The Nativity Story (2006)
Es begab sich aber zu der Zeit...
The Nativity Story (2006) Es begab sich aber zu der Zeit...
Oder: The Lord of the Kings
Jerusalem, Jahr 0. Der König Herodes lässt alle Jungen unter zwei Jahren umbringen. Er fürchtet sich vor einer alten Prophezeiung, wonach ein neuer König erscheine, der mächtiger sei als alle anderen. Ein Jahr zuvor erscheint einem jungen Bauernmädchen, Mary (Keisha Castle-Hughes), in Nazareth ein Engel. Dieser sagt ihm, es werde das Kind Gottes zur Welt bringen. Tatsächlich wird sie schwanger. Was soll sie nun ihren Eltern und ihrem frisch Verlobten Joseph (Oscar Isaac) erzählen? Ausserdem muss sich Joseph aufgrund einer Volkszählung auf den Weg nach Bethlehem, seiner Heimatstadt, machen.
Ungefähr zur gleichen Zeit beobachten im fernen Persien drei Gelehrte eine aussergewöhnliche Sternenkonstellation. Nach einigen Berechnungen beschliessen sie, sich auf den Weg zu machen, um zu sehen, ob sich die alte Prophezeihung wirklich bewahrheite.
Kinofilm-Rating
Um es gleich vorweg zu nehmen: The Nativity Story ist weder kontrovers noch irgendwie neu interpretiert. Es ist ganz einfach die Weihnachtsgeschichte. Mit allem, das dazugehört. Der Film macht seine Position von Anfang an klar, indem er mit einer Texttafel in Goldschrift beginnt: Die Prophezeihung - mit Quellenangabe (Jeremiah 23:5-6). Der Drehbuchautor hat kaum Änderungen vorgenommen, da er selber sehr gläubig ist. Weil die Geburt Jesu Christi in der Bibel jedoch bloss sehr knapp beschrieben wird, hatte seine Fantasie viel Freiraum, um die Geschichte auf Kinoformat aufzublasen.
So erfindet Mike Rich (Finding Forrester) für die drei Könige eine Beziehungskrise, für Joseph die Rettung eines Esels und für Mary (welche ganz im Mittelpunkt steht) eine seltsam emanzipierte Ader. Die 16-jährige Keisha Castle-Hughes (die für ihre Leistung in Whale Rider für den Oscar nominiert wurde) trägt ihre Hauptrolle der Mary mit einer erstaunlichen Intensität. Oscar Isaac als Joseph ist jedoch oftmals bloss nett und wirkt etwas pathetisch. Die drei Könige macht Rich für die Komik im Film zuständig - manchmal auch unfreiwillig. Wenn die drei fröhlichen Kumpanen in ihre astronomischen Geräte schauen, machen sie so grosse Augen wie Kinder vor dem Weihnachtsbaum und blicken nett choreographiert zum Himmel. Ihre gegenseitigen Sticheleien lockern den Film zwar auf, wirken jedoch oft deplaziert.
Grosse Mühe hatte ich mit der Tatsache, dass Rich aus den Figuren der Weihnachtsgeschichte moderne Menschen macht - die jedoch handeln wie vor 2000 Jahren. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Mary, die sich - ganz emanzipierte Frau - zuerst zur Zwangsheirat mit Joseph weigern will; ihre Mutter zeigt dafür erst noch Verständnis. Auch Joseph ist so endlos sensibel und verständnisvoll, dass sich jeder "Mann von heute" eine Scheibe abschneiden könnte. Ich behaupte nicht zu wissen, wie die Leute im Jahr 0 wirklich waren. Doch Worte und Taten der Figuren in diesem Film widersprechen sich manchmal auf skurrile Weise.
Die Regisseurin Catherine Hardwicke (Thirteen, Lords of Dogtown) hat vor allem als Produktionsdesignerin grosse Erfahrung (sie war unter anderem für Three Kings und Vanilla Sky zuständig). So wurde sichtbar viel Wert auf "Authentizität" gelegt. Kostüme und Gesichter sind angenehm verdreckt statt Hollywood-plastifiziert. Gesprochen wird fast ausschliesslich englisch - mit hartem Akzent, versteht sich. Sprachliche Absurditäten ("Shalom, Mary") beachtet man beim Zuschauen kaum.
Die Computereffekte bekommen ein "knapp genügend". Wer die Augen etwas zukneift, sieht fast nicht, dass Jerusalem in der Totalen digital an den Berghang montiert wurde. Auch der sonderbar helle Sternenhimmel stört dann kaum. Bloss der eine Lichtstrahl, der vom Himmel über den Stall in Bethlehem kommt, ist auch noch mit geschlossenen Augen zu hell und zu dick aufgetragen. Die Musik von Mychael Danna (The Ice Storm, Little Miss Sunshine) erinnert mit seinen Chören, Hörnern, östlichen Instrumenten und der hohen Frauenstimme zeitweise an The Lord Of The Rings, hält sich jedoch glücklicherweise dezent im Hintergrund. Nur am Ende rutscht Danna die Hand aus, als er das "Stille Nacht, heilige Nacht"-Motiv ziemlich plump einsetzt, während Mary und Joseph durch die Wüste reiten.
Fazit: Hardwicke wollte einen "historischen Film" drehen, der "ebenso episch wie intim" sei. Dies ist ihr bis auf den Schluss mehr oder weniger gelungen. Doch einige Schauspieler (z.B. der dauergrimmige Herodes) machen sich ihre Arbeit allzu einfach und den Film platt statt "intim". Auch das Drehbuch kommt nicht immer glaubwürdig rüber. The Nativity Story ist eine nette, etwas selbstgefällige Illustration einer uralten Geschichte. Meist wird mit Effekten angenehm sparsam umgegangen (für Hollywood-Verhältnisse), doch der Schluss trieft leider vor Kitsch. Einige Schauspieler driften ins Pathetische ab, was unter anderem für unfreiwillige Komik sorgt. Trotz allem wird der Film wahrscheinlich ein Publikum finden. Denn die die dem Film zu Grunde liegende, ursprüngliche Geschichte hat eine Kraft, die durch alle Kulissen und Kostüme hindurch fasziniert.
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3.2 Sterne (4 Bewertungen) | 2 Kommentare


