Death Note - Desu nôto (2006)
Death Note - Desu nôto (2006)
Oder: Abgehakte Biografien
Der junge und brillante Jusstudent Light Yagami findet eines Abends ein in der Gosse herumliegendes Heft. Aber es handelt sich nicht um irgendein Heft, sondern um das Death Note von Ryûk, dem Totengott. Die Macht des Büchleins ist gross: jede Person, deren Namen hineingeschrieben wird, ist dem Tod geweiht. Da ihm die bestehende Rechtssprechung nicht genügt, nutzt Light seine neue Kraft und "kärchert" die Gesetzesbrecher... sowie alle, die sich ihm in den Weg stellen.
Kinofilm-Rating
Das Manga Death Note ist mit allein in Japan rund 20 Millionen verkauften Kopien zu einem wahren Volksphänomen geworden - mittlerweise gibt es die süchtig machende Geschichte um das Massenmordinstrument zwischen zwei Buchdeckeln auch im deutschen, englischen und französischen Sprachraum. Neben dem obligaten Anime (mit 37 Folgen), zwei Strategiespielen, einem Roman und zahllosen Merchandising-Artikeln hat die Franchise nun auch zwei Realfilme abgeworfen, von denen dieser hier der erste ist. Wer sich ins Manga eingelesen hat, weiss bereits: der Plot ist ein Hammer. Die Geschichte rund um den Studenten Light Yagami, der von einem Todesgott ein Schulheft mit Telezidfunktion zugespielt bekommt und daraufhin massenhaft Verbrecher ins Grab schickt, und um den ebenfalls sehr jungen 'L', der dem Urheber dieser offensichtlich vernetzten Todesfälle auf die Schliche kommen will, ist schon von der Ausgangslage her extrem spannend.
Zuerst einmal ist Light kein klassischer Bösewicht - er geht zwar allen Ernstes davon aus, durch das Ausradieren sämtlicher Straftäter könne er die Welt verbessern, ist sonst aber ein blitzgescheiter und gar nicht unsympathischer Kerl. Zweitens hat das Death Note als Handlungsmotor einen faszinierenden Effekt - in einer Welt, in der mit Bleistift und Papier gemordet werden kann, lebt es sich logischerweise sehr viel gefährlicher. Und jeder verdächtigt jeden.
Hinzu kommen die unzähligen Regeln, die mit dem Death Note verbunden sind - seien dies Zeitvorgaben beim Eintragen der gewünschten Todesursache, Rechte und Pflichten, die auf den jeweiligen Inhaber des Death Note übergehen oder Bestimmungen, die den Totengott betreffen, der das Death Note ursprünglich in die Welt brachte. Ausserem sind mehrere Death Notes im Umlauf und Besitzerwechsel nicht ausgeschlossen.
Allein dieses originelle Konzept könnte für den Erfolg der Death Note-Reihe verantwortlich sein - hinzu kommt aber auch noch, dass die Autoren ihre Geschichte mit mathematischer Präzision erzählen, bzw. die zwei Hauptfiguren Light und 'L' mit einer enormen Dosis Kalkül handeln lassen. Je nach Ausgangslage misstrauen sich die beiden, bekämpfen sich oder arbeiten zusammen. 'L' wägt jeweils ab, welche Strategie die beste ist und klärt Light auch offen darüber auf, wie hoch er die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass er für die unzähligenTodesfälle verantwortlich sei.
Leider ist dieser erste Spielfilm ganz und gar nicht auf der Höhe seiner brillanten Vorlage - anscheinend haben sich die Produzenten einfach darauf verlassen, dass die Geschichte auch mit verhältnismässig kargen Produktionswerten funktioniert. Regie, Kamera und Schnitt übersteigen nur phasenweise das Niveau einer Sitcom, und auch die Schauspieler wirken ungelenk, als seien sie jeweils nicht auf dem Laufenden darüber, worum es in einer jeweiligen Szene geht und welches der derzeitige
Informationsstand ihrer Figur ist. Die Effekte sind in Ordnung (der Totengott ist eine animierte Figur), aber nie spektakulär. Absoluter Tiefpunkt ist schliesslich der Soundtrack - er ist quasi inexistent und wurde ersetzt durch ein Stück der Red Hot Chili Peppers.
Fazit: Death Note das Manga und Death Note das Anime sind der Realverfilmung entschieden vorzuziehen - diese Version taugt eher als Einstiegsdroge, oder als Ergänzung für Komplettisten, die alles im Zusammenhang mit Death Note gesehen haben müssen.
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