Blindsight (2006)

Blindsight (2006)

Oder: Die Bergwahn-derung

Blindsight

Das Ziel

Erik Weihenmayer war der erste Mensch mit Sehbehinderung, der das Dach der Welt bestiegen hat. Eine reife Leistung, welche auch die blinde Tibetologin Sabriye Tenberken beeindruckte. Als sie ihren Schülern in einer Blindenschule in Lhasa von dem tollkühnen Extremsportler erzählt, sind diese Feuer und Flamme fürs Bergsteigen. So wird ein Workshop mit Weihenmayer organisiert, bei dem die Kids auch mal einen Karabinerhaken fühlen dürfen.

Blindsight

Ich seh etwas, was du nicht siehst.

Aus Spass wird Ernst und zwecks Empowerment der in Tibet stigmatisierten blinden Kinder, wird der Entschluss gefasst, den 7045 Meter hohen Lhakpa Ri, einen Nebengipfel des Mount Everest, zu besteigen. Weihenmayer organisiert ein Team aus erfahrenen Bergführercracks und Tenberken versammelt ihre strebsamsten Schüler. Mit Glöckchen an Stöckchen macht sich die kurlige Truppe auf den Weg zum ersten Basislager. Werden sie auch ohne Aussicht auf die schöne Aussicht Freude am Wandern haben?


Kinofilm-Rating

Darf man Presseberichten glauben, herrscht rund um den Gipfel des Mount Everest ein Gedränge wie an den Stränden Mallorcas zur Hochsaison. Unter die zahlreichen Bergsteiger auf der Suche nach dem letzten Kick mischen sich auch immer mehr Menschen mit Gebrechen, welche ein besonderes Medieninteresse generieren. So gab es zum Beispiel den doppelt Beinamputierten Mark Inglis, dessen Aufstieg in der sechs Folgen umfassenden Discovery-Doku "Everest - Beyond the Limit" Thema war. Auch Erik Weihenmayer, der Blinde unter den Bergsteigern, schaffte es zur Berühmtheit. Titelblätter auf dem Time Magazine und People zeugen davon.

Im Zentrum von Blindsight stehen Sonam Bhumtso, Gyenshen, Dachung, Kyila, Tenzin und Tashi. Sechs Teenager, die auch blind sind, aber zusätzlich noch der dauertrendy Randgruppe "Tibeter" angehören. Gutmensch Sabriye Tenberken will sie auf die Spitze treiben. Statt Ehrfurcht vor der Kraxel-Leistung widmet man sich aber Fragen: Ab wann wird aus Stursinn Unverantwortlichkeit und wer bezahlt eigentlich solche Expeditionen? Der Film will das Selbstbewusstsein der Blinden stärken. Wer ohne Augenlicht auf schmalen Graten wandert, hat durchaus Achtung verdient. Trotz augenscheinlicher Erfolge, bleibt aber ein mulmiges Gefühl. Das der Geschäftemacherei auf Kosten blinder Tibeterkinder. Die Talkshowtours der "Braille Without Border"-Chefin Tenberken in den USA und Europa sind ein Zeichen dafür.

Deshalb wird aus der eigentlich gut gemeinten Sache ein Empowermentfilm der schlimmsten Sorte. Auf einer Bergwanderung in weniger hohe Gefilde hätte man dasselbe erreichen können. Die imposanten Filmbilder aus der Bergwelt gleichen denen ähnlich verorteter Werke und die dazwischen eingeschobenen Beiträge zum Schicksals der jugendlichen Expeditionsmitglieder haben die Qualität einer kommunen "Helfer mit Herz"-Telereality-Show.

2.0 Sterne
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30.01.2008 / rm