After the Wedding - Efter brylluppet (2006)
Nach der Hochzeit
After the Wedding - Efter brylluppet (2006) Nach der Hochzeit
Oder: Die Übergabe
Der Däne Jacob (Mads Mikkelsen) liebt seine Arbeit in einem indischen Kinderheim über alles; seiner Heimat hat er schon vor Jahren den Rücken gekehrt. Als ihn ein potenzieller Geldgeber zur Rückkehr nach Dänemark zwingt, ist Jacob entsprechend wenig begeistert. Die Geldnot des Heims, die Aussicht auf eine Millionen-Spende und insbesondere die Konditionen des Geldgebers machen die Reise aber unabdingbar: Der Deal kommt nämlich nur zu Stande, wenn Jacob persönlich in seine Heimat reist.
In Dänemark angekommen, muss Jacob feststellen, dass sich der geldschwere Jørgen (Rolf Lassgård) trotz Finanzierungsabsicht herzlich wenig für das Kinderheim in Indien interessiert und Jacob stattdessen zur Hochzeit seiner Tochter Anna (Stine Fischer Christensen) einlädt. Die mit grosser Kelle angerührte Feier hält für die Beteiligten einige Überraschungen bereit: Tochter Anna offenbart, dass Jørgen nicht ihr leiblicher Vater ist und Jørgens Gattin Helene (Sidse Babett Knudsen) entpuppt sich als Jacobs einstige Geliebte...
Weitere seltsame "Zufälle" und Enthüllungen, insbesondere aber Jørgens immer unglaublicher anmutende Konditionen in Zusammenhang mit der Spende verwirren und beunruhigen Jacob. Es scheint, als wolle Jørgen verhindern, dass Jacob nach Indien zurückkehrt - fragt sich bloss: warum?
Kinofilm-Rating
After the Wedding ist Mads Mikkelsens aktuell dritter Auftritt in den Schweizer Kinos: Der 42-jährige Däne ist zur Zeit bereits als unerschütterlicher Pfarrer Ivan im genialen Adam's Apples sowie als Bösewicht Le Chiffre im Bond-Abenteuer Casino Royale zu sehen. Die drei Filme demonstrieren anschaulich Mikkelsens schauspielerische Beweglichkeit: Einmal halbheiliger Gutmensch, einmal pokernder Bösewicht - und einmal ein einfach ganz normaler, mit Sorgen und Problemen behafteter Kerl.
Sorgen und Probleme haben übrigens fast alle Figuren in Susanne Biers zweistündigem Drama: After the Wedding ist die traurig-berührende Geschichte einer menschlichen Tragödie (wenn auch nicht gerade in griechischen Ausmassen). Wer gemütliche Entspannung sucht, sollte sich deshalb besser für einen anderen Film entscheiden; After the Wedding ist dafür zu anstrengend. Das ist durchaus positiv zu verstehen, denn es zeigt, dass die Filmfiguren und ihre Schicksale den Zuschauer mitreissen und mitleiden lassen. Ich zumindest bin stellenweise ziemlich angespannt im Kino gesessen.
Die wohl undurchschaubarste Person im Spiel ist Jørgen, vielschichtig dargestellt von Rolf Lassgård (Steget efter): dick und mit zusammengekniffenen Augen, cholerisch, jovial, stets am Rande einer Alkoholsucht und trotzt des zärtlichen Umgangs mit seinen Kindern irgendwie einfach unsympathisch. Der reiche Herr ist es denn auch, der mit sorgfältig verdeckten Karten ein seltsames Spiel treibt, welches weder für Jacob noch für Helene noch für den Zuschauer durchschaubar ist. Erst die (doch etwas überraschende) Auflösung gegen Ende des Films konnte in mir ein paar Sympathien für Jørgen wecken. Dieser sehr dominanten Gestalt zum Trotz überzeugen aber auch die anderen Hauptfiguren mit guten, stellenweisen intensiven und mitreissenden Darstellungen. Punkto Schauspiel gibt es so aus meiner Sicht nichts zu mäkeln an After the Wedding.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen Susanne Biers Vorliebe für extreme Close-Ups. Während die bildfüllende Aufnahme eines Auges (je nach Person) durchaus etwas Schönes für sich haben kann, empfand ich die leinwandfüllende "Lippe-am-Glas" dann doch als eher wenig aussagekräftig und ab der x-ten Wiederholung ausserdem als reichlich nervig; für mich ein bisschen zu viel des Guten. Und auch bei den eingespielten Popsongs war mir nicht immer klar, ob sie nun einfach dem persönlichen Geschmack der Regisseurin entsprungen waren, oder allenfalls eine Botschaft vermitteln sollten - wenn, dann blieb mir diese jedenfalls verborgen.
Das Kino habe ich trotz dieser kleinen Störelemente vom Film und seinen Figuren berührt verlassen. Wer dramatische Geschichten mag und Stories, wie sich Menschen in schwierigen Situation verhalten, dem sei After the Wedding mit gutem Gewissen empfohlen. Wer sich hingegen leichte Kost wünscht oder, inspiriert beispielsweise durch Adam's Apples, einen schrägen, ungewöhnlichen Film sucht, dem sei von Susanne Biers jüngsten Werk eher abgeraten. Und schliesslich: Wer sich fragt, ob Mads Mikkelsen auch in diesem Film irgendwo am Körper zu bluten beginnt: Dies ... wird natürlich nicht verraten!
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4.5 Sterne (31 Bewertungen) | 4 Kommentare



