Miss Potter (2006)
Miss Potter (2006)
Oder: Nicht Harrys Mum!
Wir sind im London am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Menschen sind steiff, die Backenhaare der Gentlemen mächtig und die Oberschicht sitzt sich gerne Nachmittags um Vier zu Tee und Gebäck hin und lässt sich vom Personal bedienen. Zu dieser Zeit lebte auch die 32-jährige Beatrix Potter (Renee Zellweger). Im Haus ihrer Eltern flüchtet sie sich immer öfters in ihre eigene Welt. In eine Welt voll gezeichneter Tiere, fantasievollen Geschichten und weg vom alltäglichen Irrsinn der ihr vorgestellten Heiratskandidaten, die alle irgendwie Ähnlichkeit mit Tieren (*oink*) zu haben scheinen.
Fast verzweifelt geht sie mit ihren Kindergeschichten bei den verschiedenen Verlegern hausieren. Doch auf ihre Bilderbücher über Peter den Hasen und ähnliches scheint man nicht gewartet zu haben. Bis zu jenem Tag als einer ihrer Verlegerbesuche erfolgreich zu sein scheint. Ein Brüderpaar verspricht, die Geschichten zu veröffentlichen und geben damit ihrem kleinen Bruder Norman (Ewan McGregor) die Chance, sich um sein erstes Buchprojekt zu kümmern.
Doch Normans und Beatrix' Welt verändert sich mit dem ersten Aufeinandertreffen der beiden. Im keuschen England, in dem bei unverheirateten jungen Frauen immer eine Anstandsdame anwesend ist, verlieben sich die beiden und beginnen ein glückliches Leben mit verstohlenen Küssen, scheinbar unabsichtlichen Berührungen und zum Schluss einem Heiratsantrag, der so manches in der Familie Potter durcheinander bringt. Ausserdem hat Beatrix in Normans Schwester Millie (Emily Watson) zum ersten Mal so etwas wie eine beste Freundin gefunden.
Während sich die Bücher von Miss Potter zu einem Verkaufsschlager entwickeln, muss ihre Liebe zu Norman grössere Hürden überspringen. Denn diesen Sommer soll sie mit ihren Eltern aufs Land fahren. Und nur wenn nach diesen drei Monaten Trennung das Feuer der Liebe noch immer flackert, wollen sich die Eltern von Beatrix dazu durchringen, die Heirat zu genehmigen. Doch dann passiert etwas Schlimmes.
Kinofilm-Rating
Miss Potter? *hähä*, ist das die Mutter von Harry? Jaja, nicht selten hört man diesen schlechten Spruch, wenn man von Beatrix Potter erzählt. Denn so bekannt ihre Zeichnungen von Peter Rabbit, Jemina Puddle-Duck oder den Flopsy Bunnies auch sind, so scheinbar unwissend ist man, wenn man den Namen der Autorin hört. Regisseur Chris Noonan, der mit Babe sogar die Schweine sprechen liess, verstand es eindrucksvoll eine sympathische Geschichte mit einer Biographie-ähnlichen Thematik zu vermischen.
Wenn man sich Miss Potter anguckt, scheint die Befürchtung eines langweiligen und uninteressanten Films sich glücklicherweise nicht zu bewahrheiten. Der Trailer damals liess auf eine recht zähle Sache schliessen, die sich aber, zu meiner Überraschung, als mehrheitlich leichte und sympathische Geschichte entpuppt. Die Dialoge der Titelfigur mit ihren Zeichungen, sowie deren schöne Animation (die Viecher springen auf den Zeichnungsblättern hin und her oder zwinkern in die Kamera) sind einfach nur herzig und lassen auch darüber hinwegsehen, dass Renee Zellweger praktisch kein Mimenspiel mehr vortragen kann. Kosmetische Hintergründe dürfen da wohl entscheidenden Einfluss haben.
Überhaupt, die Dame, die in Bridget Jones zur Sympathieträgerin mancher Frau wurde, gibt sich, der Umgebung entsprechend, sehr steiff und unbeweglich. Ihre etwaigen Ausbrüche aus diesem Snobismus sind dann allerdings sehr nett anzuschauen. An ihrer Seite spielt sich (nach Down with Love) ein weiteres Mal Ewan McGregor zum witzigen Charmebolzen auf, der voll Enthusiasmus und mit einem stetigen Strahlen im Gesicht der Geschichte Witz und Pepp verleiht. Gute Leistung von ihm.
Emily Watson ist das Sahnehäubchen dieses Films. Ihre Figur ist grandios gespielt und kommt sehr liebenswert rüber. Vor allem, da sie meist das ausspricht, was der Zuschauer gerade denkt. Zu dieser feinen Leistung aller drei Schauspieler kommen herrliche Landaufnahmen, ein paar Schmunzelmomente und jede Menge Herz und Sympathie. Erfreulicherweise ist der Film somit überhaupt nicht zur zähen, langweiligen und mühsamen Biographie geworden, sondern die Filmdauer ist im Nu vorbei. Und das kann durchwegs als positives Zeichen gesehen werden.
Fazit: Miss Potter ist trotz meiner Abneigung gegen die Schauspielkunst der Renee Zellweger zu einem schönen Film geworden, der mit Leichtigkeit startet, sich dann aber zu einer waschechten Tragödie entwickelt, aus der sich die Hauptfigur imposant und beeindruckend erlöst. Zudem hat der Film mit 92 Minuten eine optimale Länge.
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4.7 Sterne (23 Bewertungen) | 5 Kommentare



