Little Children (2006)

Little Children (2006)

Oder: Warum Väter nicht Hausmann sein sollten

Little Children

Baywatch?

Auf dem kleinen Kinderspielplatz, irgendwo in einem kleinen amerikanischen Vorort, scheint alles perfekt zu sein - die heile Welt schlechthin. Mütter mit ihren Kindern, die fast den ganzen Tag gemeinsam verbringen und nichts mehr lieben, als Klatsch und Tratsch auszutauschen. Seit kurzem gehört auch Sarah (Kate Winslet) mit ihrer Tochter Lucy (Sadie Goldstein) zu ihnen, doch sie kann sich nicht wirklich mit dem Lebensstil der anderen Frauen anfreuden. Diese haben sich nämlich mit ihrer Situation als Hausfrau abgefunden, leben ein ziemlich unglückliches Leben und haben es aufgegeben, für ihre Bedürfnisse zu kämpfen.

Die Schein-Idylle gerät ins Wanken, als der gutaussehende Brad (Patrick Wilson), Hausmann und Vater von Aaron (Ty Simpkins), eines Tages auf dem Kinderspielplatz auftaucht. Sarah sieht ihn zum ersten Mal, während Brad für die anderen Frauen das absolute Highlight ist, weil er nur unregelmässig an diesem Platz erscheint und sie nie wissen, ob sie ihn jemals wieder sehen werden. Sarah kommt zum Entsetzen der anderen bald mit ihm ins Gespräch und es funkt auch gleich im ersten Moment zwischen den beiden.

Little Children

"Sind das Marsmensch da drüben?"

Sarah hat Probleme zuhause mit ihrem Mann, der ihr nicht mehr wirklich treu zu sein scheint und Brad wird von Ehefrau Kathy (Jennifer Connelly) - bildhübsch und erfolgreiche Doku-Filmemacherin - rumkommandiert und erhält kaum die von ihm so gewünschte Bestätigung als Mann. Als er diese von Sarah erhält und sie wiederum in Brad findet was ihrem Mann fehlt, beginnt für die beiden eine leidenschaftliche Affäre über den Sommer. Niemand in ihrem Umfeld scheint vorerst Verdacht zu schöpfen ...


Kinofilm-Rating

Little Children ist ein ruhiger Film und zeigt Portraits von verschiedenen Leuten mit ihren Wünschen und dem Verlangen nach einem erfüllten Leben, welches sie in dieser Vorstadtwelt mit all ihren Ängsten vor Verbrechen und der eigenen Zukunft nicht zu erreichen glauben. Eine emotionale Achterbahn zwischen Realität und Traumwelt, welche sich mit der Zeit zu vermischen scheinen, so dass die einzelnen Figuren noch viel weniger wissen, wo sie nun eigentlich wirklich hingehören. Der Film basiert auf dem Roman von Tom Perrotta und erinnert etwas an Filme wie Love Actually oder Crash, in welchen ebenfalls Lebensabschnitte von verschiedenen Personen beschrieben werden, welche durch Schicksal zusammen gebracht werden.

Der Regisseur Todd Field wurde im Jahre 2001 für seinen Film In the Bedroom fünfmal für den Oscar nominiert. Little Children hat auf jeden Fall Potential für die kommenden Oscar-Nominierungen. Der Film überzeugt mit seinen wunderbaren Bildern, der ausgestrahlten Ehrlichkeit, den unerwartet ruhigen Wendungen und den überzeugenden Darstellung der Charaktere. Allen voran Kate Winslet, die ihre Rolle als Mutter, welche kein wirkliches Ziel mehr vor Augen hat und zeitweise glaubt, in ihrem Leben keinen Sinn mehr zu sehen, makellos umsetzt. Aber auch die anderen Schauspieler sind sehr gut gecastet und geben ein sehr wahrheitsgetreues Bild ihrer Charaktere wieder.

Der Film dauert mit über 130 Spielminuten relativ lange, aber diese Zeit wird auf jeden Fall gebraucht. Im Gegensatz zu anderen Filmen hat Little Children eine relativ lange Aufbauphase, was in diesem Fall aber überhaupt nicht störend oder langweilig wirkt, da man diese Phase als Zuschauer benötigt, um sich in die Welt einzuleben. Obwohl es sich von der Aufmachung und auch grösstenteils von der Story her um einen amerikanischen Film handelt, so überrascht er mit einigen Hollywood-atypischen Wendungen und ist bis zum Schluss eine in sich selbst abgeschlossene Einheit. Ein wirklich sehr schöner Film, sehr ehrlich und mit einigen unterhaltenden Elementen gespickt. Wer Love Actually mochte, wird sicherlich auch Gefallen an Little Children finden.

4.9 Sterne
4.9 Sterne (69 Bewertungen) | 8 Kommentare

5.55.5
27.10.2006 / pj