Klimt (2006)

Klimt (2006)

Oder: Europudding statt Biopic

Klimt

Man möchte am liebsten anonym bleiben

Der Wiener Maler Gustav Klimt (John Malkovich) liegt im Sterben, als ihn sein Kollege Egon Schiele (Nikolai Kinski) im Hospital besuchen kommt. Im von Syphilis verursachten Fieber laufen Stationen seines Lebens an Klimt vorbei. Die Weltausstellung in Paris im Jahre 1900, wo ihm Georges Méliès einen Film zeigte, mit seinem Doppelgänger und der schönen Tänzerin Lea (Saffron Burrows), der er später sexuell verfallen sollte. Die Kämpfe, die er mit der Wiener Gesellschaft auszutragen hatte, um seine Kunst zu rechtfertigen. Die Gespräche mit dem mysteriösen Sekretär (Stephen Dillane). Als er als Affe verkleidet ein Puff besuchte, im Gegenzug aber seine Dauerfreundin Emilie Flöge (Veronica Verres) immer wieder abwies. Und so weiter und so fort.


Kinofilm-Rating

Wenn jemand etwas über den Jugendstilmaler Klimt erfahren will, soll er sich ein Buch holen. Mit diesem Film wird ihm nicht geholfen. Wer ein lineares Biopic erwartet, sitzt im falschen Film. Regisseur Raoul Ruiz versucht dem unkonventionellen Wiener gerecht zu werden, in dem er selber alle filmischen Konventionen über Bord wirft. Einen Plot gibt es nicht. Figuren verschwinden und tauchen plötzlich wieder auf. Statt Dialoge gibt es nur hohles Geschwafel. Ständig laufen nackte Frauen sinnlos durch die Szenerie. Es ist nicht zum aushalten.

Klimt ist einer dieser Filme, die man despektierlich "Europudding" nennt. Ein französischer Regisseur filmt mit österreichischem Geld, einer Deutschen, einem Amerikaner und zwei Briten einen Film, den die Welt nicht braucht. Als würde John Malkovich ahnen, worauf er sich da eingelassen hat, scheint er den ganzen Film hindurch genauso gelangweilt, wie im Interview mit OutNow.CH, das er im letzten Jahr gab.

Der österreichische Verleih schwurbelt etwas von "philosophischen Verfremdung" und einem "frivolen Fiebertraum". Dabei stand dieses Filmprojekt von Anfang bis Ende unter einem schlechten Stern. Zuerst soll das Drehbuch in französischer Sprache verfasst, dann ins Deutsche übersetzt und zuletzt auf Englisch verfilmt worden sein. Zu guter letzt wurde die zweistündige Fassung, die gemäss Berichten von Filmfestivals etwas Klarheit in die ausgefranste Figurenentwicklung gäbe, auf kommerziell besser verwertbare 90 Minuten gekürzt. Das erklärt ein wenig, warum der Film nur dann seinen Reiz hat, wenn er versucht, Klimts Stil in die Leinwandbilder zu packen. Ein Goldregen in Atelier erinnert an sein berühmtestes Bild "Portrait von Adele Bloch-Bauer".

1.5 Sterne
1.5 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

11
20.07.2006 / rm