Miami Vice (2006)

Miami Vice (2006)

Miami Vice

Inzwischen ist soviel Zeit verstrichen, dass man sagen kann, dass Michael Manns Miami Vice ein mässiger Flop wurde. Entgegen den hohen Erwartungen, welche von der Presse zusätzlich geschürt wurden, weiss Mann keine packende Geschichte zu erzählen, sondern den Zuschauer (nur) mit interessanter und cooler Kinematographie während gut zwei Stunden visuell zu beeindrucken. Von der 08/15-"Story" abgesehen, kommt der Film also in coolem Gewand daher und so auch seine musikalische Begleitung.

Ob einem das Album begeistert oder nicht, kommt ganz darauf an, was man von einer solchen Scheibe erwartet (aha!!!). Für diejenigen, welche einfach nur ein tolles Souvenir zum Film haben wollen, wird das Album die Erwartungen absolut erfüllen. Wer auf eine kultige Scheibe hofft, wie sie das Original war, der wird enttäuscht sein und wer anspruchsvolle Filmmusik von John Murphy (welcher dieses Jahr schon Gurken wie Basic Instinct 2: Risk Addiction vertonte) und Klaus Badelt (ebenfalls ein Eigentor geschossen mit Wolfgang Petersons Poseidon), der wird ebenfalls enttäuscht.

Was wir kriegen, sind coole Rhythmen und Sounds von Bands und Produzenten wie Moby, Nina Simone, India.Arie und Mogwai (um nur einige zu nennen). Das Album wird eröffnet mit Nonpoints "In the Air Tonight". Ein schöner Song, der das Ambiente des Films genau trifft. Moby ist gleich mit zwei Beiträgen vertreten, wobei vor allem "One Of These Mornings" eine einlullende Wirkung hat; "Anthem" ist weniger interessant. Mogwai ist ebenfalls mit zwei Titeln vertreten und liefert atmosphärische Gitarrensounds, wobei der Titel "Auto Rock" sehr ruhig beginnt und stetig kraftvoller wird. Mit Manzanitas "Arranca" finden sich auch ein paar spanische Rhythmen, gepaart mit jazzigen Akkorden, auf dem Album: eine schöne Abwechslung. India.Arie lädt ebenfalls ein auf ein Stelldichein mit ihrem emotionalen Song "Ready for Love". Auch für sie ist die Filmmusik- und Soundtrack-Luft nichts Neues (Moby hat schon für The Bourne Supremacy mit John Powell zusammen gearbeitet und für Tomorrow Never Dies ein Remix des Bond-Themes für David Arnold abgeliefert). India.Arie hat kürzlich hat James Horner für das Sportdrama Radio ihre Stimme geliehen.

Eine Enttäuschung ist die "Sinnerman"-Version von Nina Simone. Diese wurde, um mit der Zeit zu gehen, einem Remix unterzogen und büsst somit arg an Qualität ein. Wer das betörende Original hören will, der sollte sich besser die Scheibe zu The Thomas Crown Affair anhören (mit zusätzlichem, sehr hörenswertem, jazzigem Score von Altmeister Bill Conti).

Ab Track 10 fäng das Miami-Vice-Album an durchzuhängen. Die Titel "New World in My View", "Sweep", "Anthem" und auch "Blacklight Fantasy" mögen dem Album nicht sehr viel anzurechnen und lassen den Hörer für satte 25 Minuten im Regen stehen. Ebenfalls schade ist, dass auf der Kompilation "Numb", der prominente Titel von Jay Z feat. Linkin Park, keinen Platz fand. Denn dieser ist nicht nur im Film zu hören, sondern auch im Trailer sehr effektvoll eingesetzt. Schade!

Fazit: Für die einen wird Miami Vice durchaus eine unterhaltsame Scheibe sein, welche für ein paar Autofahrten auf der Autobahn herhalten kann. Für anspruchsvollere Orchestermusikliebhaber wird das Album jedoch wenig zu bieten haben. Kommt also darauf an, was für ein Musikhörer Sie sind und je nach dam heisst es dann: Shift into second gear! Wünsche eine angenehme Fahrt.

44
19.10.2006 / bab

Sountrack-Infos

Komponisten
John Murphy
(Score) Klaus Badelt
(Score) Mark Batson
(Score)

Release
Label: Atlantic Records
EAN: 0075678399725

Tracks

In the Air Tonight - Nonpoint

One Of These Moments - Moby feat. Patti Labelle

We're No Here - Mogwai

Sinnerman (Felix Da Housecat's Havenly House Mix) - Nina Simone

Auto Rock - Mogwai

Arranca - Manzanita

Ready for Love - India.Arie

Strict Machine - Goldfrapp

Pennies in My Pocket - Emilio Estefan

10 

New World in My View - King Britt

11 

Sweep - Blue Foundation

12 

Anthem - Moby

13 

Blacklight Fantasy - Freaky Chakra

14 

Mercado Nuevo

15 

Who Are You

16 

Ramblas - King Britt & Tim Motzer

17 

A-500