dann würden diese Fotos an Judy gehen und Eddies Karriere somit den Bach runter.

Zwischen Stuhl und Bank sitzend entscheidet sich Eddie dem Angebot zu folgen und merkt erst zu spät, in was für eine Lage er sich selber damit bringt. Denn die Birks sind mächtig und deren Anwälte schrecken vor nichts zurück, um dem eh schon nicht sehr glaubwürdigen Lügner Eddie das Leben so schwer als möglich zu machen. Da hat auch Eddies Anwalt Nick Swell (Eric Roberts) keine Chance.


DVD-Rating

Mit One Way wird eine weitere grosse, internationale Filmproduktion präsentiert, die einen internationalen Cast mit Till Schweiger in der Hauptrolle unter der Flagge des Schweizer Regisseurs Reto Salimbeni vereint. Das Resultat ist ein klar europäisch angehauchtes, eindrückliches Drama, mit kühlen Bildern und einem schwierigen Thema.

Schon in den ersten paar Minuten wird der Zuschauer durch eine Frau aufgeschreckt, die schreiend durch den Wald rennt und später gnadenlos vergewaltigt wird. Bereits da wird klar, dass hier ein ziemlich unangenehmes Thema behandelt wird, das nicht oft in Filmen zur Sprache kommt. Nach dem durchaus aufrüttelnden Intro wird allerdings erstmals ein Gang zurückgeschaltet. Wir beschäftigen uns primär mit Eddie Shneider (Till Schweiger) und begleiten ihn zwischen Seitensprüngen und Präsentationen.

Solch abrupte Genrewechsel und Storytwists gibt es noch einige, was One Way kurzweilig und spannend macht. So wird aus der anfänglichen Vergewaltigung die Story eines erfolgreichen Marketingexperten, welche anschliessend zu einer Intrigenmühle und später zu einem Gerichtsfall führt. Die geschickte, kalte Bildwahl und die passende musikalische Unterhaltung, kombiniert mit ruhigen Szenen und intensiven Bildern, die unter die Haut gehen, machen One Way zu einem sehr gut inszenierten Drama. Eine Abwärtspirale wird porträtiert, die nur im Tod oder im Gefängnis enden kann. Unter den Schauspielern überzeugen vor allem das Vergewaltigungsopfer Angelina (Lauren Lee Smith) und ihr Peiniger Antony (Sebastien Roberts). Beide spielen ihre Rollen perfekt und machen die Thematik noch eindrücklicher. Die übrigen Schauspieler geben ebenfalls eine solide Leistung ab, erreichen jedoch nicht dieselbe schauspielerische Intensität, wie die zuvor genannten Akteure.

Fazit: One Way kombiniert geschickt mehrere Genres miteinander. Dem versammelten Cast gelingt es, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der sich mit seinen Lügen mehr und mehr in eine Situation manövriert aus der es beinahe kein Entkommen mehr gibt. Humorvolle Szenen, wie Eddies Präsentationen der neuen Marketingkampagnen, bilden einen sehr guten Kontrast zu den wüsten Vergewaltigungsszenen und der bisher wohl einzigartigen Rache des Opfers. Insgesamt bleibt One Way aber ernüchternd kalt und der Balanceakt zwischen den Genres gelingt nur bedingt. Dennoch: wer sich darauf einlässt, erhält ein gelungenes, eindrückliches Drama, welches durchaus überzeugen kann und sicher zum Diskutieren anregt.

Über die Testdvd wird keine Bildqualitätswertung abgegeben. Es bleibt zu hoffen, dass die Kaufdvd nicht so überblendete und unscharfe Bilder hat. Das Bonusmaterial ist geprägt durch Till Schweiger, der nicht nur die Einführung zur DVD macht, sondern auch den Kommentar zu den Deleted Scenes spricht. Hier stellt er klar, wie viel ihm der Film bedeutet und warum genau gewisse Szenen herausgeschnitten wurden. Ein Audiokommentar und ein Musikvideo runden das Ganze ab. Stark vermisst wird ein Making Of und der Kommentar der anderen Schauspieler. Da aber One Way an den Kinokassen nicht den gewünschten Erfolg hatte, musste wohl auch das Bonusmaterial darunter leiden. Dennoch: das was gezeigt wird bietet einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt hinter dem Film.


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27.09.2007 / db

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