Fauteuils d'Orchestre (2006)
Ein perfekter Platz
Fauteuils d'Orchestre (2006) Ein perfekter Platz
Oder: Meine snobistischen Nachbarn
Wenn sie nicht gerade ihr Grosi (Suzanne Flon) hütet, jobbt die Studentin Jessica (Cécille de France) als Kellnerin im "Cafe Du Theatre". Sie ist die erste weibliche Angestellte im einzigen Bistro an der Pariser Avenue Montaigne, wo sich sonst nur Boutiquen an Luxushotel, Auktionshaus und edle Kulturhäuser reihen. Ein Riesenspass für die naive Mademoiselle vom Lande, trifft sie so doch auf allerlei Prominenz.
Catherine (Valérie Lemercier) zum Beispiel, ein etwas schusseliger Soap-Superstar, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine Rolle im seriösen Film - warum nicht mit dem US-Regisseur Sobinski(Sydney Pollack). Oder Jean-François (Albert Dupontel), ein erfolgreicher Konzertpianist, dessen Tourneeplan weit ins übernächste Jahr reicht, der aber lieber für Kinder und Kranke spielen würde als audiophile Japaner. Aber auch der ältere Kunstsammler Jacques (Claude Brasseur), der seine wertvolle Sammlung einem Auktionshaus übergibt, bevor er seinen Lebensabend als "Museumswächter" verbringen muss.
Kinofilm-Rating
Fauteuils d'Orchestre ist zwar nach Jet Lag und La Bûche erst Danièle Thompsons dritter Film als Regisseurin. Doch ohne sie als Co-Autorin wären dem französischen Kino wohl einige Hits entgangen. Legendär ist vor allem die Zusammenarbeit mit ihrem Vater Gérard Oury für viele Louis de Funès-Filme von La Grande Vadrouille bis Les Aventures de Rabbi Jacob. Ebenso hat Sophie Marceau den Start ihrer Karriere in den 80ern mit La Boum, La Boum 2 und L'Etudiante nicht nur Clauvon Pinoteau zu verdanken.
Auch Fauteuils d'Orchestre ist durch und durch "français". Eiffelturm, Akkordeon, Bourgeoisie und Bistro bilden den Klang- und Bilderteppich für eine Pariser Screwball-Komödie über Menschen, welche um ihren Erfolg beneidet werden, während sie selbst das Gefühl quält, das Wesentliche nicht erlangt zu haben. Cecille de France spielt dabei das Mädchen vom Lande, das als roter Faden durch die mondäne Welt führt. Spitzbübisch, adrett und niedlich, wie man das von ihr kennt, hält sie die Geschichte zusammen und hört von der Sorgen der Reichen und Schönen, ähnlich wie das schon ihre Filmoma als "Dame de Pipi" bei Cartier erlebt hat. Valérie Lemercier brilliert in einer Rolle, die man durchaus als De Funès für Frauen beschreiben kann. Das etwas altmodische Wort "Tollpatsch" beschreibt es am treffendsten. Auch Albert Dupontel bekommt die Frustration des von der Ehefrau verhätschelten Profimusikers bestens hin.
Es liegt an Dani und Christopher Thompson, dass der Film nicht noch ein bisschen mehr packt. Der Handlungsstrang der in Frankreich wohl sehr berühmten Chansonsängerin, über die Platzanweiserin im Olympia wird erst dann etwas spannend, wenn sie einen iPod als Abschiedsgeschenkt bekommt. Man fragt sich, ob die alte Dame es schafft, ihre Lieblingslieder auf das Gerät zu laden. Und der Sohn der Regisseurin ist als Schauspieler einfach so langweilig, dass man ihm gerne eine Spritze verpassen würde, die mehr als nur Vitamin B enthält.
![]()
3.6 Sterne (4 Bewertungen) | 0 Kommentare



