Valley of the Wolves: Iraq - Kurtlar vadisi - Irak (2006)

Tal der Wölfe - Irak

Valley of the Wolves: Iraq - Kurtlar vadisi - Irak (2006) Tal der Wölfe - Irak

Oder: Uncle Sam in der Wolfsschlucht

Polat auf Dienstreise

Polat auf Dienstreise

Es war der 4. Juli 2003 als im Nordirak ein türkischer Militärposten von amerikanischen GIs umstellt wird. Elf türkische Offiziere werden festgenommen und mit Säcken über dem Kopf abgeführt. Die Schmach ist so gross, dass sich einer davon danach das Leben nimmt. Nicht aber ohne zuvor seinen Bruder Polat Alemdar (Necati Sasmaz) im Abschiedsbrief zu informieren, wer den Befehl für seine Verhaftung gegeben hat. Sam William Marshall (Billy Zane) war's. Ein amerikanischer Sadist der, obwohl er sich kleidet wie M. Hulot, nicht für Ferien im Zweistromland weilt, sondern um den "babylonischen Konflikt" zu lösen und den christlichen Glauben in der Region dauerhaft zu installieren. Der Beethoven-Fan betrachtet jeden als Terrorist, der irgendwie andersgläubig ist, und schreckt auch nicht davor zurück, innerhalb einer unbescholtenen Hochzeitsgesellschaft, die aus purer Freude Gewehrsalven abfeuert, ein Blutbad anzurichten.

Polat fackelt nicht lange und begibt sich in seiner Funktion als türkischer Geheimagent mit zwei Mitstreitern in den Krisenherd, um Sam zu töten und die türkische Ehre wieder herzustellen.


Film-Rating

Das ist er nun also. Der skandalträchtige türkische Blockbuster, der vom Bosporus bis ins hinterste Anatolien alle Rekorde brechen soll. Nach der Sichtung von Kurtlar vadisi - Irak heisst es erstmal durchatmen. Achtung Charlie, wir Schweizer sind nicht das einzige Volk, das schlechte Filme in die ewige Bestenliste hievt. Und es gibt durchaus versöhnliche Stimmen in diesem Film, der allgemein reich an bedeutungsschwangeren Reden ist. Sie gehört einem Scheich, der als Semi-Geistlicher durch die Szenerie wandert und die weibliche Heldin ausgebildet hat. Kerküki wird er genannt, und er ist im Norden Iraks klar eine Respektsperson. Er verurteilt Selbstmordattentate als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und rettet eine westliche Geisel vor der Enthauptung durch radikale Fanatiker. Beides ist ihm zu unislamisch.

Das erstaunt vor allem deshalb, weil der Film ausserhalb der Türkei von Politikern verschiedener Parteien als "Hassfilm" betitelt wurde, der unbedarft Öl ins Feuer eines gerade aktuellen Konflikts zwischen muslimischer und westlicher Welt giesst. Der eigentliche Skandal ist aber, dass der Film unendlich langweilig ist. Es ist ein spannungsarmer Film über Männer auf Mission. Wenn nicht gerade Lynndie England-Doppelgängerinnen nackte Muslime stapeln oder Kaugummi kauende Tenu-Schlampen gegen die Genfer Konventionen verstossen sitzen immer wieder Männer vor der Kamera und schwafeln Ideologisches. Die Amerikaner sind klar die Bösen: Korrupt, skrupellos und sehr schlecht synchronisiert. Auch die Kurden werden nicht als Sympathieträger dargestellt, auch wenn einer der Helden selber Kurde ist. Aus westlicher Sicht befremdet aber auch die Darstellung der Türken. Deren uneingeschränkter, fast schon krankhafter Nationalstolz verhindert, dass man sich als sich mit Irgendjemanden im Film identifiziert, wenn man nicht gerade Fatih Terim heisst. Nur der Vorwurf des Antisemitismus, den man aus Deutschland auch zu hören kriegt, bleibt schwammig. Anhand der Untertitel alleine wurde nicht klar, dass der "Doctor" im Folter-Gefängnis von Abu Ghraib ein Jude hätte sein sollen.

Trotz der milden Zwischentöne bleibt nach dem Film vor allem der Eindruck vom Rambo-Zamba der brutalsten Art. Kurtlar vadisi - Irak schürt aber keinen neuen Antiamerikanismus, sondern verstärkt schon vorhandene Antipathien, in dem er anderweitig medial verbreitete Schreckensbilder aus der Irak-Invasion aufgreift, in die Geschichte einbezieht und sie mit monoton bedrohlicher Musik unterlegt. Schauspielerisch holt sich hier, wie immer bei einem Brutalo, niemand irgendwelche Lorbeeren. Einzig Billy Zane kann ein kleines bisschen darauf stolz sein, dass er nach Titanic in einem zweiten Kinohit für die Ewigkeit mitgewirkt hat - wenn auch nur in einem für den türkischen Markt relevanten.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.02

 

26.02.2006 / rm

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Bewertung: 2.4 (9 Bewertungen)

 

 

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Valley of the Wolves: Iraq - Kurtlar vadisi - Irak (2006)
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