Children of Men (2006)
Children of Men (2006)
Mit Children of Men stand uns 2006 nicht nur einer der interessantesten, dunkelsten und verstörendsten Zukunftsfilme ins Haus, sondern das Label Varèse Sarabande hat mit dem vorliegenden Album auch eines der ungewöhnlichsten Alben 2006 veröffentlicht. Wie auch bei anderen Filmen wurde für Children of Men ein Soundtrack-Album und ein Score-Album produziert. Das Soundtrack-Album setzt sich aus eher fragwürdigen Titeln zusammen, welche die sehr düstere und apokalyptische Stimmung des Films nicht im Geringsten einfangen können. Umso erfreulicher ist es, dass es die sehr stimmige und zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her gerissene Komposition von John Tavener zu einem CD-Release geschafft hat. Wer sich auf diese musikalische Reise einlässt, dürfte nicht enttäuscht werden, aber definitiv gefordert!
John Tavener ist nicht primär Filmmusikkomponist. Er komponiert hauptsächlich eigenständige Konzertwerke, von denen auch auf dieser CD einige enthalten sind. Seinen ersten Ausflug in die Filmmusikwelt mache er 2001 zu Werner Herzogs Film Pilgrimage. Spezifisch für den Film Children of Men komponierte er nur "Fragements of a Prayer". Die restlichen Stücke sind als eigenständige Kompositionen gedacht, welche im Film stellenweise Verwendung fanden.
Die ersten zwei Stücke treffen die Stimmung des Films perfekt. Hauptattraktion ist der Sologesang, welcher sehr effektiv eingesetzt wird und verletzlich wirkt. Das erste Stück wird wie ein verzweifeltes Gebet vorgetragen, durch welches jedoch immer mal wieder Hoffnung dringt. Die Stücke verlaufen durchgehend ruhig. Damit langweilen sie den Hörer jedoch nicht, sondern können diesen in einen sehr somnambulen Zustand lullen. Wenn dann die Bilder des Films noch im Kopf präsent sind, wird die Wirkung zusätzlich um einiges verstärkt.
Mit den Stücken 3, 4 und 5 hören wir Kompositionen von klassischen Meistern wie Händel und Mahler, aber auch vom russischen Komponisten Penderecki. Das sonst schon sehr modern-klassisch daherkommende Album wird den Hörer mit der 5. Nummer definitiv fordern (und einige auch überfordern). Die 9-minütige Komposition, gewidmet den Hiroshima-Opfern, besteht aus lauter Dissonanzen. Die so suggerierten Tonflächen und Klangtrauben sind äusserst anspruchsvoll und sehr modern in der Kompositionsweise. Sicherlich nicht jedermanns Sache!
Die vier letzten Stücke stammen wieder von Tavener und warten mit dem aus den ersten beiden Stücken bekannten Gesang auf (aber auch Chorpassagen sind zu hören ("Mother and Child")). Die Grundstimmung bleibt ruhig und verhalten, jedoch sehr lyrisch ("Song of the Angel").
Fazit: Mit dem vorliegenden Album wird uns keine Filmmusik im klassischen Sinne präsentiert (wenn man das überhaupt so sagen kann). Wer das zum Standard gewordene grosse Orchester mit unterlegten Drum-Loops à la Media Ventures sucht, wird hier sicher nicht fündig. Wer jedoch offen ist für schwierige, moderne und sehr melancholische Klassik mit viel weiblichem Solo-Gesang, für den ist dieses Album sehr interessant. Abseits von den gewohnten Soundtrack-Pfaden präsentiert es uns Musik, welche die Bilder und Story des Films sehr passend und bedrückend untermalt. Schwierig während dem ersten Hördurchgang, zeigen die Melodien besonders bei mehrmaligem Hören ihre faszinierende Seite. Sehr interessant!
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