Fallen (2006)
Fallen (2006)
Oder: Die lustigen Weiber von Wien
Fünf Frauen treffen sich nach vierzehn Jahren zum ersten Mal wieder. Zur Zeit der Matura waren sie eine unzertrennliche Clique. Jetzt mit Anfang dreissig ist das Begräbnis des ehemaligen Physiklehrers in der österreichischen Kleinstadt, wo sie ihre Kindheit verbrachten, auch ein Grund, Bilanz zu ziehen. Was wurde aus den ehemaligen Klassenkameraden und wie schlägt man sich selber so durchs Leben?
Die lebenslustige Nina (Nina Proll) ist arbeitslos und im 7. Monat schwanger. Die kühle Alex (Ursula Strauss), welche Arbeitssuchende betreut, hat sie trotzdem noch nie getroffen. Carmen (Kathrin Resetarits) hatte den weitesten Weg. Die schöne Blondine versucht ihr Glück als Schauspielerin in Deutschland. Brigitte (Birgit Minichmayr) ist die Nachdenklichste der Fünf und unterrichtet heute Deutsch und Geschichte. Die unintellektuelle Nicole (Gabriela Hegedüs) hat ihre Tochter im Teenageralter zum Begräbnis mitgebracht.
Auf dem Weg zu einer "Weinverkostung", die ein ehemaliger Mitschüler freundlicherweise anerbot, machen die Damen Halt auf einer Hochzeitsgesellschaft. Der Bräutigam hat dabei nicht nur Augen für die ihm soeben Angetraute. Nach ein paar Drinks im privaten Kreis lässt die Gruppe den Abend in der Dorfdisco ausklinken, wo man sich schon mit Anfang zwanzig jeweils die Kante gab. Die spontane "Sauftour" bleibt nicht folgenlos...
Kinofilm-Rating
Klassenzusammenkünfte haben etwas Faszinierendes und Barbara Alberts vierter Film Fallen fängt eben dies besonders gut ein. Aber man muss wahrscheinlich selber um die dreissig und im deutschsprachigen Raum sozialisiert worden sein, um den Bezug zum Film voll und ganz herzustellen. Denn bei den italienischen Kritikern, deren Voten in der täglich erscheinenden Festivalzeitung des Filmfestivals von Venedig rapportiert und ausgewertet werden, musste der Film böse unten durch. Ob sie noch nie das Vergnügen hatten, über die zu lästern, mit denen man einst die Schulbank gemeinsam drückte, oder von ehemaligen Gschpänlis, die heute als Anlageberater arbeiten, mit Infos zu Finanzprodukten vollgelabert wurden, kann nur vermutet werden.
Es ist die Stimmung des Films, die im volatilen Raum zwischen jugendlichen Sehnsüchten und dem Gefühl, das man eigentlich erwachsen werden sollte, mäandriert. Es liegt in der Natur von Lebensträumen, das diese auch schon mal in die Brüche gehen. Und wenn man diese mit den Menschen in Erinnerung ruft, mit welchen man sie in jungen Jahren schon gespinnt hat, ist es besonders bitter. Alkohol und Technomusik können dabei sehr befreiend wirken. In einem konventionelleren Film würde die Protagonistinnen im Verlauf der Geschichte irgendwann vor ein Problem gestellt werden. In Fallen passiert das nie. Emotionalität und Atmosphäre waren der Regisseurin und Autorin wichtiger als die Story. Hervorragend beobachtet und gekonnt gespielt geben alle fünf Hauptdarstellerinnen zusammen mit Ina Stand als Teenagerin Daphne ein gelungenes Portrait einer Generation mit leichten Orientierungsschwierigkeiten. "Fad" wird's einem dabei nie.
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4.2 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare



