Cold Prey - Fritt vilt (2006)

Cold Prey - Fritt vilt (2006)

Oder: Oh weh, oh weh im Pulverschnee

Cold Prey - Fritt vilt

Wenigsten schnallen sie die Boards

Wussten wir's doch: ausserhalb der Skipiste ist es gefährlich. Fünf junge Schneebegeisterte, die das Herumkurven um Dilettanten auf den formatierten Pisten satt haben, machen sich auf die Suche nach unberührtem Pulverschnee. Dabei bricht sich ein glückloses Mitglied der Gruppe ein Bein, und für die Nacht muss Unterschlupf gefunden werden. Ein (anscheinend) verlassenes Hotel in der Wildnis bietet sich an. Zu ihrem Leidwesen stellt die Grupppe aber fest, dass hier durchaus noch jemand residiert, dass dieser jemand unangemeldete Gäste nicht schätzt, und dass er sein Beil nicht nur zum Holzhacken braucht.


Kinofilm-Rating

Es ist eine Art Tradition geworden - alle Jahre verliert sich im Internationalen Wettbewerb des Neuchâtel International Fantastic Film Festival irgendein nordischer Slasher, der zwar auf einen Preis genauso wenig Aussichten hat wie auf eine Verwertung in den Schweizer Kinos, der aber immerhin denjenigen Leuten Spass machen sollte, die das formelhafte Abschlachten von jungen, hübschen Menschen den intellektuelleren Übungen des Festivals vorziehen. Der norwegische Knülchfilm Cold Prey schickt also fünf Snowboarder in ein abgelegenes Hotel in den Bergen und lässt sie dort grauenhafte Tode durch die Hand eines geistesgestörten Killers sterben. Mehr passiert nicht - mehr stand auch gar nicht auf der Verpackung.

Aber selbstverständlich darf auch ein Slasher-Publikum gewisse Ansprüche an seine Futtertröge stellen, und Cold Prey wird diesen Ansprüchen nur bedingt gerecht. Da ist zuerst einmal der Wunsch der Fans, die gezeigten Morde würden möglichst originell oder möglichst brutal ausfallen. Das tun sie hier nicht, die gezeigten Bilder entsprechen in Sachen Gore und Schreckmacherei dem geeichten Format des Genres, und die Originalität lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Hackebeil. Ein zweiter Anspruch wäre, dass rund um die Identität des Killers ein Ratespiel veranstaltet wird, oder zumindest in einem Twist kurz vor Schluss eine Überraschung geboten wird: Fehlanzeige. Die Geschichte des Killers wird bereits im Vorspann erzählt, sie ist lediglich ein schwacher Vorwand, um einen finsteren Gesellen auf die fünf Boarder loszulassen. Anspruch Nummer drei: Wenn schon die mordende Figur keinen Anlass zum Raten gibt, so möchte man zumindest ein wenig werweisseln können, wer ihr denn als nächstes unter die Axt läuft. Aber auch hier ist nicht viel los - die Todesfälle folgen dem Schema, und da es nur fünf Opfer sind, kann man sie an einer Hand abzählen.

Langsam wird's eng mit den Ansprüchen - gibt's denn wenigstens die traditionell heisse Bettszene, bevor der Schlachthof seine Tore aufmacht? Nein, die gibt es nicht. Auch hier muss ein halbgarer Ansatz genügen, denn die betreffende junge Dame fühlt sich noch nicht bereit für den jungen Herrn. Oder wie an späterer Stelle im Film gesagt wird: Frauen wollen halt oft nicht gleich in der ersten Nacht. Die Vermittlung dieser Einsicht sei verdankt. Überhaupt - die herzig-doofen Dialoge, welche die Kids vor ihrem Dahinscheiden untereinander austauschen, gehören zu den charmanteren Dingen in diesem Film - zumal sie von - sehr guten - Darstellern gesprochen werden, die bei allen jugendlichen Attributen nicht so aussehen, wie wenn sie erst gerade der Pubertät entwachsen wären.

Zusammenfassend ist das aber alles weder Fisch noch Fleisch: Die Macher von Cold Prey waren offensichtlich nicht bereit, die Regler am Slasherpult hochzufahren und die Wirksamkeit der Genrezutaten auf ein Maximum zu drehen, machten sich aber genausowenig die Mühe, in eine andere filmische Richtung vorzustossen als in diejenige, die das Filmformat in seiner ganzen Formelhaftigkeit nahelegt. Man wird sehr schnell vom Eindruck beschlichen, ein Filmschulabgänger namens Roar Uphaug inszeniere hier mit sehr wenig Geld einen Leistungsausweis in einem Populärgenre, um zukünftig grössere Summen für bedeutendere Projekte zu erhalten. Ganz so aus der Luft gegriffen ist diese Vermutung nicht: der Schwede Anders Banke etwa wurde nach seinem Achtungserfolg mit dem Vampirfilm Frostbiten (am NIFFF 2006) auf ein Remake von Breaking News (Johnny To) angesetzt. Und die beiden Franzosen Xavier Palud und David Moreau wurden nach ihrem Kammerhorrorspiel Ils (ebenfalls am NIFFF 06) für das amerikanische Remake von The Eye mit Jessica Alba verpflichtet. In diesem Zusammenhang sieht Cold Prey wie ein Bewerbungsschreiben aus - es fragt sich bloss, wofür.

3.9 Sterne
3.9 Sterne (14 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.0 Sterne4 von 0.0-6.0
04.07.2007 / NIFFF (Inhalt), juz (Rating)