Indigènes (2006)

Tage des Ruhms

Indigènes (2006) Tage des Ruhms

Oder: Yassir statt Yes Sir

Indigènes

Ach so geht das.

1943. Frankreich ist zur Hälfte von den Deutschen besetzt. Viele Franzosen sind in Kriegsgefangenschaft. Damit die übrig gebliebene Armee überhaupt noch über genügend Mannstärke verfügt, werden Männer aus den Kolonien rekrutiert. Viele davon waren noch gar nie in Europa. Aber wenn das Vaterland zum Kampf gegen die Nazis ruft, meldet man sich mit ganz unterschiedlichen Gründen. Saïd (Jamel Debbouze) ist ganz der Patriot und möchte endlich ernster genommen werden. Yassir (Samy Naceri) und sein Bruder kämpfen für Geld gegen jeden. Abdelkader (Sami Bouajila) rebelliert gerne. Und Messaoud (Roschdy Zem) sieht den Krieg als ersten Schritt für den Neuanfang in einem anderen Land.

Die "Indigènes" genannten Wehrmänner stehen unter dem Kommando von Sergent Martinez (Bernard Blancan), der sich mit seinen Soldaten aus Afrika zuerst noch zusammen raufen muss. Doch bald schon erobert die "Armée de l'Afrique" Italien, die Provence und die Vogesen. Bis am Schluss nur noch ein kleiner Stosstrupp im Elsass die allerletzten Nazis vertreiben soll...


Kinofilm-Rating

Araber im zweiten Weltkrieg? Ja waren denn damals nicht die Nazis die Bösen? Schon. Doch was viele nicht wissen. Die französische Armee bestand in den Endjahren des Krieges zu fast 50 % aus Schwarzafrikanern und Maghrebinern. Viele der heutigen Franzosen mit Migrationshintergrund haben Grosseltern, die in den vierziger Jahren für "la patrie" gekämpft haben. Der Regisseur Rachid Bouchareb möchte mit Indigènes, dass diese Menschen nicht vergessen gehen.

Er richtet dabei mit der grossen Kelle an. Indigènes ist eine mit Emotionen, kleinen Romanzen und viel Gebölz angerührte Schlachtplatte, bei der sich alle namhaften arabischstämmigen Schauspieler Frankreichs nicht zu schade waren, den Helm aufzusetzen. Jamel Debbouze (Angel-A), Sami Bouajila (Zaïna, Cavalière de l'Atlas), Samy Naceri (aus der Taxi-Trilogie) und Roschdy Zem (Le Petit Lieutenant) haben zum Teil durch ihre Vorfahren einen ganz persönlichen Bezug zum Thema. Das ganze Ensemble wurde in Cannes 2006 mir einem Darstellerpreis ausgezeichnet.

Storymässig scheint der Krieg für unsere Helden hier aber in etwa gleich verlaufen zu sein, wie für den Zug von Tom Hanks auf der Suche nach Private Ryan. Man beklagt viele Verluste zu Beginn, dann lernt man sich besser kennen, wird auf sich alleine gestellt in einem Dorf mit wenigen Zivilisten und weint schlussendlich auf dem Soldatenfriedhof. Einfach alles ein bisschen weniger blutig und mit ganz viel arabischem Dialog. Auch wer sich nicht die Bohne für die Weltgeschichte dahinter interessiert, wird so seine Freude am Film haben. Nur im Mittelteil wird dem Regisseur zum Verhängnis, dass er zu viele der gewissenhaft nachrecherchierten Einzelschicksale auf seine Figuren vereinen will.

4.1 Sterne
4.1 Sterne (10 Bewertungen) | 0 Kommentare

44
10.08.2006 / rm