Basic Instinct 2 (2006)

Basic Instinct 2 (2006)

Oder: No Sex, please. We're british!

Basic Instinct 2

Schach matt!

Die Buchautorin Catherine Tramell (Sharon Stone) ist zwar nach London gezogen, hat aber immer noch riesige Portraits auf der Rückseite ihrer Romane. Nur offen bisexuell ist sie nicht mehr. Sie vergnügt sich jetzt mit einem Profifussballer (Stan Collymore). Natürlich nicht als anhängliche Spielerfrau auf den Logenplätzen im Stadion, sondern am Lenkrad eines Sportflitzers, den sie steuert. Der Tschütteler sitzt benebelt neben ihr und begeht ein unbeabsichtigtes Handspiel im Schamraum. Zum Strafstoss kommt es nicht, weil das Auto in die Themse bumst. Dafür gibt's eine Strafuntersuchung, denn der Sportstar hat den Unfall im Gegensatz zu Catherine nicht überlebt.

Basic Instinct 2

The real hot Grosi

Dabei stellt der Psychiater Michael Glass (David Morrissey) bei der des Mordes verdächtigten Catherine eine Risikosucht ("Risk Addiction") fest. Deshalb ist sie zwar keine Gefahr für die Mitmenschen, für sich selber aber sehr wohl. Denn wie die meisten Süchtigen will auch sie immer grössere Risiken eingehen und könnte so im schlimmsten Fall den eigenen Tod verursachen. Ihre Verwahrung wird aber im letzten Moment verhindert, was auch den Londoner Kommissar (David Thewlis) ziemlich wurmt, der Tramell schon lange auf dem Kieker hat.

Statt eine Haftstrafe abzusitzen, legt sich Catherine Tramell nun bei Glass auf die Couch, um sich "kurieren" zu lassen. Das Verhältnis vom Arzt und Patientin wird aber bald im höchsten Masse unprofessionell und der Psychoanalytiker bleibt auch dann noch ziemlich spitz auf Catherine Tramell, als weitere Leichen auftauchen...


Kinofilm-Rating

Vierzehn Jahre ist es nun auch schon wieder her, seit dem blutigsten Coitus Interruptus aller Zeiten. Paul Verhoevens Erotik-Thriller Basic Instinct machte Sharon Stone zum Star und sie avancierte trotz Pickel zur erotischsten Massenvernichtungswaffe der 90er Jahre. Gerade als Teenager im zarten Alter von vierzehn Jahren konnte man sich der Faszination des Films nicht entziehen. Freie Sicht auf die Genitalien und Bart Simpson als Schlüsselanhänger waren in jener Zeit in etwa gleich interessant. Damals, während der Epoche der VHS-Kassette, wussten auf dem Pausenplatz fast alle Jungs, bis zu welcher Anzeige des Zählwerks man spulen musste, um die fidelsten Szenen zu erhaschen. Mit der Erweiterung des filmischen Horizonts erkannte man später auch die schicke Hommage an die Werke Hitchcocks, allen voran Vertigo. Mit gefestigten Englischkenntnissen lernte man, noch ein bisschen später, auch die gewieften Dialoge von Joe Eszterhas zu schätzen. Die Mutter aller Erotikthriller war vielleicht kein Meisterwerk, bot aber trotzdem schlauere Unterhaltung als der grosse Rest des Genres.

Vom Sequel, welches nun nach langem Schmoren in der Development Hell trotzdem noch in die Kinos kommt, kann man das leider nicht mehr behaupten. In erster Linie ist der Film unnötig, sieht man vielleicht mal davon ab, dass man wissen möchte, wie gut die nackte Frau Stone mit ihren gegen fünfzig Lenzen noch aussieht. Die Antwort: Gar nicht mal so schlecht - für eine so alte Frau. Der Blick auf ihre Schambehaarung ist uns dieses Mal zwar vergönnt, aber was sie zeigt, ist bestens konserviert. Wie sehr da nachgeholfen werden musste, wissen nur die plastischen Chirurgen und die Mitarbeiter der Digitaleffekt-Abteilung. Alles sitzt perfekt, bis auf ihre Frisuren, die wirken, als hätte Sharon Stone Geld gespart, in dem sie Modell sass für einen Coiffeur-Lehrling vor der LAP.

Sharon hat trotzdem einen Stone im Brett. Sie bekam einen "Play or Pay"-Vertrag, wäre also auch entlöhnt worden, wenn der Film nie das Lichts des Projektors gesehen hätte. Nun dreht sich alles um sie. Der Film wirkt manchmal wie eine Modenschau für die Hauptdarstellerin, mit seltsamer Wirkung bei einem Film, den man sich vor allem der nackten Haut wegen anschaut. Bei der Auswahl ihres männlichten Gegenübers hatte sie auch Mitspracherecht, was rege für missliebige Absagen genutzt wurde. Unter anderem war ihr Benjamin Bratt nicht genehm. Es wurde schlussendlich ein gewisser David Morrissey, der als Detlev Bucks Bruder durchgehen könnte, und ziemlich blass bleibt. Auch bessere Mimen wie Charlotte Rampling oder David Thewlis müssen in der konfusen Story nie ihr Potential gänzlich abrufen.

Das Original war gewagt. Ein gestandener Star wie Michael Douglas praktizierte darin Cunnilingus. Der Vorgänger war auch spannend und bis in die weiblichen Nebenrollen noch sexy besetzt. In Basic Instinct 2 wird zwar ständig Bezug aufs Original genommen, ohne aber dessen Klasse zu erreichen. Zigirauch hier, Beine gespreizt da sorgt nicht automatisch für erotisches Knistern. Zumal der flotte Dreier, von dem im Internet schon Bilder kursieren, fehlt und die Orgie im Soho-Puff gekürzt wurde. Was übrig blieb, ist ein Psychothriller wie viele andere, der auch noch ein völlig absurdes Ende nimmt. Die männliche Hauptfigur als Hommage an den Vorgängerfilm Michael Glass zu nennen, war leider nicht der einzige phantasielose Einfall der Drehbuchautoren.

2.4 Sterne
2.4 Sterne (40 Bewertungen) | 8 Kommentare

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30.03.2006 / rm