Flushed Away (2006)
Flutsch und weg
Flushed Away (2006) Flutsch und weg
Oder: In Londons Kanalisation
Roddy St. James (Stimme: Hugh Jackman) lebt ein luxuriöses Leben: im vornehmsten Stadtteil Londons domiziliert und mit allen Annehmlichkeiten versorgt, die einem Ratten-Gentleman gebühren (Sportwagen inklusive). Als in Abwesenheit seiner Besitzer die faulige Kanalratte Sid (Stimme: Shane Richie) in sein Reich eindringt, ist Roddy verständlicherweise gar nicht begeistert und will den ungebetenen Eindringling so schnell wie möglich fortschaffen. Mittel zum Zweck: die Toilette.
Zu Roddys Pech ist Sid aber nicht ganz so dumm, wie er aussieht, und statt den stinkenden Proletarierer das Klo runter zu spülen, flutscht der vornehme Roddy wenig später unfreiwillig selber durch die Kanalisation...
Er landet in einer unterirdischen Ratten-Stadt, wo er auf die rebellische Ratten-Frau Rita (Stimme: Kate Winslet) trifft. Obwohl sich die beiden ungleichen Persönlichkeiten auf Anhieb nicht ausstehen können, beschliessen sie einen Deal: Rita bringt Roddy mit ihrem Boot nach Hause; und er bezahlt sie im Gegenzug fürstlich, damit sie die Geldprobleme ihrer immens grossen und leider auch immens armen Familie lösen kann.
Ein Zwischenfall bringt das Duo allerdings in Konflikt mit der blasierten Gangster-Kröte The Toad (Stimme: Ian McKellen) und deren halbgarer Handlangerschar. Roddy und Ritas Reise wird damit zu einem gefährlichen Abenteuer, an dessen Ende gar die Zerstörung der ganzen Ratten-Stadt droht...
Kinofilm-Rating
Flushed Away, der erste vollständig computeranimierte Spielfilm aus dem Hause Aardman (bekannt für seine Plastilin-Animationsfilme), hätte ursprünglich ein Piratenfilm werden sollen. Im Jahr 2000, als die erste Drehbuchfassung vorlag, sah man bei Dreamworks (Aardmans Produktionspartner bei Flushed Away) jedoch keinen Markt für Piratenfilme und das Drehbuch musste umgeschrieben werden. (So nachzulesen bei IMDb.)
Vielleicht liegt es ja an dieser beschwerlichen Vorgeschichte; vielleicht wecken Namen wie Aardman, Peter Lord (Drehbuch) und David Sproxton (Produzent) - verantwortlich für fantastische Filmkost wie zum Beispiel Wallace & Gromit und Chicken Run - aber auch einfach zu grosse Erwartungen: In Bezug auf die Story enttäuscht Flushed Away nämlich leider. Allzu geradlinig ist die Geschichte, zu wohlbekannt das Muster (zwei, die sich nicht riechen können, bestehen gemeinsam ein Abenteuer, wandeln sich und finden schliesslich zueinander). Es fehlt das Besondere, das Ungewöhnliche, wie man es sonst gerade in Aardman-Produktionen oft findet.
Glücklicherweise wird diese inhaltliche Schwäche zu einem grossen Teil von der gelungenen Umsetzung kompensiert. Die Figuren sind liebevoll gestaltet, die Szenerie ist detailreich und atmosphärisch. Lustig umgesetzte Szenen (z.B. eine pantomimisch unterstützte Live-Fernsehbotschaft) und kleine Spitzen gegen die reale (Menschen-)Welt und andere Filme verleihen dem Werk die Würze, welche der Story alleine fehlt. Die gut gewählten Stimmen schenken den Figuren eine persönliche Note und tragen so ihren Teil zum Unterhaltungswert des Filmes bei (besonders gefällig: Jean Reno als französischer Trenchcoat-Agent Le Frog).
Die Animationen waren zum Zeipunkt der Film-Visionierung noch nicht ganz fertiggestellt und können an dieser Stelle deshalb auch noch nicht abschliessend beurteilt werden. Es scheint aber, dass die Crew unter dem Regie-Duo David Bowers und Sam Fell gute Arbeit geleistet hat. Bereits fest steht hingegen mein persönliches Flushed Away-Highlight: Was im Trailer bloss ein herzzerreisendes "quiiieck" von sich gibt, wird im Film zum Soundtrack-Meister. Die ulkigen kleinen Glubschaugen-Schnecken sorgen mit ihren - zum Glück recht zahlreichen - Auftritten auf ihre ganz eigene Art für die der Szene angemessene Stimmung; wie, wird hier aber nicht verraten!
Flushed Away enttäuscht so zwar mit einer eher unoriginellen Story, sorgt dank rasanter und einfallsreicher Umsetzung aber dennoch für gute Unterhaltung. Der Film dürfte dabei Kinder wie Erwachsene gleichermassen ansprechen. Wer Animationsfilme und Humor jenseits von Fäkal- und ähnlichen Witzen mag (von Sids anfänglichem Riesenrülpser mal abgesehen), dem sei Roddy und Ritas Abenteuer deshalb unabhängig vom Alter guten Gewissens empfohlen.
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4.4 Sterne (55 Bewertungen) | 18 Kommentare



