Lenz (2006)
Lenz (2006)
Oder: Wie Grenzen überschritten werden
Der Filmemacher Lenz (Milan Peschel) verlässt seine Heimatstadt Berlin, um in den Vogesen die Hintergründe von Georg Büchners Fragment "Lenz" zu erforschen. Schon bald verlässt er die Pfade der Literatur und flitzt auf seinem roten Koffer die Schweizer Alpen herunter, auf der Suche nach seinem neunjährigen Sohn Noah. Dieser ist mit einem Kindermädchen (Barbara Heynen) in einer Hütte in Zermatt. Noah (Noah Gsell) freut sich, die junge Frau ist irritiert über das Auftauchen des verwirrten Familienvaters. Lenz schafft es ein Treffen zu arrangieren mit seiner Ex-Frau Natalie (Barbara Maurer). Natalie ist fasziniert von den Abenteuern, die Lenz ins Haus bringt, von seiner lebendigen Art mit Noah umzugehen. Gleichzeitig macht sie sich Sorgen über seine krankhaften Züge.
Lenz kommt durch die Nähe zu Noah etwas zur Ruhe und idyllische Momente, die an ein ganz normales Familienleben erinnern, entstehen. Natalie lässt sich verführen und ihre vergessene Liebe neu entflammen. Doch die Illusion eines glücklichen Familienlebens ist nur von kurzer Dauer, allzu schnell wird sie überschattet von Lenz' Verhalten, der immer stärker in seinem Wahn versinkt.
Kinofilm-Rating
Mit seiner Mischform aus Fakten und Fiktion versucht Thomas Imbach die literarische Vorlage von Büchner filmisch darzustellen. Büchner erzählt aus dem Leben des Dichters Lenz (1751-1805). Der Protagonist hat Visionen vom Leben, mit denen er nicht klar kommt. Der moderne Filmemacher Lenz baut sich ein Iglu, lädt die Feriengäste von Zermatt auf einen Drink ein oder steckt seinen Kopf ins eiskalte Wasser. Das emotionale Drama der Hauptfiguren spielt sich im touristischen Zermatt ab. In den Dorfszenen sind die richtigen Dorfbewohner zu sehen, die die Absurdität, die gezeigt werden will, verkörpern, ohne, dass sie es wissen. Lenz flitzt halb nackt durch das Dorf und eine wacklige Kamera folgt ihm durch die herrliche Landschaft. Ein Hotelwagen überholt ihn.
Im Innern der Familie, in der warmen Hütte hingegen ist die Kamera ruhig und nahe bei den Figuren. Hier gelingt es Imbach eine Wirklichkeit einer modernen Beziehung zu zeigen. Ich komme Natalie näher und will mehr wissen über ihre Ängste und ihre Art Lenz zu lieben. Leider reist sie gerade dann wieder ab.
Film und Video, Inszenierung und Improvisation, Schauspieler und Laiendarsteller, Lovestory und Slapstick: Imbach bringt Gegensätze zusammen. Doch diese Mal ist es ihm nicht gelungen alles zu einem Ganzen zu formen. Nach einer Viertelstunde habe ich genug von lustigen Aktionen und Experimenten, die mich an eigene Videoaufnahmen in den Skiferien erinnern. Spätestens aber, wenn Lenz seine Familie das zweite Mal verliert und ich mit Schrecken feststelle, dass es nun wieder von vorne los geht, habe ich definitiv genug von dem Film und möchte die Reithalle in Solothurn verlassen. Leider sitze ich verdammt weit oben und meinen Nachbarn will ich auch nicht wecken. Darum warte ich geduldig auf die wunderbaren Aufnahmen vom Matterhorn.
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3.6 Sterne (7 Bewertungen) | 1 Kommentar


