Das Fräulein (2006)

Das Fräulein (2006)

Oder: Drei Damen von der Kantine

Das Fräulein

Zwei "Jugoslawinnen" auf der Alm

Ruza (Mirjana Karanovic) ist die Effizienz in Person. Der Tagesablauf der Kantinenbesitzerin ist streng strukturiert. Er besteht aus arbeiten, Tagesumsatz kontrollieren, arbeiten, alleine Znacht essen und arbeiten. 25 Jahre nach ihrer Flucht aus dem damaligen Jugoslawien hat sich die Serbin in der Schweiz eine neue Existenz aufgebaut und ist stolz darauf.

In Ruzas Kantine arbeitet auch Mila (Ljubica Jovic), eine glücklich verheiratete Hausfrau, die vor Jahrzehnten aus dem Gebiet, das man heute Kroatien nennt, in die Schweiz kam und vom AHV-Leben im eigenen Häuschen in der alten Heimat träumt.

Zu den beiden Frauen stösst Ana (Marija Skaricic), die gerade per Autostopp in Zürich angekommen ist. Die Bosnierin aus Sarajewo hat ihren Bruder im Krieg verloren und irrt nun wurzellos, aber fröhlich durch Zürich. Sie hat ihre Siebensachen im Schliessfach am HB und findet dank One-Night-Stands jeweils ein temporäres Dach über dem Kopf.

Das Fräulein

Schnell weg hier!

Von Anas unkomplizierter Hilfsbereitschaft beeindruckt stellt Ruza die junge Frau in ihrer Kantine ein. Ana schneidet aber nicht nur die Radieschen zu wunderschönen Rosen, sondern sorgt auch sonst für etwas Schwung in der Küche. Eine von ihr heimlich initiierte Geburtstagsparty löst bei der strengen Ruza zwar zuerst das erwartete Entsetzen aus, doch dann tanzt die verklemmte Chefin doch die ganze Nacht bis die Schuhe brennen. Zwischen den beiden eigensinnigen Frauen entwickelt sich langsam eine Freundschaft. Doch Ana trägt eine traurige Gewissheit mit sich.


DVD-Rating

Ein goldener Leopard, das wissen wir im Rückblick der vergangenen Locarnofestivals, verheisst fast nie grosses Kino, wobei ich unter grossem Kino eine gute Mischung aus Drehbuch, Regie, Schauspieler und Machart verstehe. Gerade in letzterem Punkt und der gewollt pseudorealistischen Stilistik kann Das Fräulein ganz und gar nicht überzeugen und irgendwie schreit der Film förmlich danach: ja, ich bin ein Frauenfilm. Und das ist das Problem aller Filme, die sich selber in eine Ecke drängen, sei es schwarzes Kino von Schwarzen, schwule Filme von Schwulen etc. Man kratzt ein bisschen an seiner eigenen Oberfläche und pinselt gross Autorenfilm quer drüber mit dem Attribut der Besonderheit, des Speziellseins. Das macht sich intellektuell einfach gut und zieht das geneigte Studiofilmpublikum meist in Scharen in die kleinen Säle. Nichts gegen dieses eigenwillige Publikum, aber deren Offenheit für Filmkunst ist etwa gleich gross wie die der knallharten Knallbummblutschmier-Gemeinde. Beides Extremisten des Kinos eben...!

Aber genug um den heissen Brei gelabert, sonst mach ich mir mit der Review noch unnötig mehr Feinde als sonst schon. Das Fräulein hat hübsche Ansätze, irgendwie als Mischung zwischen Chocolat und gemeinem Auswandererfilm konzipiert, ganz nett gespielt (aber wirklich, wirklich nicht mehr), kurz und knapp gehalten und zum Glück nicht moralisierend. Aber wie schon oben erwähnt, optisch ist das Ganze bieder umgesetzt, als wolle man den Stempel, "Achtung, ich bin Filmautorin und nicht Regisseurin" möglichst prominent in Szene setzen (sorry fürs Wortspiel).

Nein, ich kann die vielen tollen Kritiken nicht nachvollziehen, die vielbeschriebene Vielschichtigkeit der Geschichte verliert sich in Belanglosigkeiten und Vorhersehbarkeiten. Das Das Fräulein ist zu wenig besonders - und das auf der ganzen Linie.

Extras: Es gibt sogar ein wenig Bonusmaterial, das ist aber ehrlicherweise nicht sonderlich interessant. Das Bild ist gewollt in kühlen Farben gehalten und wird so auch recht gut wiedergegeben. Die Schärfe und der Kontrast sind im Normbereich und schlagen weder nach unten oer oben besonders aus. Als Tonspur spielt sich nur im Frontbereich ab und ist auch als Originalkinoversion enthalten, die zwischen Mundart, Deutsch und "jugoslawisch" (man verzeihe mir die Verallgemeinerung) abwechselt.

4.5 Sterne 3.0 Sterne
4.5 Sterne (29 Bewertungen) | 1 Kommentar

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12.06.2007 / rm (Inhalt), pb (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 24.05.2007

  • Bildformat: 16:9
  • Sprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch, Bosnisch, Kroatisch (DD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
  • Extras: Making Of; Interviews; Bericht über Marija Skaricic; Clips über die Crew.