Breaking and Entering (2006)
Einbruch & Diebstahl
Breaking and Entering (2006) Einbruch & Diebstahl
Oder: Von einem, der auszog, das Leben zu lernen
London, dessen geografische und kulturelle Landschaft sich in einem steten Wandel befindet: Will (Jude Law) und Sandy (Martin Freeman), beides erfolgreiche Landschafts-Architekten, die ein junges, aufstrebendes Büro führen, sind vor kurzem nach King's Cross umgezogen. Dorthin, wo die wohl ambitionierteste Veränderung eines Stadtteils in Europa im Gange befindet.
Kaum eingerichtet und eröffnet, zieht ihr modernes Architekturbüro das Interesse einer lokalen Diebesgruppe auf sich. Nach einem der Einbrüche folgt Will dem 15jährigen Freerunner Miro (Rafi Gavron) bis zu seinem Zuhause - einem einfachen Apartment, in welchem er mit seiner bosnischen Mutter Amira (Juliette Binoche) lebt.
Da sich Wills Beziehung zu seiner bezaubernden, aber emotional abgekämpften Partnerin, der Schwedin Liv (Robin Wright Penn), bereits in einer Krise befindet, lässt er sich schliesslich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Amira ein. Dabei beschreitet Will eine wildere, andere Seite seines Lebens und von King's Cross. Eines wird ihm bald klar: jeder tut das Nötigste, um sich und seine Liebsten zu schützen. So auch Amira, die alles dafür tut, um ihren Sohn vor dem Jugendgefängnis zu retten. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, Will mit der Veröffentlichung der Affäre zu ihr zu erpressen, damit er Miro wegen seiner Einbrüche nicht anzeigt.
Ob sich Will mit diesem "Deal" überzeugen lassen wird...?
Kinofilm-Rating
An Jude Laws Lippen hängend und mit der Erinnerung an seine Performance in The Holiday bin ich mir ziemlich sicher, dass Herr Law - ähnlich wie Jamie Oliver - ein klitzekleine wenig lispelt. Dort, wo die Unterlippe englischen Tönen ihre Sanftheit verpasst. Charmant! Und so frage ich mich, ob es der "lisp" ist, den die Frauenherzen höher schlagen lässt, wenn sie den nicht ganz treuen Engländer auf Leindwand anhimmeln. Wie dem auch sei...
... und unabhängig von den äusseren Eindrücken, die Jude Law hinterlässt, gibt's nichts an seinem Darstellungsvermögen zu bemängeln. Er mimt den verklärt verständnisvollen, geduldigen Partner mit solider Professionalität und verpasst damit einem auf Drehbuchpapier beschriebenen Philantrop (s)ein Leben. Da verbirgt sich dennoch ein kleines Manko. Irgendwann, nach vielen Szenen, die geradezu nach einem emotionalen Wutausbruch schreien, wird einem beinahe "gschmuch" ob derart viel Will'scher Zurückhaltung und Selbstbeherrschung. Günstiger Nebeneffekt ist hingegen, dass man selber ruhig(er) und gelassener wird. Warum sich aufregen, wenn er's schon nicht tut?
Flankiert wird der begehrte Schönling Jude Law von einer durchdacht besetzten Charakterliste: die überzeugende Robin Wright Penn als apathisch wirkende, amerikanisch-stämmige Schwedin Liv, die entschlossene Juliette Binoche als Bosnierin, die mit ihrem Sohn nach England flüchten musste und der Newbie Rafi Gavron, der die athletischen Freerunner Stunts im Grunde auch selber hätte durchführen können. Damit ist das schauspielerische Grundgerüst gut ausbalanciert.
Es bleibt die Story: King's Cross, Fortschritt, die gut und besser Situierten, die Armen, die Ghettoisierung, die Kriminalität. Sie wirkt oftmals zähflüssig und kommt beinah nicht vom Fleck. Ein paar wenige Highlights sind vorhanden. Zum Beispiel die Prostituierte Oana (Vera Farmiga), die Menschenkennerin, welche ihren Weg - mit gutem Herzen - geht. Weiter beeindrucken die Freerunner Stunts, mit welchen die Jünglinge durch King's Cross hüpfen. Letztlich aber ist die Fassade der Geschichte, der Charaktere und des ganzen Settings eben bloss eine solche. Was sich dahinter befindet, muss der Zuschauer selber erahnen oder sich erdenken, also durchaus ein Stückchen eigene gedankliche Arbeit leisten. Wen dies nicht abschreckt, dem wird Breaking and Entering höchstwahrscheinlich gut gefallen.
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