Isabella (2006)
Isabella (2006)
Oder: Wenn der Vati mit der Tochter...
Die Kolonialprovinz Macau steht kurz davor, von Portugal an China zurückzugeben werden. In den Zeiten der Wandlung ist Korruption Gang und Gäbe. So wird auch der Polizist Shing (Chapman To) verdächtigt, und deshalb vom Dienst freigestellt. Sein portugiesischer Vorgesetzter, welcher selber in der Sache verstrickt ist, benutzt Shing als Sündenbock.
Shing beginnt zu verzweifeln - ohne Polizeimarke fühlt er sich... wie ein Zivilist. Trost sucht und findet er bei zahlreichen Frauen. Nach einer vergnüglichen Nacht im Bett mit der jungen Yan (Isabella Leong), offenbart sich diese als seine Tochter. Seine Jugendliebe Hua (J. J. Jia) wurde schwanger, hat aber ohne Shings wissen die von ihm bezahlte Abtreibung nicht durchgeführt. Vor einem Jahr ist Hua an Lungenkrebs gestorben, Yan ist seither auf sich selbst gestellt. Weil diese ihre Miete nun nicht mehr bezahlen kann, setzt sie der Vermieter vor die Tür. Yan zieht bei Shing ein.
Der unverhofft Vater gewordene beginnt langsam, sich für Yan verantwortlich zu führen. Diese hingegen fängt an, seine Wohnung und sein Leben aufzuräumen...
Kinofilm-Rating
Was nach einer dramatischen Geschichte rund um Korruption und Inzest ausschaut, entpuppt sich als einen einfachen, unterhaltsamen Film über die langsam aufbauende Vater-Tochter-Beziehung. Die beiden Charakteren treffen sich auf einem Tiefpunkt ihres Lebens, helfen sich aber indirekt und unbewusst, Ordnung ins Leben zu bringen - eine Art Happy-End ist inklusive.
Es ist trotzdem schwierig, der im Grunde nicht wirklich komplizierten Handlung zu folgen. Dies vor allem darum, weil Regisseur Pang Ho-Cheung immer wieder zwischen früher und heute hin und her springt. Bis ins letzte Drittel des Filmes ist zudem unklar, wie Shing in die Korruptionsfälle verwickelt ist. Auch warum andauernd von den Portugiesen gesprochen wird, wurde mir erst später klar: Dass der Film 1999 in der portugiesischen Kolonie Macau spielt, die in wenigen Monaten an China übergehen sollte, habe ich erst nachträglich mitbekommen...
Dennoch vermochte Isabella besonders wegen der gleichnamigen und hierzulande noch unbekannten Schauspielerin Isabella Leong zu gefallen. Mit ihrer heiteren Verkörperung der Tochter kann sie immer wieder zum Lachen animieren. So muss sie sich beispielsweise gegen die Freundin des Polizisten behaupten. Die beiden Girls "kämpfen" unter anderem auch in einem Trinkspiel mit offensivem Carlsberg-Productplacement um den Mann - was in einer Sauerei endet.
Isabella ist der erste ernstere Film des in Hong Kong sonst für Komödien bekannten Regisseurs. Wo die schon mehrfach gesehene Läuterungsgeschichte zuwenig Stoff hergibt, setzt er gekonnt ästhetische Aufnahmen in Szene und vermag so visuell zu gefallen. Für einen goldenen Bären hats dem im Berlinale-Wettbewerb gezeigten Film erwartungsgemäss nicht gereicht - Peter Kam wurde jedoch für die Filmmusik mit einem silbernen Bären ausgezeichnet.
![]()
3.7 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare


