The Official Film of the 2006 FIFA World Cup (2006)
FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 - Der offizielle FIFA Film
The Official Film of the 2006 FIFA World Cup (2006) FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 - Der offizielle FIFA Film
Oder: Fussball für FIFA-Funktionäre
198 Teams versuchten sich für die Endrunde der Fussball-WM 2006 zu qualifizieren. 32 davon durften vom 9. Juni - 9. Juli in Deutschland um den "World Cup" spielen. Mit Australien schickten erstmals seit langem wieder alle sechs Konfederationen mindestens eine Mannschaft. Trinidad und Tobago war das kleinste Land. Aus Afrika kamen Tunesien und die Neulinge Angola, Elfenbeinküste, Ghana und Togo, welche aber bis auf Ghana alle bereits nach der Vorrunde den Rückflug buchen mussten. Spanien und Argentinien spielten den attraktivsten Fussball, sie konnten aber genauso wenig wie der grosse Favorit Brasilien verhindern, dass die vier letzten Mannschaften im Turnier alle aus Europa kamen. Die Halbfinalpaarungen lauteten Deutschland-Italien und Portugal-Frankreich. Italien wurde Weltmeister im Penaltyschiessen. Kurioses passierte dem Schiedsrichter Graham Poll als er einem Spieler im selben Spiel drei gelbe Karten gab. Den Fairplaygedanken ad absurdum führte auch das Achtelfinale zwischen Portugal und Holland, während dem 16 gelben und vier roten Karten verteilt wurden.
DVD-Rating
FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 - Der offizielle FIFA-Film - ein Titelmonster als Folge des Copyright-Wahn im Weltverband - ist nicht die erste DVD über das grosse Fussballturnier. Während die ARD schon vier Scheiben auf den Markt gebracht hat mit Expertenanalysen und jedem geschossenen Tor, wird bald auch Das Sommermärchen mit noch mehr Extras einen erweiterten Blick auf das Innenleben einer der teilnehmenden Mannschaften bieten. Sönke Wortmann durfte als offzielles Werk zwar auch die geschützten Bilder aus dem Stadion zeigen, aber der wirklich "offizielle Film" ist nun eben dieser hier. Deshalb darf man sich auf exklusives Bildmaterial freuen.
Es handelt sich dabei um die "Trainerbänkchen-Perspektive". Regisseur Michael Apted (The World is not enough) hatte ab dem Viertelfinale richtige Filmkameras am Spielfeldrand, die immer dem Ball folgten. Das ist auf den ersten Blick zwar spannend. Denn wie gepflegt der Rasen im Olympiastadion war, konnte man im TV nicht erkennen. Einem genaueren Blick hält das Gezeigte aber nicht stand. Man könnte es als Bildbandatmosphäre bezeichnen. Fussballbücher leben ja auch von grossformatigen Bildern "aus dem Spiel". Die sind zwar schön anzuschauen, aber Spielzüge und -taktiken sind nicht zu erkennen. So verwundert es nicht, dass man die Goals in diesem Film oft wieder aus der "normalen" Perspektive zeigen muss. Ein anderes Indiz für die falsche Perspektivenwahl ist, dass man den besten Spieler des Turniers, den italienischen Verteidiger Fabio Cannavaro, fast nie zu sehen bekommt. Ein flitzender Flügelstürmer mit viel weniger Spielzeit, wie z. B. David Odonkor aus Deutschland, hingegen ständig. Odonkor hatte den Ball einfach länger am Fuss als Cannavaro und war dabei oft in der Vorwärtsbewegung. Ein rennender Spieler ist für diese Kameraeinstellung einfach der interessantere als ein tacklender. Deshalb ist der offzielle FIFA-Film in erster Linie das perfekte Produkt für einen FIFA-Funktionär. Eine Person also, die wenig von Fussball versteht, sich nicht interessiert, was ausserhalb der Stadien ablief, den Fan vor allem als bunt verkleidetes Element einer Kulisse sieht und es am tollsten findet, wenn die Sponsorenbanden immer schön im Bild sind. Solche Personen werden glücklich mit Slo-Mo-Athletik von Ballartisten.
Diese Funktionärsfreundlichkeit ist auch im Kommentar zu spüren. Meist ist auf der Tonspur sowieso nur Stadionsound zu hören (leider nur in kommunem Stereo statt Dolby Digital 5.1), nur wenn es gegen Schluss der spannend wird, dürfen ein paar Waldhörner ran. Nicht einmal ein Johannes B. Kerner, der auf Deutsch moderiert (englischer Kommentar von Pierce Brosnan) darf allzu viel Emotionen zeigen. Zwar gibt es schon kleinere Unterschiede inhaltlicher Art, wenn man die Deutschen spielen sieht, im Vergleich zu Brosnans Kommentaren. Aber ansonsten werden Statistiken geleiert ("Seit 1982 hat kein Deutscher mehr einen Penalty verschossen") und Blatterfreundliches Gebrabbel serviert ("Mehr Länder als in der Uno", "der beliebteste Sport bei Kindern auf der ganzen Welt"). Unschönes wird nicht gezeigt. Das einzige Foul ist der berühmte Kopfstoss von Zinedine Zidane im Finale, den man nur mit grosser Mühe hätte verschweigen können. Das Handgemenge nach Argentinien-Deutschland wird nur in den Extras angesprochen. Sogar die etwas gar rüpelhaft-fidele Siegesfeier der Italiener vor der Pokalübergabe fällt einem seltsam wirkenden FIFA-Sauberkeitsfimmel zum Opfer. So hat sich dieser Film wohl ausser für FIFA-Propagandisten nur für einen richtig gelohnt. Sein Macher Michael Apted darf auch gleich noch Goal 3 drehen.
Wenn man sich nicht stört an der limitierten Sichtweise bietet diese DVD ein wunderschönes Bild. Volle 20 Minuten für jedes gezeigte Spiel ab den Viertelfinals. Für den Final sogar eine ganze halbe Stunde, weil man dort auch noch ein bisschen Shakira beim aufwärmen sieht. Beim Ton hätte man sich über Mehrkanal gefreut. Die einzigen Extras sind Interviews mit Didier Drogba, Horacio Elizondo, Thierry Henry, Jens Lehmann Michael Ballack, Hidetoshi Nakata und Fabio Cannavaro, die alle ausser Lehmann in ihrer Muttersprache befragt werden und meist auch nicht viel tiefgründigeres Sagen als Filmschauspieler in Making-ofs. Am interessantesten dabei, wenn Jens Lehmann zum ersten Mal selber seine Penaltyparaden am Fernsehen sieht und Schiedsrichter Elizondo zur roten Karte, die er Zidane im Finale gab, befragt wird. Wer übrigens hofft, den Vorfall, der zu ebendiesem Spielausschluss führte, aus anderer Perspektive als die wohlbekannte zu sehen, hofft vergeblich. Auch Michel Apteds Kameras fingen den entscheidenden Moment nicht ein. Es war ja auch kein Ball im Spiel. Schweizer Spieler sieht man auf dieser DVD genau einmal. Auf der Menutafel mit den Audioptionen sieht man Philipp Degen und Raphael Wicky.
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3.0 Sterne (3 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
DVD erschienen am 05.12.2006
- Bildformat: 1.78:1 (Anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0), Italienisch (Dolby Digital 2.0)n
- Untertitel: Englisch, Italienisch, Deutsch, Türkisch
- Extras: Interviews mit Didier Drogba, Horacio Elizondo, Thierry Henry, Jens Lehmann, Michael Ballack, Hidetoshi Nakata und Fabio Cannavaro.


