Inland Empire (2006)

Inland Empire (2006)

Oder: "That's sweet!"

Inland Empire

Doing the Locomotion

Nicki (Laura Dern) ist stinkreich und wohnt in einem südkalifornischen Villenviertel namens Inland Empire. Während sie auf den alles entscheidenden Anruf aus Hollywood wartet, kommt ihre Nachbarin (Grace Zabriskie) zu Besuch und warnt sie vor einem Mord, der auf einem Filmset passieren soll. Doch dies ist schnell vergessen, als sie ihre Traumrolle bekommt und schon bald mit der Promoarbeit in einer seltsamen Late Night Show beschäftigt ist.

Während einer Drehbuchbechsprechung mit dem Regisseur (Jeremy Irons) und dem männlichen Hauptdarsteller (Justin Therioux) erfährt Nicki jedoch, dass der Film, für den sie engagiert wurde, schon einmal gedreht werden sollte. Die deutsche Produktion "Vier Sieben" aus den Dreissiger Jahren konnte nie vollendet werden, weil beide Hauptdarsteller getötet worden sind. Ist sich Nicki für ein Remake nicht zu schade? Und besteht nicht doch Lebensgefahr am Set?


Kinofilm-Rating

Die sechs Jahre, die seit Mulholland Drive vergangen sind, reichten bei weitem nicht aus, um Ordnung in das erzählerische "Gnuusch", das David Lynch mit dem Film in unseren Köpfen verursacht hat, zu entwirren. Mit seinem neuen Angriff auf unsere Hirne, INLAND EMPIRE, könnte es noch ein bisschen länger dauern, bis man auch nur ansatzweise durchblickt.

Der Regisseur selber ist mal wieder keine Hilfe. Seine im Katalog des Filmfestivals in Venedig gedruckte Synopsis lautet schlicht: Die Geschichte eines Mysteriums... Ein Mysterium aus einer Zwischenwelt... Um eine Frau... Eine Frau, verliebt und verloren. Das muss reichen. Und wie es scheint, wussten auch die Schauspielerinnen und Schauspieler meist nicht viel mehr. Laura Dern freute sich an der Pressekonferenz am Lido besonders, den Film endlich als Ganzes zu sehen. Drausgekommen ist sie, die bei den Dreharbeiten immer dabei war, auch nicht.

Wer jetzt meint, die Synopsis im oberen Teil dieser Website, sei doch einigermassen stringent, der hat schon recht. Ihm sei aber gesagt, dass es sich dabei nur um die ersten zwanzig Minuten eines Filmes handelt, der volle drei Stunden eine Frage nach der anderen aufwirft. Bis zu diesem Zeitpunkt kommt man immer noch mit. Trotz einer in Tränen aufgelösten Frau, die ständig zwischen die Geschichte der angehenden Schauspielerin geschnitten wird. Diese schaut sich eine Sitcom mit härzigen Häschen an (eins davon mit der Stimme von Naomi Watts), bei der immer an der falschen Stelle gelacht wird.

Danach beginnen sich die Mysterien zu türmen, von denen die Frage, was Julia Ormond eigentlich so gemacht hat seit Smilla's Sense of Snow, die am einfachsten zu beantwortende Frage ist. Heerscharen von Lynch-Fans werden über den scheissende Affen, Schraubenzieher, die Zahl 47, baltische Clowns und Nutten, die sich gegenseitig die Brüste zeigen, wenn sie nicht gerade zu "Locomotion" von Little Sue tanzen, sinieren können. Neu ist dabei, dass Lynch ab sofort mit der Digitalkamera filmt, was sich für die Bildqualität nicht immer als vorteilhaft erweist, und dass er eine Leidenschaft für Polen entwickelt hat. Eine ganze Menge Szenen sind in polnischer Sprache gedreht, was das Werweisen der Fans noch mehr anheizen wird.

Ansonsten bleibt sich der Regisseur treu. Der als Film im Film konzipierte Grusler INLAND EMPIRE vereinigt vielen Darsteller aus dem früheren Lynch-Oeuvre. Jeremy Irons ist das einzige neue Gesicht. Wieder spielen dieselben Darsteller gleich mehrere Rollen (Laura Derns füllt mindestens 2 ½ Charaktere). Und der Schurke Brick erinnert stark an "Bob" aus Twin Peaks. Anhängern von David Lynch mit grossem Zeitbudget werden sich auf dieses Werk stürzen. Allen anderen werden die 179 Minuten INLAND EMPIRE gleich in mehrfacher Hinsicht alptraumhaft vorkommen.

4.1 Sterne
4.1 Sterne (21 Bewertungen) | 12 Kommentare

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22.09.2006 / rm