Eden (2006)

Eden (2006)

Oder: Die Liebe isst mit

Eden

Herr Ober, da ist eine Fliege in meiner Suppe.

Kochen - das ist die grosse Leidenschaft des schwergewichtigen Gregor Barbier (Josef Ostendorf). Sowohl beruflich als Koch in einem Luxusrestaurant als auch privat in seiner Küche zaubert er leckere Gerichte auf den Teller. Dass er dabei ein wenig exzentrisch ist - er spricht schon mal gerne liebevoll mit einer toten Ente, während diese von ihm gerupft wird - stört niemanden seiner Gäste, denn schliesslich entschädigt er diese zur Genüge mit seinen betörenden Speisen.

Eden

Schmeckt's?

Als Gregor in einem Kurcafé mit der hübschen Kellnerin Eden (Charlotte Roche) ins Gespräch kommt, reagiert diese zunächst kurz angebunden. Das ändert sich, als er ihrer am Down-Syndrom leidenden Tochter Leonie (Leonie Stepp) zum Geburtstag einen mit deliziösen Pralinen bestückten Kuchen schenkt. Diese Pralinen schmecken nahezu überirdisch gut, weshalb Eden schon bald vor der Türe von Gregors Küche steht. Dies ist der Beginn einer tiefen Freundschaft: Sie besucht ihn regelmässig zu Hause, wo er sie mit ausgefallenen und köstlichen Spezialitäten verwöhnt.

Eden

Dessert-la-Roche

Durch diese kulinarischen Erlebnisse blüht Eden auf, und auch die Beziehung zu ihrem Ehemann Xaver (Devid Striesow) erhält neue erotische Impulse. Dieser fühlt sich hin- und hergerissen: einerseits bewundert er den begnadeten Koch und profitiert ebenfalls von dessen Kochkünsten, die seine Ehe wiederbeleben. Andererseits verspürt er eine rasende Eifersucht auf seinen neuen Nebenbuhler. Auch die Gerüchte, welche in der Kleinstadt, wo die beiden wohnen, bald die Runde machen, setzen ihm stark zu. Er fühlt sich deshalb zum Handeln gezwungen...


Kinofilm-Rating

Dass die Liebe durch den Magen geht, ist mittlerweilen ja bestens bekannt, dank diverser Filme aus dem Genre des "Food Film", deren bekannteste Vertreter wie Como agua para chocolate oder Eat Drink Man Woman grosse Publikumserfolge waren. Die These, dass sich kulinarische Genüsse positiv auf das Liebesleben auswirken, ist auch die Quintessenz dieses Filmes. Dem Zuschauer wird dabei gehörig der Mund wässrig gemacht: Wer dem Meisterkoch bei seiner Arbeit zuschaut, verspürt unweigerlich das Bedürfnis, wieder mal in einem richtig guten Restaurant essen zu gehen. Tatsächlich wurde für Eden extra ein "Food Designer" aufgeboten, dessen Aufgabe darin bestand, die im Film präsentierten Gerichte gluschtig aufzubereiten. Der Sternekoch Frank Oehler erledigt dies mit Bravour. Gleichzeitig darf den Produzenten ein geschicktes Marketing attestiert werden, erscheint doch zeitgleich mit dem Film auch Oehlers Rezeptbuch, in welchem die dort gezeigten Gerichte zum Nachkochen präsentiert werden.

Dass die wunderbaren Gerichte nicht den beiden menschlichen Hauptdarstellern die Show stehlen, ist deren starken Leinwandpräsenz zu verdanken: Josef Ostendorf, regelmässigen Theatergängern bekannt als ehemaliges Ensemblemitglied des Zürcher Schauspielhauses, ist nicht nur aufgrund seiner Leibesfülle eine Wucht. Er spielt Gregor Barbier gekonnt als schüchternen, unsicheren Mann, welcher sein Leben dem Kochen widmet und alle anderweitigen Leidenschaften vernachlässigt. Auch die inoffizielle "Queen of German Pop Television" Charlotte Roche, ehemalige VIVA-, Pro 7- und jetztige Arte-Moderatorin, vermag in ihrer ersten Kinorolle zu überzeugen: Auf angenehm zurückhaltende Art und Weise verkörpert sie die zuerst gestresste und unzufriedene Kellnerin, welche durch Gregors Gerichte zur persönlichen Glücksseligkeit findet. Es ist auch für den Zuschauer eine Wohltat, ihr nach dem Essen vor Wonne strahlendes Gesicht zu betrachten. Devid Striesow in der Rolle von Xaver bemüht sich, seine Figur differenziert darzustellen und nicht zum Bösewicht abzustempeln. Leider sieht das Drehbuch letztendlich aber genau dies vor: Die Geschichte driftet gegen Ende des Films stark ins Melodramatische ab, während sich gleichzeitig das Erzähltempo rasant steigert. Das ist schade, denn die zuvor so behutsam inszenierte zaghafte Romanze zwischen Gregor und Eden droht so im Strudel der sich überstürzenden Ereignisse unterzugehen.

Sei's drum. Kinoängern, welche kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt sind, sei der Film wärmstens empfohlen. Idealerweise sehen sie ihn sich zusammen mit dem Partner oder der Partnerin an. Und buchen für danach am besten gleich einen Znacht im Lieblingsrestaurant. Oder - noch besser - kochen die Gerichte zuhause nach. Danach sollte einer aufregenden Liebesnacht eigentlich nichts im Wege stehen. Än Guete!

4.4 Sterne
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01.09.2006 / ebe