Flags of Our Fathers (2006)
Flags of Our Fathers (2006)

Noch ist das Kinojahr 2006 nicht zu Ende und es stehen uns noch einige vielversprechende Projekte bevor. Eines dieser Projekte ist der neue Film von Clint Eastwood, Flags of our Fathers. Der Film erzählt die Geschichte über das berühmte Monument, worin zu sehen ist, wie sechs Männer die amerikanische Flagge während der Schlacht in Iwo Jima hiessen. Die Schlacht stellte einen Wendepunkt im Verlauf des Zweiten Weltkrieges für die Amerikaner dar. Flags of our Fathers erzählt die Geschichte dieser Schlacht aus der amerikanischen Sicht. Nächstes Jahr kommt dann das Pendant mit dem Titel Letters from Iwo Jima in die Kinos, ebenfalls unter der Regie von Clint Eastwood, und erzählt dieselbe Geschichte aus der Sicht der Japaner. Das Projekt wurde schon lange als höchst interessant eingestuft und wird auch als möglicher Oscar-Favorit gehandelt.
Wie es sich für einen Clint Eastwood-Film gehört, führt der eifrige Künstler nicht nur Regie, sondern komponiert auch gleich den orchestralen Score. Im Vergleich zu seinen früheren Projekten Million Dollar Baby und Mystic River bekommt Eastwood im musikalischen Schöpfungsprozess dieses Mal wieder Unterstützung von Langzeitkollaborator und Orchestrator Lennie Niehaus. Diese Unterstützung hört man dem Score zwar an, doch können die Schwächen damit nicht überdeckt werden.
Ein erstes Hauptproblem, welches sich mit dem vorliegenden Album ergibt, liegt in der Auswahl und besonders in der Zusammenstellung der einzelnen Stücke. Mit Flags of our Fathers bekommen wir ein Album, in welchem die Score- und die Inspired-By-Titel wild durcheinander gemischt wurden. Auch wenn dies zu Beginn die Hoffnung weckt, dass die überwiegend monotone und dunkle Komposition von Eastwood damit etwas durchbrochen wird und das Album somit in einem Fluss gehalten werden könnte, ist der Hörer schon bald überfordert mit dem kunterbunten Mix aus Gute-Laune-Bar-Stücken, militärischen Märschen und der sehr dramatischen und melancholischen orchestralen Musik dazwischen.
Gipfeln tut dieser bizarre Stimmungswechsel in den drei Stücken "Knock Knock", "Wounded Marines" und "The Thunderer": "Knock Knock" ist ein swingiges Feel-Good-Stück, welches eine gesellige Runde in einer Bar untermalen könnte. Nach dieser "lüpfigen" Komposition kommt ein gut vierminütiges Score-Stück, welches, wie der Titel schon verrät, sehr bedrohend, dunkel und träge durch die Boxen zieht. Das Stück schliesst mit einer schönen Version des Hauptthemas, welches schlicht gehalten und von Klavier und Trompete vorgespielt wird. Hat der Hörer dies "überstanden", darf er sich mit "The Thunderer" von einer militärischen Blaskapelle gespielte Musik zu Gemühte führen. Auch wenn dies alles sehr farbig tönt, entwickelt das Album leider einfach nie eine wirklich stimmige Atmosphäre.
Nach zwei weiteren Score-Stücken kommen dann auch noch die eingefleischten Klassiker unter uns zum Zuge und bekommen Stücke von Mozart und von Haydn vorgetragen - gefolgt von "Inland Battle". Wem's gefällt...!?
Der Score als solches wäre gar nicht mal so schlecht. Er überzeugt mit einem schönen, wenn auch etwas einfachen Hauptthema und mit jede Menge dunklem Underscore (das, was man eigentlich erwarten kann von einem Film wie Flags of our Fathers). Man merkt , dass Eastwood primär kein Musiker ist. Das Hauptthema wird nicht variiert und die Orchesterpassagen verlaufen oftmals zu monoton und geradlinig (siehe dazu auch die Kritik zu Clint Eastwoods Mystic River).
Fazit: Mit Flags of our Fathers wird uns ein Album mit einem sehr breit gefächerten Sound geboten. Das Problem: Es ist einfach zuviel des Guten. Die zahlreichen musikalischen Stilwechsel lassen nie wirklich Atmosphäre aufkommen. Auch wenn Clint Eastwoods neues Werk filmtechnisch gesehen sicherlich zu überzeugen weiss, so wünschte man sich einfach, dass irgendwann mal ein "richtiger" Komponist die Musik dazu schreiben würde. Zum Beispiel für Letters from Iwo Jima?
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