Letters from Iwo Jima (2006)
Letters from Iwo Jima (2006)
Oder: Schreib mal wieder!
2005 finden japanische Forscher in den Tunneln der Insel Iwo Jima vergrabene Soldatenbriefe. Geschrieben wurden sie kurz vor und während der Schlacht um die Insel, die zusammen mit den Atombomben-Abwürfen die Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg besiegeln sollte.
Bevor es aber soweit war, bereiteten die Truppen sich auf die Landung der Amerikaner vor. Um die Minderzahl an Kämpfer ausgleichen zu können, befiehlt General Tadamichi (Ken Watanabe), ein umfangreiches Tunnelsystem zu graben, um den Feind so austricksen zu können. Die Angst vor der entscheidenden Schlacht soll durch patriotische Durchhalteparolen ausgetrieben werden. Doch die Briefe, die die Kämpfer ihren Angehörigen schreiben, sprechen eine andere Sprache: Viele der Soldaten fürchten sich vor der Ungewissheit und dem Tod.
Auch Soldat Saigo (Kazunari Ninomiya) wünscht sich nichts weiteres, als wieder ein normales Leben zu führen. Der Bäcker hat eine Frau und ein Kind, dass er bisher noch nie zu Gesicht bekommen hat. Der Krieg liess ihm keine andere Wahl, als für sein Vaterland zu dienen, und so ist er bereits vor seinem ersten Einsatz ein psychisches Opfer, ohne Hoffnung auf das Zurechtrücken des einst friedlichen Weltbildes.
Kinofilm-Rating
Mit Letters from Iwo Jima reicht Clint Eastwood sozusagen den Gegenfilm zu Flags of our Fathers nach. Gedreht wurde er komplett auf Japanisch. Als Schauplatz für die Tunels dienten Minen im kalifornischen Odessa Canyon, oder die Pazifik Insel Iwo Jima selber mit dem schwarzen Sand, der durch die Vulkanausbrüche dunkel gefärbt wurde.
Die visuelle Ästhetik ist von Beginn an grandios. Verbleichte Bilder lassen den Film nahezu schwarzweiss erscheinen und stellen so die Vorkommnisse noch beklemmender dar. Und ja, diese sind beklemmend: Die Landung der Amerikaner auf Iwo Jima steht der in der Normandie in Sachen Grauen in nichts nach: Wie bei Saving Private Ryan wird gemetzelt und gemeuchelt, und der Zuschauer ist durch die verwackelte Handycam mittendrin.
Der Film zeigt neben den Gewaltszenen aber auch auf, dass die Japaner nicht bloss eine Armee von sterbenswilligen Kamikaze-Kämpfer waren. Gefühle konnte man auch bei ihnen nicht einfach abtöten. Mit Einblicken in die persönlichen Briefe und Rückblenden die Vergangenheit einzelner Personen verwischen Gut und Böse. Der Feind ist seit Beginn weg die USA, obwohl wir selber doch alle wissen, welche Seite eigentlich Recht hatte.
Eastwood wagt sich durch diese neue Perspektive ziemlich aufs Glatteis - wenigstens in seiner Heimat. Welcher Amerikaner will schon 141 Minuten lang sein Land als Feind sehen? Frühere Kriegsfilme wie The Thin Red Line oder Platoon zeigten zwar schonungslos auf, dass die Staaten Fehler machten, aber die Lehre daraus war einfach: Krieg ist schlecht. Hier ist es nun der Amerikaner, der für das ganze Unheil der Japaner verantwortlich scheint. Nun, seien wir froh, dass heutzutage solche Filme auch in Hollywood entstehen können.
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