La Liste de Carla (2006)

La Liste de Carla (2006)

Im Mai 1993 gründete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY). Das Gericht soll als unabhängige Instanz die Kriegsverbrecher, welche für die ethnischen Säuberungen im ehemaligen Jugoslawien verantwortlich sind, anklagen.

La Liste de Carla

Hart und bestimmt: Del Ponte

Die Mitarbeiter der Anklage sind nun seit zehn Jahren daran, die Angeklagten zu verfolgen, sie verhaften zu lassen und vor Gericht zu bringen. Da das Team jedoch nicht über Polizeigewalt verfügt, sind sie auf die - leider oft fehlende - Mithilfe der betroffenen Staaten angewiesen. Mit der Verhaftung von Serbenführer Slobodan Milosevic ist ihnen zwar ein grosser Schlag gelungen - doch die Liste der meistgesuchten Verbrecher sucht heute noch immer sechs Angeklagte, darunter Radovan Karadzic und Ratko Mladic.

Die Filmcrew begleitet Chefanklägerin Carla Del Ponte auf ihrer unermüdlichen Jagd auf die Verbrecher. Dabei zeigen sie Einblicke in ein Arbeitsalltag, wie sie noch nie zuvor gesehen werden konnten. Und sie lassen die Mütter von Srebrenica zu Wort kommen, welche sich selber aktiv um Recht für ihre ermordeten Männer und Söhne einsetzen.


Kinofilm-Rating

Das erste Mal konnte eine Kameracrew Carla del Ponte bei ihrer Arbeit Filmen. Über eine Zeitspanne von fünf Monaten begleitete die Crew die Chefanklägerin und ihr Team während insgesamt dreissig Drehtagen. Sie blicken hinter die Kulissen des Tribunals, filmen während Sitzungen mit EU-Abgeordneten und begleiten sie auf ihren Reisen im Schweizer Bundesratsjet nach Belgrad, Zagreb und New York.

Gleichzeitig zeigen die Interviews mit direkt betroffenen Frauen aus Srebrenica, dass ihre Trauer noch immer aktuell ist. Viel Unverständnis und Wut herrscht, dass noch immer die wichtigsten Drahtzieher auf freiem Fusse sind.

Warum genau dies so ist, lässt sich dank La Liste de Clara schnell erahnen: Im politischen Seilziehen steht del Ponte ohne grosse Handlungsmöglichkeit mit ihrem Anliegen mittendrin. Noch immer werden Mladic und Karadzic als Helden angesehen. Auch wenn die Regierungen von Kroatien und Serbien offiziell "alles" tun, die Gesuchten zu verhaften, so geniessen diese wahrscheinlich noch immer weit reichender Schutz durch Armee und Gleichgesinnte.

Doch auch das politische Geplänkel zwischen UNO, USA und der EU-Staaten fordert ihren Tribut: die Geheimdienste tauschen Informationen nicht aus, das Interesse am Tribunal nimmt langsam ab. Dabei rinnt die Zeit - das Mandat von del Ponte läuft im September 2007 aus.

Der Film verschafft im Stile eines Doku-Thrillers zwar einen interessanten, "hautnahen" und ungeschönten Einblick hinter die Kulissen, doch immer wieder stören sinnlose Szenen. So sieht man beispielsweise 20 Sekunden lang ein Flugzeug am Himmel vorbeiziehen... Schade. Denn diese Zeit hätte man besser nutzen können und sollen. Der Film beantwortet zwar vieles. Doch lässt den Zuschauer leider auch mit mindestens ebenso vielen Fragen im Kino alleine.

Allerdings könnte dies auch durchaus gewollt sein - denn zumindest bei mir hat genau dies etwas bewirkt: mein Interesse an der Sache wurde wieder geweckt. Hoffentlich nicht nur bei mir - die Zeit drängt!

4.3 Sterne
4.3 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.54.5
05.08.2006 / th