Tales from Earthsea - Gedo senki (2006)
Die Chroniken von Erdsee
Tales from Earthsea - Gedo senki (2006) Die Chroniken von Erdsee
Oder: Wie der Vater so der Sohn
Als Matrosen in den Meeren von Erdsee beobachten, wie sich zwei Drachen selber zerfleischen, ist es allen klar: Die Welt gerät aus den Fugen. Dies beunruhigt auch den Magier Gedo, der auch Sperber genannt wird. Er macht sich auf die Suche nach den bösen Kräften, welche das Gleichgewicht der Erde stören und trifft dabei auf den Prinzen von Enlad, Arren. Der Knabe scheint auch magische Kräfte zu haben und kämpft mit inneren Dämonen. Diese haben ihn seinen Vater töten lassen, und er ist deshalb auf der Flucht.
Die beiden begeben sich über Stock und Stein nach Hort, einer Stadt, in der mit Drogen, Sklaven und gefälschter Ware gehandelt wird. Ged und Arren sind empört und suchen Zuflucht auf dem Bauernhof von Tenar, die als Eigenversorgerin ein glückliches Leben auf dem Lande führt. Dort erfahren sie auch von Cob. Er hat mit seinem Wunsch nach ewigem Leben, die Schleusen zwischen der Welt der Toten und der Lebenden geöffnet. Das ist auch der Grund, warum sich die Drachen so komisch verhalten. Als Cob Arren gefangen nimmt, beginnt der Kampf zwischen Gut und Böse erst so richtig.
Kinofilm-Rating
Vor einem Jahr wurde in Venedig noch der alte Meister der japanischen Ghibli Animations-Studios, Hayao Miyazaki, für sein Lebenswerk geehrt. An der 63. Mostra dell'arte cinematografica im Jahre 2006 zeigt der Sohn, Goro Miyazaki, seinen ersten Film. Der ausgebildete Förster und Landschaftsgärtner hat bis dato nur das Ghibli-Museum in Japan gebaut und geleitet und keine weiteren filmischen Referenzen. Die Frage, die sich nun alle stellen: Liegt das Genie in den Genen?
Nicht ganz muss die Antwort leider lauten. Der Zeichenstil ist unverkennbar Ghibli. Kein Wunder, denn Goro hat die erfahrenen Animationscracks von Werken wie Spirited Away und Howl's Moving Castle in seinem Rücken. Die kindlichen Protagonisten, die umweltfreundlichen Aussagen und Antidrogen-Appelle gehören auch zum Credo des Animationsstudios. Aber anders als bei den Werken seines Vaters fehlt das überdurchschnittlich fantastische Element in Gedo Senki. Das ist nur teilweise die Schuld von Goro. Die Geschichte basiert auf der Erdsee-Buchreihe von Ursula K. Le Guin. Ich kenne diese Trilogie nicht, aber in der Filmversion wirkt dieser Plot um eine degenerierte Gesellschaft, ein magisches Schwert, einen Auserwählten und einer bösen Hexe, auf der Suche nach ewigem Leben altbekannt und sicher zu platt, als dass man daraus einen zweistündigen Film drehen könnte. Die unvermeidliche finale Schlacht zwischen den Antagonisten ist zudem zu lang geraten. Die Autorin des Originalstoffes ärgert sich in ihrer ausführlichen Stellungsnahme zum Anime auch explizit über die simple Externalisierung des Bösen in eine einzelne Figur, die man umbringen und sich so weitere Probleme von Hals schaffen kann. Ihre Bücher seien da vielschichtiger, tadelt Le Guin.
Man sollte bei Gedo Senki also keinen weiteren Anime-Meilenstein aus dem Hause Ghibli erwarten. Unterhalten wird man trotzdem gut. Vor allem die Songs welche Aoi Teshima, die Therru die Stimme leiht, gleich selber singt, sind sehr einprägsam. Und Animes an einem ausgewachsenen internationalen Filmfestivals sind gar keine so schlechte Idee. Sie sorgen zumindest für etwas Abwechslung im Bilderregen, der während zehn Tage auf die Festivaliers niederprasselt. Preise fürs Lebenswerk bleiben bei dieser Gelegenheit aber erst mal dem Anime-Obermeister Hayo Miyazaki vorenthalten.
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