Once (2006)
Once (2006)
Oder: Es war einmal ein Broken Hearted Hoover Fixer Sucker Guy...
Ein Strassenmusiker (Glen Hansard) zupft täglich in der Fussgängerzone von Dublin seine Gitarre und verdient sich damit ein paar Euros zu seinem mageren Lohn im Staubsaugerreparaturgeschäft seines Vaters. Während er tagsüber des Geldes wegen nur bekannte Songs zum Besten gibt, wagt er es abends, auch seine eigene Musik zu spielen, mit der er irgendwann einmal durchstarten will.
Eines Nachts spricht ihn eine junge Tschechin (Markéta Irglová) an, die mehr über seine Songs und die leidenschaftlichen Texte wissen möchte. Da ihr seine Musik gefällt und sie auch noch einen kaputten Staubsauger zuhause hat, den er doch reparieren könnte, sucht sie ihn am nächsten Tag - mit Staubsauger im Schlepptau - wieder auf. Erst will er sie auf einen anderen Tag vertrösten, doch schliesslich lädt er sie zum Mittagessen ein, wo er erfährt, dass sie eine talentierte Pianistin ist, sich aus Geldmangel jedoch kein eigenes Klavier leisten kann. In einem Musikgeschäft, in dem sie jeweils eine Stunde täglich üben darf, spielen die beiden spontan eines seiner Lieder. Das Resultat ist derart eindrücklich, dass die beiden augenblicklich merken, dass sie vielleicht nicht nur musikalisch perfekt zusammenpassen...
Kinofilm-Rating
Auch wenn momentan alles vom unerwartet grossen Erfolg von Juno spricht, dürfte wohl Once der wahre Sieger im inoffiziellen Rennen der kleinen, feinen Filme mit fetten Einspielergebnissen sein. Schliesslich hat es der irische Film geschafft, mit einem Budget von gerade Mal 180'000 € bisher weltweit über 16 Millionen $ einzuspielen. Der Oscar für den besten Filmsong (Falling Slowly) und die Tatsache, dass die beiden Hauptdarsteller gar keine professionellen Schauspieler, sondern "nur" Musiker sind, macht das Produktionsmärchen von Once gleich noch ein bisschen perfekter. Glen Hansard, sonst Bandleader der irischen Band "The Frames", hätte ursprünglich sogar nur die Musik schreiben sollen, während Cillian Murphy (Breakfast on Pluto) als Darsteller gedacht war. Was das für ein Film geworden wäre, darüber kann im Nachhinein natürlich nur spekuliert werden - anders wäre es aber bestimmt herausgekommen.
Die Wahl von Laienschauspielern scheint jedoch genau das gewisse Etwas auszumachen, was den Film von anderen Musikfilmen abhebt. Zum einen erzählt der Film eine ziemlich unkonventionelle Liebesgeschichte zweier einsamer (und im ganzen Film namenlos bleibender) Menschen, die sich durch ihre Liebe zur Musik finden und ihre Kreativität gemeinsam ausleben können. Zum anderen ist es aber gerade kein durchchoreographiertes Musical, in dem getanzt wird und Dialoge durch Gesang ersetzt werden, sondern es sind jeweils fertig geschriebene Songs, die in realistischen Gesangssituationen vorgetragen werden, was teilweise fast schon dokumentarische Aspekte zu haben scheint. Trotzdem schafft es der Film eindrucksvoll, gerade durch die Musik die tiefsten Gefühle der Figuren darzustellen und damit indirekt die Liebesgeschichte selbst abzubilden. Aber auch auf Erzählebene nimmt die Musik allgemein eine zentrale Stellung im Leben fast aller Filmfiguren ein, denn neben der Sehnsucht nach einem Seelenverwandten blitzt auch immer wieder die Hoffnung auf, irgendwann einmal Erfolg mit der Musik zu haben.
Lässt man den überraschend kitschfreien und teilweise urkomischen Filminhalt einmal beiseite, so besticht diese kleine Filmperle natürlich schon ganz allein durch den wunderbaren Soundtrack, der gerade in Verbindung mit den Filmbildern enorm eindrücklich ist und zu spontanen CD-Käufen verleiten könnte. Gerade "Falling Slowly", das erste Lied, das die beiden miteinander singen, verursacht Gänsehaut und hat enormes Ohrwurmpotential. Zumindest der Soundtrack, aber auch der Film selbst, sind also definitiv nichts, was man sich nur "once" antun will.
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