Fast Food Nation (2006)
Fast Food Nation (2006)
Oder: Do you want Fries with that?
Big Mäc? *Pfff*. Double-Whopper? Für Anfänger. Wer richtig gute Burger essen will, der schlendert ins "Mickeys" und bestellt sich einen "Big One". Denn dieser Burger ist der beliebteste Frass der Restaurantkette und dass in den Konkurrenzläden meist mehr Leute zu finden sind, ist reiner Zufall. So auf alle Fälle denkt Marketingleiter Don Henderson (Greg Kinnear), der (Mit-)Erfinder des "Big One". Doch die aktuellen Fleischproben sind ein bisschen verwirrend. Die Wissenschaftler haben doch tatsächlich Spuren von Tierkot im Fleisch gefunden. Don muss sich beim Hersteller des Fleisches selber überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Dort unten, an der Grenze Mexikos, steht die grosse Fleischverarbeitungsfabrik. In ihr arbeiten auch diverse mexikanische Illegale, die über die Grenze geschmuggelt werden und mit schlechten Jobs versuchen, ein bisschen Geld zu verdienen. Da werden Kühe auseinandergenommen, Fleisch zerhackt und das zum Mindestpreis. Dass dabei die Laufbänder ein bisschen zu schnell rollen mag für die Fleischqualität schlecht sein, aber dem Besitzer der Firma bringts Geld ein. Die Mexikaner, die hier am Tag soviel verdienen, wie in ihrer Heimat in einem Monat, müssen damit leben. Auch Arbeitsunfälle sind an der Tagesordnung. Und wenn dann der Firmenanwalt im Krankenhaus auftaucht und dem Opfer Drogenkonsum vorwirft (Hey, wir habens in seinem Blut gefunden), dann heissts: "Willkommen in Amerika".
Gleichzeitig arbeitet Amber (Ashley Johnson) in einer Filiale von "Mickeys". Der Job ist kacke, die Hygiene sekundär und wenn mal ein Burger auf den Boden knallt, nimmt man ihn mir nichts, dir nichts, wieder auf und brutzelt weiter. S'merkts ja niemand, weil die Überwachungskameras sind ja eh nur zur Zierde in der Küche. Als Ambers Onkel Pete (Ethan Hawke) auftaucht und gegen den grossen bösen Kommerz wettert, will sich Amber verändern. Sie schliesst sich einer Aktivistengruppe an und plant eine Aktion gegen die grosse Verwurstungsfirma.
So unabhängig voneinander sich die drei Hauptgeschichten auch zu präsentieren scheinen, eines haben sie gemeinsam. Es geht um Fast-Food, dessen Herstellung, die Probleme damit und die ewige Frage: "Warum fressen wir das Zeugs eigentlich, wenns eh Müll ist?"
Kinofilm-Rating
Hamburger und Milk-Shakes. Was bei uns auch immer weiter verbreitet ist, sieht man im grossen Amerika praktisch andauernd, wenn man aus einem Fenster guckt. Da stehen McDonalds neben Burger King. Zwischendrin noch ein Taco Bell oder ein Wendys. Fastfood ist der "real American Food". Kein Wunder ist dort drüben die Todeszahl der Leute die an Übergewicht sterben so immens hoch. Richard Linklater hat nun einen Film über dieses Phänomen gedreht, der keinesfalls die Absicht hat, ein zweites Super Size me zu werden, sondern anhand von fiktionalen Storylines einen Blick hinter die Kulissen des grossen Fressgeschäfts wirft.
Ein interessantes und, vor allem, aktuelles Thema wird in Fast Food Nation angeschnitten. Was dabei herauskam ist leider Ernüchterung pur. Denn so sehr man sich auf weltbewegende und schockierende Enthüllungen hinter den Kulissen des Fastfoods gefreut hat, so unspektakulär ist leider dieser Film geworden. Es wird ein paar Mal über Ungerechtigkeiten gesprochen, die Industrie zeigt sich vereinzelt von der bösen Seite (Human-Ressources-Manager im Spital) und s'wird sogar einmal in einen Burger gespuckt. Aber sonst? Keine "McDonalds-does-not-want-you-to-see-this"-Bilder oder Enthüllungen wo einem grad der Cheeseburger im Hals stecken bleibt. Da waren die Erwartungen doch etwas (zu) hoch.
Die drei Geschichtsstränge haben eigentlich nicht viel miteinander zu tun. Der Manager versucht herauszufinden, warums Tierkacke im Fleisch hat, nur um zu erfahren, dass das ja schon immer so war. (*huch, auch jetzt noch?*) Dagegen was tun kann er aber nicht. Die Mexikaner werden ausgebeutet und das schöne Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigt seine düsteren Seiten. Und die junge Dame sieht sich mit ihrer Aktion in einer Sackgasse, weil Kühe A) dumm sind und B) die böse Welt für sie und ihre Kumpels zu stark ist.
Angereichert werden diese Geschichten durch Auftritte nahmhafter Stars. So mampft sich ein Bruce Willis durch einen Hamburger, während er ganz ruhig von seiner Viehfirma erzählt. Da transportiert Luis Guzman (Anger Management) Mexikaner über die Grenze und Greg Kinnear (Stuck on You, The Matador) kriegt einen Reality-Check. Das ist alles schön und gut, aber so richtig aufwühlend oder gar schockierend wird das Ganze leider nie.
Fazit: Fast Food Nation sollte mit differenzierten Erwartungen angesehen werden. Wer Super Size Me "so krass" gefunden hat, dürfte sich hier eher mühsam durch den Film quälen. Wer aber trotzdem einen kleinen Blick hinter die Machenschaften der Fast-Food-Industrie erhaschen will, der darf hier ohne Probleme reinmarschieren. Blutende Kühe, denen grad die Haut abgezogen wurde, gibts erst am Schluss zu sehen.
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