The Fast and the Furious: Tokyo Drift (2006)
The Fast and the Furious: Tokyo Drift (2006)
Nach dem mässigen Erfolg von Jerry Bruckheimers Gone in 60 Seconds kam 2001 eine "aufgepimpte" Version dieses Genres in die Kinos und verschafte sich mit schnellen Autos, heissen Frauen und unglaublicher Action viel Publikum. The Fast and the Furious schrie geradezu nach einer Fortsetzung, die auch nicht lange auf sich warten liess: Zwei Jahre später flitzten die Darsteller erneut über den heissen Asphalt und 2006 schlitterten sie zum dritten Mal um die Kurven.
Gleichermassen wie sich die Filme von "Folge" zu "Folge" nicht neu erfanden, tat sich auch in Sachen Musik und Underscore wenig. Der erste Teil bekam ein paar heisse Beats von BT verabreicht (kürzlich für Stealth zuständig), im zweiten Teil begleitete David Arnold das rasende Geschehen etwas routiniert und daher eher enttäuschend und für den dritten Teil wurde Brian Tyler engagiert. Das Engagement kam nicht ganz unerwartet und war für Tyler ebenso wenig Neuland. Schon im ersten Teil verwendete man Musik von Tyler als Temptrack (vom Score von Fourth Floor). Für den dritten Teil kreierte Tyler eine Mixtur aus orchestralem Sound und viel Synth-Elementen. Nicht schlecht, aber auch nicht neu!
Der Score von Tyler kommt mit einer recht eindrücklichen Laufzeit von gut 64 Minuten üppig daher. Darin liegt auch sein Hauptproblem: Der Score-Realise ist eindeutig zu lang und, für Varèse Sarabande leider nicht untypisch, zu stark "zerschnipselt". Die etwas längeren Stücke präsentieren interessante musikalische Ideen und Entwicklungen. Diese werden jedoch immer wieder von kurzen beat- und technolastigen Einwürfen gestört. Das zweite und das letzte Stück bilden zusammen eine Art Kern des Albums und präsentieren thematische Elemente des Scores. Diese beiden Stücke sind dann auch recht schön anzuhören und vermögen durchaus zu unterhalten. Zusammen ergibt sich daraus ein Kampf zwischen Orchester und Synthesizern, der actiongeladen und atemlos ausgetragen wird.
Ebenfalls interessant sind die ruhigeren "Neela"-Passagen. Sie bilden einen emotionalen Kern und sind im ansonsten überwiegend lauten Score sehr willkommen. Das ruhige Gitarrenspiel mit "trockenen" Beats im Hintergrund erinnert stellenweise an ähnliche Momente in John Powells Mr. And Mrs. Smith. Das auf dem Frontcover so wunderbar angepriesene Feature mit Slash von Guns'n'Roses fällt mit dem Stück "Welcome to Tokyo" sehr kurz aus und wird daher, von den meisten eher unbemerkt, im Scoreschwall untergehen. Schade!
Fazit: Brian Tylers Arbeit zu The Fast and The Furious: Tokyo Drift überrascht wenig. Noch enttäuschender fällt allerdings die viel zu lange Präsentation auf dem Album aus. Irgendwo in dieser einstündigen Darbietung versteckt sich eine gute, ca. zwanzig Minuten lange Suite. Daher empfehle ich, sich die Stücke 2, 4, 5, 26, 29 und 30 zu programmieren, und diese furiose Fahrt zu geniessen. Denn als ganzes Hörerlebnis ist es wie Fahren auf der Autobahn: Das erste Mal ist's aufregend!
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