Lady Chatterley (2006)
Lady Chatterley (2006)
Oder: LL - Liebe statt Langeweile.
England in den 20er Jahren: Die 23 Jahre junge Constance Reid (Marianne Hands) hat den ebenfalls jungen Leutnant und Minenbesitzer Clifford Chatterley (Hippolyte Girardot) geheiratet, der später querschnittgelähmt aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt. Nun ist Constances Mann für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt. Das Ehepaar zieht auf ein Landgut, wo für Constance Chatterley ein neues Leben beginnen wird.
Lady Chatterley fühlt sich auf dem Land immer einsamer und zurückgelassener. Doch als sie den Wildhüter des Anwesens Parkin (Jean-Louis Coullo'ch) zum ersten Mal sieht, beginnt sie aufzublühen. Plötzlich wird in ihr eine nie gelebte Sehnsucht geweckt. Die geheime Affäre zwischen dem Wildhüter und Lady Chatterley wird immer leidenschaftlicher, Constance kann aus ihrer verklemmten bürgerlichen Ehe ausbrechen und ihre Sexualität frei leben.
DVD-Rating
Lady Chatterleys Leben ist langweilig. Es besteht aus sich um den querschnittgelähmten Mann kümmern, sticken, Klavier spielen, Spaziergänge machen, vielleicht mal ein Abendessen mit Kriegskameraden des Mannes. Die Stimmung im Haus ist gedrückt, lastet doch noch die Erinnerung an den ersten Weltkrieg auf dem versehrt zurückgekehrten Ehemann. Die Jahreszeiten ziehen vorbei, Blumen blühen und Schnee fällt. Fast eine Stunde lang wird diese Langeweile eindrucksvoll zelebriert. Kaum ein Gespräch, keine Erklärung der Situation, nur endlos lange Aufnahmen der Natur und ihrer Geräusche.
Das Leben in diesem adligen Haushalt auf dem Lande ist so unglaublich langweilig, dass es schon wie ein körperliches Symptom darauf scheint, als die junge Frau plötzlich krank wird. Vom Arzt verordnete Spaziergänge führen endlich zum interessanten Teil der Geschichte. Lady Chatterley trifft auf ihrem Gang durch den Wald auf den Wildhüter und entdeckt mit ihm nicht nur ihre Sexualität, sondern auch eine zuvor nicht gekannte Lebendigkeit.
Der Film bringt es auf stolze 168 Minuten, von denen der erste Drittel mit vielen Impressionen des Alltagslebens ruhig kräftig hätte geschnitten werden können. Zwar ist an Marina Hands Darstellung der vernachlässigten Lady Chatterley nichts auszusetzen. Aber auch der geduldigste Zuschauer wird wohl irgendwann gelangweilt, wenn die Dame schweigend ihren Beschäftigungen nachgeht.
Das Ensemble kann leider erst etwas später auftrumpfen, vermag jedoch voll und ganz zu überzeugen. Die Liebesszenen zwischen der Lady und dem Wildhüter wirken nie pornografisch, sondern können unter Umständen sogar Erinnerungen an die eigene Teenager-Zeit wachrufen, als das andere Geschlecht noch etwas verschämt entdeckt wurde. Sehr schön auch, wie der Ehemann etwas zu ahnen beginnt und seine Frau im Haus plötzlich argwöhnisch beobachtet.
Die DVD ist leider eine Enttäuschung. Nur drei Trailer zu anderen Filmen sind darauf zu finden. Wehmütig denken Fans des Genres an Pride & Prejudice, wo auf der DVD viele Informationen über die Zeit und die gesellschaftlichen Regeln damals zu finden sind, was die Geschichte verständlicher macht. Vermutlich reichen bei den wenigsten Nicht-Hollywood-Filmen das Geld für solche Extras. Schade.
Fazit: Wer das erste langweilige Dritte übersteht, wird mit einer Geschichte belohnt, die einen zu berühren vermag durch die wunderbare -und verdient ausgezeichnete- Leistung der Darsteller. Ein echter Geheimtipp.
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DVD-Infos
DVD erschienen am 14.08.2008
- Bildformat: 1.66:1
- Sprachen: Deutsch (DD 2.0); Französisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Trailer



