Nachbeben (2006)
Nachbeben (2006)
Oder: Goldküste ahoi!
Irgendwo an der Zürcher Goldküste liegt die Villa von HP (Michael Neuenschwander), natürlich mit Seeanstoss, grossem Umschwung, Teich. Hier lebt der Investment Banker mit seiner Frau Karin (Susanne-Marie Wrage), Sohn Max (Mikki Levy) und dem dänischen Au-Pair Birthe (Olivia Frølich). Heute ist ein besonderer Tag. HPs Freund und Boss Philip (Georg Scharegg) kommt mit seiner schwangeren Frau Sue (Bettina Stucky) und Kind zum Grillieren. Alles muss perfekt sein, HP muss an diesem Abend Philip dazu bringen, den von langer Hand geplanten Deal zu genehmigen. Denn was nur er weiss: Längst steht der auf grossem Fusse lebenden Familie das Wasser bis zum Halse - kann er den Deal nicht an Land ziehen, wird er zur Tilgung der Schulden das Haus verkaufen müssen.
Einfach diesen Deal unter Dach und Fach bringen, und alles wird gut. Schnell zeigt sich aber: so einfach wird dies nicht. Der unerwartet von Philip ebenfalls zum Essen mitgebrachte "Praktikant" Gutzler (Leonardo Nigro) erweist sich als kleiner Arschkriecher, der sich nicht nur mit HPs Chef sehr gut zu verstehen scheint, sondern auch heftig mit Karin flirtet. Dieser kommt ein kleines Abenteuer richtig gelegen, läuft doch zwischen ihr und HP schon lange nicht mehr alles rund. Auch bei Philip stimmt längst nicht mehr alles. Just an diesem Abend will er seine Affäre mit der jungen Birthe beenden. Diese lässt sich jedoch nicht so einfach ruhig stellen und will Geld, viel Geld, für ihr Schweigen.
HP soll's richten. Bringt er Birthe zum Schweigen, steht der Deal. Doch der Abend wird länger, als allen lieb ist...
Kinofilm-Rating
Die ganze Welt trauert einem schwachen 2005 nach. Die ganze Welt? Nicht ganz. Das kleine Land Schweiz bringt in letzter Zeit einen guten Film nach dem anderen in die Schweizer Kinos. Während Grounding und Handyman neue Kassenrekorde anpeilen, bleibt der kleine, aber umso feinere Film Nachbeben bescheiden. Mit einfachen Mitteln gedreht und ohne grosses Budget, überrascht er mit einer witzig-tragischen Alltagsgeschichte.
Nachbeben zeichnet sich vor allem durch die stereotypischen Charaktere aus. Genau so stellt man sich Banker und ihre Familien vor. Für einmal ist es sogar gut, dass die Figuren dem Schema F entsprechen - so wirken die Dialoge paradoxerweise äusserst glaubhaft und echt. Dieses Gefühl wird verstärkt durch eine Kameraführung, die den Charakteren regelrecht auf den Leib rückt. Schamlos und oft in Grossaufnahme wird gezeigt, wie die Scheinwelt der einzelnen Personen langsam in sich zusammenfällt.
Dabei sind es die kleinen Details, die den Film besonders auszeichnen. Sei es wie HP den Gutzler zum Grillmeister abkommandiert, oder sich die durch Alkohol angeheiterte Truppe über eine Wette mit Spielzeugtierchen erfreut. Einzig die Rolle als Sohn springt hier aus der Rolle. Er, der eigentlich der einzige "Normale" der ganzen Truppe hätte darstellen können, trägt nur sehr wenig zur Story bei. Schade auch, dass HP kein Züüüüüridüüüütsch spricht...
Dank einfachem Setting - Haus und Garten - und charmanten, ehrlichen Charakteren vermag der erste Kinofilm von Stina Werenfels zu überzeugen. Mal amüsant, mal komisch, mal tragisch - Langeweile kommt in den 96 Filmminuten nie auf.
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4.5 Sterne (21 Bewertungen) | 14 Kommentare



