Charlotte's Web (2006)
Schweinchen Wilbur und seine Freunde
Charlotte's Web (2006) Schweinchen Wilbur und seine Freunde
Oder: Babe, bist du's?
Alles Neue bringt der Mai. Oder wenigstens der Frühling, denn auf dem Bauernhof der Familie Arable gibts neugeborene Schweinchen. Und als Papa eines Abends der Meute beim Zitzensaugen zusieht, sticht ein kleines Ferkel aus der Menge heraus. Das kleine rosa Ding findet keinen Platz zum stillen und würde wohl oder übel verhungern. Die Axt des Farmers ist parat und das Schweinchen auf dem Arm. Doch Töchterchen Fern (Dakota Fanning) will das nicht zulassen. Sie will das Ferkel, das sie Wilbur (Stimme von Dominic Scott Kay) tauft, eigenhändig mit der Flasche grossziehen.
Auf der eigenen Farm kann das Schwein aber nicht bleiben und wird deshalb zum benachbarten Hof der Zuckermanns gebracht, wo es in der Scheune, zwischen Pferd, Schaf und Gans, seinen Platz findet. Als die Menschen sich entfernt haben, beginnen die Tiere dann auch, sich kennen zu lernen. Das Oberschaf (Stimme von John Cleese), das Pferd Ike (Stimme von Robert Redford) oder die beiden Kühe (von Kathy Bates und Reba McEntire im breitesten Wild West Akzent gesprochen) sehen in dem kleinen Wilbur nur eins. Nämlich Nahrung für den Farmer und seine Familie. Denn immerhin ist das Haus zum Räuchern des Fleisches nur ein paar Schritte ausserhalb des Stalls.
Eines Nachts lernt Wilbur eine komische Gestalt kennen, die so anders, so freundlich daherkommt. Charlotte (Stimme: Julia Roberts) ist eine Spinne und nimmt sich dem Schwein an. Sie will verhindern, dass Wilbur auf dem Teller landet und verspricht ihm dazu, dass er, anders als die anderen "Spring-Pigs", die Schneeflocken sehen kann. Um dem Ferkel einen besseren Stand zu verleihen, fängt die Spinne an, Wörter in ihr Netz zu weben, welche die ganze Nachbarschaft auf den Hof lockt.
Doch die Menschen vergessen schnell und Charlotte muss sich etwas Besonderes einfallen lassen und greift dabei auf die Hilfe von Ratte Templeton (Stimme von Steve Buscemi) zurück, der aber eigentlich am liebsten nur für sich selber guckt. Ob das wohl gut geht?
Kinofilm-Rating
Um es vorne weg zu nehmen: Wer damals Babe geliebt hat, wird auch von Charlottes Web begeistert sein. Wenn die Farmtiere anfangen zu quatschen, vielfach lustige Sprüche von sich geben und man die (Original-)Stimmen dahinter erkennt, dann ist das definitiv zum schmunzeln und vereinzelt auch zum laut rauslachen. Leider wird der Film wahrscheinlich nur in der deutschen Synchronisation gezeigt, was dem ganzen Stimmspass wohl die Faszination raubt. Denn Julia Roberts als Spinne oder Steve Buscemi als gefrässige Ratte sind hervorragend gecastet worden.
Natürlich basiert Charlottes Web auf einem Kinderbuch und spricht damit auch solche als Zielpublikum an. Eine ungewöhnliche Freundschaft zweier vermeintlicher Aussenseiter bestimmt die Geschichte, in der Menschen (allen voran die zuckersüsse Dakota Fanning) mehr und mehr zur Nebensache werden. Das Schweinchen und die Spinne tun ihr Bestes, um das Publikum zu verzaubern und das gelingt ihnen auch recht gut. Zudem sind die anderen, sprechenden Tiere wirklich lustig. Allen voran natürlich die Ratte und die beiden Krähen, die von Thomas Hayden Church ("I need that Corn, Man!") und "Outkast"-Sänger Andre Benjamin ("The Creepy Guy is still here!") gelungen synchronisiert werden.
Neben all dem Tierspass, den Spinnen im Grossformat und den Beleidigungen, die sich die Schafe vom Pferd ("All you do is grow your Hair") anhören müssen, gehts natürlich nicht ohne erhobenen Zeigefinger. Einerseits kann man mit viel Fantasie und Geschick sein eigentlich vorbestimmtes Leben selber umkrempeln, andererseits ist nichts so wichtig wie Freunde und Familie. Halt die übliche Hollywood-Moral in Kinderfilmen.
Fazit: Charlottes Web ist eine schöne, niedliche, aber auch kitschige Mischung zwischen Racing Stripes, Babe und Dreamer. Ausserdem hat der Film mit Dakota Fanning ein herziges Mädchen zu bieten, das eh grad allen voll ins Herz geht. Schön auch der Kurzauftritt von Beau Bridges. Im Original also schön und unterhaltsam, in der Synchro wahrscheinlich nervend bis der (Tier-)Arzt kommt.
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