Cashback (2006)
Cashback (2006)
Oder: nett, krieg ich jetzt mein Geld zurück...
Ben Willis (Sean Biggerstaff) erlebt eine schlimme Zeit: Er hat sich soeben nach einer zweijährigen Beziehung von seiner Freundin Suzy (Michelle Ryan) getrennt und kommt einfach nicht über ihren Verlust hinweg. Zuviel erinnert ihn an seine verflossene Liebe. Plötzlich verliert er auch die Fähigkeit einzuschlafen - als ob er immun gegen Schlaf geworden wäre, liegt er Nacht für Nacht wach. Doch was macht man, wenn das Leben plötzlich um einen Drittel verlängert wird und man gezwungen ist, jede Sekunde eines langen Tages zu erleben und dabei jede Sekunde am Trauern ist?
Ben beschliesst deshalb, die zusätzlichen acht Stunden zu nutzen und bewirbt sich für eine Arbeitsstelle in der Nachtsschicht des lokalen Supermarktes. So kann er sich ablenken und diese Stunden für seine künstlerische Arbeit nutzen. Er hat nämlich die Fähigkeit erlernt, die Zeit anzuhalten und sich dann ungestört in dieser eingefrorenen Welt zu bewegen. So kann er von den erstarrten Besuchern des Supermarktes Zeichnungen erstellen und seine künstlerische Ader ausleben. Doch all dies hilft ihm nicht über seine Trauer hinweg, bis er eine der Kassiererinnen näher kennen lernt und stark von ihr angetan ist...
DVD-Rating
Liebe beschäftigt die Filmwelt seit es bewegte Bilder gibt. Romanzen, Beziehungen und deren Entstehung wurden genau so viele Male verarbeitet, wie sie auch enden. Cashback beginnt dort, wo die meisten aufhören, nämlich wenn eine Beziehung in die Brüche geht und was das für einen Einfluss auf einen Teenager haben kann. Der von zwanzig auf neunzig Minuten erweiterte Film geht dabei äusserst ungewöhnlich vor und liefert eine eher träge und gewöhnungsbedürftige Studie rund um die Frage "Was ist eigentlich die Liebe" ab.
Cashback ist ein Film der leisen Töne und bemüht sich gar nicht erst, eine Spannung aufzubauen sondern beschäftigt sich primär mit Ben Willis, seinen Gefühlen, seinem Verlust und seinen Gedanken. Ruhige Bilder und tiefgehende Monologe lassen die Trauer, in der Ben steckt, gut zur Geltung kommen, und dank der Rückblenden in seine Vergangenheit wird der sonst eher langweilige Ben durchaus sympathisch. Da viele von seinen Erfahrungen aus dem realen Leben gegriffen und nicht wie in den amerikanischen Teeniestreifen völlig überzeichnet sind, findet man guten Zugang zu Cashback und kann oft über Bens Erlebnisse schmunzeln. Besonders seine Fähigkeit, die Zeit einzufrieren, hinterlässt einen bleibenden Eindruck und wie er diese gefrorene Welt benutzt um das Still-Leben rund um ihn zu analysieren und zu zeichnen. "Der Künstler hat die Fähigkeit, in allem etwas Schönes zu sehen.", ist einer der philosophischen Ansätze, die kommuniziert werden und zum Mitdenken anregen.
Dennoch, so ungekünstelt einige Dialoge auch sind, so amüsant und unverkrampft einige Szenen daherkommen, Cashback hat doch seine Ecken und Kanten. Zum einen braucht Cashback zu lange, bis er endlich in Bewegung kommt. Viel zu lange dreht er sich in der lähmenden Liturgie der Trennung. Dazu kommt noch, dass, obwohl Cashback über längere Zeit inhaltlich absolut überzeugen kann, zuviel Screentime an die peinlichen Arbeitskollegen und Freunde vergeudet, welche mit ihrem saublöden Getue einfach nicht in den Film passen. Es beisst sich offensichtlich, wenn zum einen philosophische Studien über ein Thema gebracht und dann plötzlich Szenen auf American Pie-Niveau hineingeflochten werden. Besonders hier drängt sich der Eindruck auf, als ob Füllmaterial in einen sonst guten Film geschnitten worden wäre, um überhaupt die Spielzeit eines Kinofilmes zu erlangen. Der sonstige Handlungsverlauf bleibt mehrheitlich überraschungslos. Obwohl das Ende durchaus positiv ausfällt, kann man dies schon in der Hälfte der Spielzeit erwarten.
Fazit: Cashback ist ein unausbalancierter Film, der Philosophieszenen mit klassischen Teeniekomödien-Elementen kreuzt. Während die einen zwar qualitativ überzeugen und mit den ausgefeilten Dialogen auch zum Mitdenken anregen, wirken die anderen völlig überrissen und deplatziert. Dennoch hat Cashback seine Qualitäten und kann mit gut ausgearbeiteten Figuren und passenden Schauspielern überzeugen, was es sehr erleichtert, der sonst zuglosen und orientierungslosen Handlung zu folgen. Unter dem Strich funktioniert Cashback wohl einiges besser in der mit Preisen ausgezeichneten Kurzfilm-Version, welche sich nur auf die eigentliche Botschaft konzentrieren konnte und sich nicht mit überflüssigen Szenen und Figuren zupflastert wie jetzt in der langen Kinoversion.
Die DVD bietet den Film in einer überblendeten aber ansonsten guten Qualität. Das Bonusmaterial setzt sich aus mehreren Trailer, ein paar überflüssigen entfallenen Szenen, einem Audiokommentar und einem Making Of zusammen. Von alldem ist eigentlich nur das Making Of interessant, welches sehr informativ die Entwicklung vom Kurzfilm zum Kinofilm dokumentiert.
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4.3 Sterne (18 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 10.03.2008
- Bildformat: Widescreen 2.35:1 Anamorph
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Making of..., Audiokommentar mit Sean Ellis und Sean Biggerstaff, Deleted Scenes, Deutscher Trailer, Englischer Trailer



