Fearless - Huo Yuan Jia (2006)
Fearless - Huo Yuan Jia (2006)
Oder: Schneller als der Wind
China ist in Bewegung. Anfang des 20. Jahrhunderts werden die Einflüsse des Westens immer stärker und wer sich dieser Entwicklung nicht anschliesst, wird einfach stehen gelassen. Zu dieser Zeit verfolgt ein Junge namens Huo Yuanjia (als Erwachsener von Jet Li dargestellt) in der Kampfschule seines Vaters die Techniken und Stärken der Kämpfer. Ihm selber wurde, von seinem Vater höchstpersönlich, verboten, sich diese Techniken anzueignen und so trainiert der kleine Huo immer zwischendurch und versteckt, während sein Freund sich pflichtgemäss den Hausaufgaben widmet.
Huo Yuanjias grösster Traum ist es, der beste Kämpfer der Gegend zu werden und für dieses Ziel lässt er alles stehen und liegen. Dieser Schwur scheint sich zu erfüllen, als er scheinbar Jahre später tatsächlich eine beeindruckende Siegesserie aufzuzeigen hat. Doch Huos Erfolge haben ihn verändert. Sein gnadenloser Kampfstil ist zwar erfolgreich, jedoch beginnt der Mann hochnäsig, arrogant und hitzköpfig zu werden. Von seinen inzwischen angehäuften Schulden beim Jugendfreund und dessen Restaurant gar nicht zu sprechen.
Als ein schrecklicher Vorfall Huo definitiv zu brechen scheint, findet er ein Auffangbecken im chinesischen Hinterland, wo er zu sich selber finden und mit seinem Geist ins Reine kommen soll. Denn in Shanghai braut sich etwas zusammen. Die westlichen Invasoren und Besetzungsmächte wollen beweisen, dass die besten Kämpfer nämlich aus England, Spanien oder Deutschland kommen und sie fordern die besten Einheimischen zu einem Turnier. Huo Yuanjia wird zugelassen und muss sich nun in allerlei Kampfkünsten und sogar dem japanischen Meister Tanaka (Shido Nakamura) stellen.
Kinofilm-Rating
Huo Yuan Jia (oder Fearless) ist die Geschichte des berühmtesten chinesischen Kämpfers um die Jahrhundertwende. Dazu gibt (so heisst es auf alle Fälle) Kampfstar Jet Li mit diesem Film seinen Abschied vom Martial-Arts-Film und mit Ronny Yu wurde dazu noch ein Regisseur verpflichtet, der den Erwartungen gerecht wurde. Angereichert wurde die Kampfplatte mit Ex-Wrestler Nathan Jones (wenn er auftritt, wackeln die Kinowände) oder dem Deutschen Brandon Rhea, der sich je länger je mehr einen Namen im Osten macht.
Filme mit Jet Li waren bis anhin geprägt durch dessen wahnsinnig schnellen Kampfbewegungen, wortkarge Charaktere (besonders in seinen westlichen Filmen) und einem recht ansprechenden Gewaltpotenzial. In Huo Yuan Jia lässt er Familienprügler wie Jackie Chan einmal mehr als Kampfschnecken aussehen und beweist, dass es in Sachen Film-Martial-Arts wohl nur ganz wenig Besseres gibt. Wenn überhaupt. Was hier allerdings noch dazukommt, ist eine hervorragende Darstellung eines Mannes, der anfänglich das Leben ohne Seele liebt und sich nach beeindruckend schönen Momenten zwischen Reisfeldern und Wasserfällen zum Mensch mit Geist entwickelt. Nein, Jet Li ist noch immer kein grosser Mime, allerdings scheint ihm die Hauptrolle in Huo Yuan Jia perfekt auf den Leib geschneidert worden zu sein.
Die Geschichte macht zwei Zeitsprünge. Einmal, als Vorspeise, werden die ersten Kämpfe des Hauptcharakters beim Turnier in Shanghai gezeigt, bevors dann, vor dem letzten Gefecht, in Richtung Jugend geht, von wo das Leben und die Geschichte erst richtig gestartet werden. Den Knackpunkt der Story hätte dann auch der gute William Shakespeare nicht besser hingekriegt. Da ist leer schlucken garantiert.
Zu dieser gelungenen Geschichte kommen erstklassig choreographierte Kämpfe. Auch wenn zeitweise sichtbar mit Effekten nachgeholfen wurde, so sind die Schlachten (wie diejenige im Restaurant) von noch kaum gesehener Intensität, Spannung und Härte. Da lacht das Herz eines jeden Martial-Arts-Fans laut auf.
Fazit: Huo Yuan Jia (oder Le Maitre d'Armes wie er im Land der Zuckerwatten und Schleckäpfel genannt wird) ist Martial-Arts der besten Sorte und beweist, dass auch solche Filme mit guten Geschichten aufwarten können. Jet Li ist kampftechnisch eine Rampensau und beweist in seinem "Abschlussfilm", dass er durchaus auch in anderen Genres seinen Weg machen kann.
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