A Good Year (2006)

Ein gutes Jahr

A Good Year (2006) Ein gutes Jahr

Oder: It's clean. I like it because it's clean.

Max Skinner (Russell Crowe) lebt in London. Als Investment-Experte verbucht er Erfolge am laufenden Band und verärgert dabei die Konkurrenz. Doch was viel schlimmer ist, durch seine arrogante und emotionslose Art verärgert er auch seine eigenen Arbeitskollegen und Vorgesetzten. Schutz vor verbalen Anschuldigungen gibt ihm lediglich sein glückliches Händchen im Job.

A Good Year

Gecko? Nie gehört.

Nach einem weiteren erfolgreichen Arbeitstag erfährt Max am Abend via Post, dass sein Onkel Henry (köstlich, Albert Finney) vor einem Monat gestorben ist. Da dieser sein Testament seit 20 Jahren nicht aktualisiert hat, vermacht er Max sein ganzes Hab und Gut, bestehend aus einem Château und einem Weingut in der Provence. Als Businessmann weiss Max nach einem Besuch auf dem Anwesen nichts anderes damit zu tun, als alles zu verscherbeln. Weil er aufgrund dieses Besuches einen sehr wichtigen und prestigeträchtigen Termin verpasst, wird er von seinem Chef für eine Woche suspendiert. Diese Woche verbringt er auf dem Château um es für den Verkauf herzurichten. Dabei jedoch gelingt es ihm mehr und mehr wieder den Zugang zu seinen Kindertagen, welche er bei seinem Onkel auf dem Anwesen verbrachte, zu finden. Die Emotionen und die Bindung zu dem Haus und auch den Menschen die da arbeiten und wohnen werden immer stärker und er fängt wieder an wahre Werte des Lebens zu entdecken, welche in London keinen Platz fanden.


Kinofilm-Rating

Nachdem uns Ridley Scott letztes Jahr mit Kingdom of Heaven episches Kino à la Gladiator brachte, erzählt er mit A Good Year wieder eine sanftere und ruhigere Geschichte. Dass Ridley Scott nicht nur im grossangelegten Epen- und Actionkino zuhause ist, hat er uns schon teils mit Hannibal, aber vor allem auch mit seiner schrullig-skurrilen Gaunerkomödie Matchstick Men bewiesen. Die Geschichte über den Wandel vom arroganten Workaholic zum sensiblen und leidenschaftlichen Geniesser wurde schon etliche Male auf der Leinwand erzählt. Mit A Good Year kriegen wir eine weitere aufgewärmte Variante von einem solchen Plot, schön erzählt und in schöner Umgebung, jedoch ohne dabei mit Überraschungen aufzuwarten.

A Good Year besticht vor allem durch tolle schauspielerische Leistungen (wobei Russell Crowe eher routiniert spielt, während Albert Finney (endlich wieder auf der Leinwand) dem Film genau die richtige Wärme verleiht) und einem schönen Kontrast zwischen dem kalten, gestressten und unpersönlichen London (in dem es realitätsgetreu meistens regnet) und der sehr warmen, menschlichen und kultivierten Provence. Die Provence wird in sehr schönen Bildern präsentiert und man glaubt, man könne den Lavendel förmlich riechen. Die Wandlungen, welche die Charaktere im Verlauf des Films durchmachen, werden einfühlsam und ausführlich gezeigt.

Wenn es um die Story geht, fängt es an zu hapern. Nicht, weil es störende Logikfehler gäbe, sondern, weil das Rad nicht einmal im Kleinsten eine Neuerfindung erhält und der Film somit von Klischees gepflastert ist, dass es einem teilweise fast schon ein bisschen peinlich wird. So wird das Bild des Workaholics wie gewohnt als arroganter, äusserst selbstbewusster Charakter gezeichnet, der im Geld schwimmt und nichts anderes im Kopf hat, als sich durch die Frauenreigen zu poppen (und dies, natürlich, mit Erfolg). Die Klischees brechen auch während den Episoden in der Provence nicht ab und wenn dann das Happy End kommt und dazu auch noch der Song "Itsy Bitsy Petit Bikini" gespielt wird, dann kann man das Kino ganz unbeschwert und glücklich verlassen... Friede, Freude, Eierkuchen!

Fazit: Als Feel-Good-Movie wie's im Buche steht, kann A Good Year allemal hinhalten und mit den sehr schönen Stimmungen und Bildern der Provence und den doch auch lustigen und frechen Szenen mit Russell Crowe weiss der Film gut zu unterhalten. Interessant ist, dass bei der Produktion auch der weltberühmte Provence-Autor Meter Mayle (dessen Buch "Ein guter Jahrgang" von 1994 als Vorlage fürs Skript diente) tätig war. Der Charme der Provence, der Darstellerinnen und der netten kleinen Story sind unbestritten, doch hätte man sich schon noch etwas Originelles (ein kleiner Twist in der Storyline) gewünscht. Was bleibt ist ein netter, sehr geradliniger Film, aber nicht mehr!

4.3 Sterne
4.3 Sterne (40 Bewertungen) | 9 Kommentare

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31.10.2006 / bab