Goya's Ghosts (2006)

Goya's Geister

Goya's Ghosts (2006) Goya's Geister

Oder: Von ebendiesen guten verlassen

Goya's Ghosts

Allein unter Nonnen

1792 in Madrid. Der Zufall will es, dass der Maler Francisco Goya (Stellan Skarsgård) zur selben Zeit die Portraits zweier Menschen malt, die das Schicksal zusammenführen soll. Padre Lorenzo (Javier Bardem) ist ein Geistlicher, der sich für die Verschärfung der Inquisition einsetzt; Ines (Natalie Portman) ein wohlbehütetes Töchterchen aus gutem Hause und so wunderschön, dass Goya alle Frauen, die er in Zukunft malen wird, mit ihrem Antlitz gestalten möchte.

Goya's Ghosts

Das nenn ich Breitbild!

Kurz nachdem die Portraits vollendet sind, bekommt Ines einen Brief vom Officium Sanctum, der spanischen Inquisition. Sie wird als Verfechterin jüdischer Rituale verdächtigt, weil sie es in einer Beiz ablehnte Schweinefleisch zu essen. Was ein Jude ist, weiss die junge Frau zwar nicht. Doch da sie unter Folter auch gestehen würde, dass sie ein Bastard aus Schimpanse und Orang-Utan ist, kommt sie trotzdem in den Kerker. Ines' Vater beauftragt Padre Lorenzo, nach seiner Tochter zu suchen. Doch statt sie zu befreien, vergeht der Mönch sich an ihr.

Die Jahre vergehen. Die Französische Revolution und später Napoleon sorgen auch in Spanien für Umwälzungen. Die Kirchenobrigen werden entmachtet und unter denen, die von der allgemeinen Amnestie profitieren, ist auch Ines, die ihr in Gefangenschaft geborenes Kind verzweifelt sucht und es dem vermeintlichen Vater Lorenzo zeigen möchte. Der mittlerweile schwerhörige Goya soll ihr dabei helfen...


Kinofilm-Rating

Was ist nur in Milos Forman gefahren? Der Macher vieler interessanter Biopics über Mozart, Larry Flynt oder Andy Kaufman schafft es nicht einmal, den Maler Francisco Goya als Hauptfigur in einem Film, worin er Titel gebend ist, zu etablieren. Stellan Skarsgard ist als Goya oft zur Beobachterposition verdammt, umso mehr als er in der Mitte des Films plötzlich schwerhörig wird. Ein ständiges Fiepen und dumpfe Laute auf der Tonspur deutet darauf. Später bekommt er einen Gebärdensprecher zur Seite gestellt, der wirkt, als wäre hier ein lustiger Sidekick komplett missglückt. Auch Javier Bardems Charakter verändert sich während der gesamten Laufdauer einmal komplett. Als Identifikationsfigur taugt er ebenso nicht, weil Bardem seltsam wirkt, wenn er Englisch sprechen muss. Es bliebe also Natalie Portman. Sie hat ebenfalls eine Doppelrolle zu bewerkstelligen, da sie gleich noch ihre eigene Tochter spielt. Fans werden sich daran erfreuen, dass sie nackig zu sehen ist. Doch der Eindruck des seitlichen Blicks auf ihre Pobacken verblasst im zweiten Teil, wo sie als Zombie maskiert und mit mehreren Zahnprothesen ausgestattet wird.

Gerade zweimal schafft Forman in Goya's Ghosts konkret dem Zuschauer etwas mitzugeben. In einer Montage wird das Vorgehen bei der Herstellung eines Stiches von A bis Z dargestellt à la Die Sendung mit der Maus. Als zweites gibt es noch einen Appell gegen die Folter. Der grosse Rest ist willkürliche Inszenierung von ungewollt Komischem. Eine Jagdszene oder das Erstellen eines Bildes der spanischen Königin sind die dramaturgisch überflüssigsten Tiefpunkte eines Drehbuchs, das wohl keiner richtig durchgelesen hat. Sogar der Score klingt, als hatten ca. sieben Komponisten daran gewerkelt. Über Goyas Wirken erfährt man nichts. Dass Revolutionen nicht gerade das Tugendhafteste im Menschen hervorlocken, konnte man sich vorher schon denken. Am Ende von Goya's Ghosts gibt es wenigsten noch ein paar Originalwerke des Meister im Abspann zu bewundern. Und wir wissen, wie er diese vor der Erfindung des elektrischen Lichtes auch während der Nacht anfertigen konnte. Einmal sieht man Goya mit einer Krone aus brennenden Kerzen.

3.4 Sterne
3.4 Sterne (23 Bewertungen) | 3 Kommentare

1.51.5
19.10.2006 / rm