Madeinusa (2006)

Die Jungfrau aus den Anden

Madeinusa (2006) Die Jungfrau aus den Anden

Oder: Ausser Rand und Band in den Anden

Madeinusa

L'Horloge fleurie

In einem abgelegenen peruanischen Andendörfchen freut man sich auf die Ostertage. Zwischen Karfreitag und dem darauf folgenden Montag herrscht "tiempo santo" - vom Mädchenchor quäkend verkündet, wenn das alte Männchen in der Dorfplatzmitte auf die Minute genau die Festlichkeiten startet. Während dieser Tage wird Jesus von Kreuz genommen und es darf allerlei Sünden gefrönt werden, weil der Abmontierte für einmal nicht sofort straft. Von Karfreitag bis zu seiner Auferstehung sind seine Augen geschlossen. Folglich sieht er auch nichts.

Madeinusa

Spot the Tschoumitcheva!

Vor allem der Gemeindepräsident (Ubaldo Huamán) freut sich darauf, sich an seiner Tochter Madeinusa (Magaly Solier) vergreifen zu können, die gerade noch zur jungfräulichen Dorfschönsten gewählt wurde. Madeinusa interessiert sich aber mehr für den fremden Salvador (Anthony Kiedis-Look-a-like Carlo Juan de la Torre), der sich aus Lima in das Indiodörfchen verirrt hat und die Festlichkeiten eher befremdet mitverfolgt. Er könnte Madeinusas Ticket aus dem einengenden Mikrokosmos ihres Dorfes werden...


Kinofilm-Rating

Das wichtigste zuerst. Der Titel des Films wird nicht englisch gesprochen, wie die Bezeichnung für Produkte, die aus den Vereinigten Staaten kommen, sondern spanisch als ein Wort und gleichzeitig Vorname für die Hauptdarstellerin. Anscheinend ist Madeinusa eine gängiger Name in Peru. Ein, wenn auch kleines, Indiz für den Einfluss der Moderne auf die jahrhundertealten indigenen Traditionen, die Claudia Llosas Debutfilm zeigt.

Ein Crew aus Profis und viele Laiendarsteller, inklusive der jungen Frau in der Hauptrolle, sorgen für schöne, oberflächlich authentisch wirkende Bilder, welche aber ziemlich drastisch auf verklärte Indiowelten in unseren Köpfen wirken. Da ist nichts mit Panflöte und so. Die Indios hier feiern wie beim Karneval und saufen bis der Arzt käme, wenn es denn einen hätte im Dorf. Dass hier was faul ist, zeigt nicht nur die Grossaufnahme einer toten Ratte als eine der ersten Einstellungen im Film. Heidnisches mit Katholischem und Quechua mit Spanisch zu vermischen, ergibt einen giftigen Mix. Was die die Regisseurin als die Geschichte einer unterdrückten Liebe in patriarchalischen Strukturen verstanden haben möchte, ist nicht unbedingt bekömmlich. Der Grat zwischen ethnosoziologischer Studie und der Diffamierung einer ganzen Kultur ist schmal.

3.2 Sterne
3.2 Sterne (4 Bewertungen) | 0 Kommentare

2.52.5
25.09.2006 / rm