The Da Vinci Code (2006)

The Da Vinci Code - Sakrileg

The Da Vinci Code (2006) The Da Vinci Code - Sakrileg

The Da Vinci Code

In den vergangenen Monaten war es um Hans Zimmer vergleichsweise eher ruhig geworden. Er fungierte vor allem als Produzent bei etlichen Projekten (u.a. Steve Jablonskys The Island). Kompositorisch hat er sich nach seinem King Arthur-Effort auf kleinere und komödiantischere Projekte konzentriert (mit Ausnahme von Batman Begins, mit welchem er jedoch nicht den erwarteten Erfolg verbuchen konnte): u.a. vertonte er die Animationsstreifen Madagascar und Der kleine Eisbär 2 (zusammen mit Nick Glennie-Smith), die TV-Serie The Contender, die Gesellschaftssatire The Weather Man von Gore Verbinsky (kam jedoch vielerorts weder ins Kino, noch wurde der Score auf Album veröffentlicht) und auch The Ring 2 (Film und Score) schlug keine hohen Wellen. Anders jedoch sieht es für 2006 aus! Mit The DaVinci Code und Pirates of the Carribean 2: Dead Man's Chest hat er gleich zwei der grossen Blockbuster-Favoriten für den Kinosommer inne und mit vorliegendem Score eröffnet er eine sehr viel versprechende Filmmusiksaison äusserst beeindruckend!

Gleich vorneweg! The DaVinci Code ist nicht der Zimmer, den wir aus Actionscores wie King Arthur (2004) oder The Rock-Verschnitten kennen. Auch fehlen in diesem Score Popelemente, welche Gladiator (2000) oder Pearl Harbor (2001) bekannt und beim breiten Publikum beliebt machten, gänzlich. Mit diesem Score begibt sich Hans Zimmer auf musikalische Pfade zurück, welche er schon mit Ridley Scotts Hannibal (2001) beschritt.

Zur Thematik des Films passend und daher eher unüberraschend setzt sich der Score zusammen aus zutiefst klassischen Elementen: zahlreiche mal schnellere, mal langsamere, mal dissonante, mal schwelgerischere Streicherkompositionen; viel bedrohende Basspassagen und, Hauptakteur in diesem Score, beeindruckenden Kompositionen für Chor und Sologesang von Hila Plitmann. Das thematische Material erschliesst sich einem nicht nach einmaligem Hören des Albums. Ist man mit dem Score jedoch ein wenig vertraut(er), fallen einem schon gewisse Themen ins Auge: Im ersten Stück, "Dies Mercurii I Martius", stellt er gleich zwei vor. Ein, von Streichern gespieltes, nobles Motiv (ab 2:38-4:06), welches er im wunderschönen und erhebenden "CheValiers de Sangreal" zur vollorchestralen Blüte ausbaut. Das Motiv erinnert an seine Arbeit für Batman Begins mit den vorantreibenden, immer lauter werdenden Streichern. Am Ende des ersten Stücks präsentiert er ein traurig anmutendes Motiv, das vor allem in der Mitte des Albums, "Poisoned Chalice", "The Citrin Cross" und "Rose of Arimathea", wiederholt auftritt.

Die Action und Spannung untermalt er mit dissonant anschwellenden Streichern und fragmentalischen Choreinsätzen (hat manchmal fast schreienden Effekt). In "Fructus Gravis" führt er eine weitere musikalische Idee ein: moderne, sehr dissonante Streicher (ab 1:40), welche er im "Beneath Alrischa" (etwas gewöhnungsbedürftig) ausbaut und am Ende des Stücks schwillt diese musikalische Idee an und entpuppt sich zu einem sehr aggressiv gespielten, abrupt abreissenden Intermezzo. Das Wideraufgreifen dieser Passage in einem weiteren Stück hätte ich mir gewünscht, da es den, ansonsten sehr ruhig dahinfliessenden, Score etwas aufgemischt und belebt hätte. Das sehr emotionale "Poisoned Chalice" und "Kyrie for The Magdalene" sind eindeutige Highlights des Albums und zeigen die beeindruckenden Chorarbeiten. Wie schon im Score zu Hannibal, "Vide Cor Meum" (komponiert von Patrick Cassidy), so lässt auch "Kyrie for The Magdalene" (komponiert von Richard Harvey) den Score opernhaft und sehr nobel ausklingen. Das Stück "Salvete Virgines" präsentiert etwas ‚speziellen' Chorgesang und ist für das Album definitiv eine Bereicherung, auch wenn es im Film scheinbar keine Verwendung fand.

Fazit: Mit The DaVinci Code präsentiert uns Hans Zimmer ein in sich sehr stimmiges, dunkles und emotionales Werk, das neben älteren beeindruckenden Werken wie The Last Samurai (2003) oder The Thin Red Line (1999) durchaus standhalten kann. In diesem Fall wäre jedoch ein etwa 20 Minuten kürzeres Album wahrscheinlich besser gewesen, da die interessanten Passagen immer wieder von zimmertypischem dumpf-verschwommen aufgenommenem Underscore durchzogen und dadurch etwas verwässert werden. Alles in allem ist The DaVinci Code aber eine wirklich interessante Arbeit, deren wahre Qualität sich jedoch erst nach mehrmaligem Hören "offenbart"!

55
07.05.2006 / bab

Sountrack-Infos

Komponisten
Hans Zimmer

Release
Label: Decca (Universal)
EAN: 0602498540411

Tracks

Dies Mercurii I Martius

L'Espirt des Gabriel

The Paschal Spiral

Fructus Gravis

Ad Arcana

Malleus Maleficarum

Salvete Virgines

Daniel's 9th Cipher

Poisoned Chalice

10 

The Citrine Cross

11 

Rose of Arimathea

12 

Beneath Alrischa

13 

CheValiers De Sangreal

14 

Kyrie for the Magdalene