Babel (2006)
Babel (2006)
Oder: Verständigungsschwierigkeiten en masse!
Das gut situierte Ehepaar Richard (Brad Pitt) und Susan (Cate Blanchett) befindet sich auf einer Reise in Marokko, um gemeinsam den Tod ihres Kindes zu verarbeiten. Ihre anderen zwei Kindern sind zu Hause in San Diego geblieben und werden von ihrer mexikanischen Nanny Amelia (Adriana Barraza) betreut.
In einem komplexen Besitzeswechsel gelangt ein Gewehr in die Hände der Jungs (Said Tarchani, Boubker Ait el Caid) eines einheimischen Hirten, die aus kindlichem Leichtsinn heraus auf einen Touristencar zielen und abdrücken. Das Projektil trifft Susan an der Schulter und bringt sie damit in Lebensgefahr. Der verzweifelte Richard telefoniert nach San Diego, um Amelia über ihre prekäre Situation zu informieren. Amelia, deren Sohn am folgenden Tag heiraten wird, findet keine Ersatznanny für ihre beiden Schützlinge. Sie entschliesst sich, die Kinder illegal mit an die Hochzeit nach Mexiko zu nehmen.
Eine Katastrophe folgt der nächsten. Während der Unfall in Marokko weltweit von den Medien als terroristisch motivierter Akt bezeichnet wird, trifft Amelia knallhart auf die gnadenlosen Immigrationsvorschriften der Bush Administration. Ferner versucht in Tokio ein Witwer (Koji Yakusho), welcher einst Besitzer des obigen Gewehres war, mit seinen Erinnerungen sowie seiner kratzbürstigen, flatterhaften, taubstummen Tochter (Rinko Kikuchi) fertig zu werden.
DVD-Rating
Eine kleine Überraschung war Babel ja schon. In den Schweizer Kinos mit grossem Erfolg gelaufen, auf diversen "Beste-Filme-des-Jahres"-Hitlisten auf den vordersten Plätzen zu finden und auch an den Academy Awards 2007 durfte der Film sieben Nominationen entgegen nehmen. Schlussendlich hats "nur" für einen Oscar gereicht, aber trotzdem ist Alejandro Gonzales Inarritu in aller Munde. Doch was ist Babel für ein Film? Was macht aus der Verknüpfung dreier Geschichten ein solch (scheinbar) magistrales Werk?
Auf dem Cover der DVD blicken uns drei Leute entgegen, die man eigentlich kennen sollte. Allen vor natürlich Brad Pitt, der mit grauem Bart und verweinten Augen die meiste Zeit seiner Auftritte panisch schreiend durch die Gegend läuft. Immerhin hat man seine Frau angeschossen und am Arsch der Welt steht natürlich auch kein Krankenhaus. Womit wir zur zweiten bekannten Person auf dem Cover kommen: Cate Blanchett. Ihre Aufgabe in Babel ist es, kühlendes Eis auf den Wüstenboden zu schmeissen, Brad Pitt wegen etwas (das irgendwann damm mal kurz erklärt wird) nicht zu verzeihen und die meiste Zeit fast regungslos auf einer Trage zu liegen. Der Dritte im Bunde wäre Gael Garcia Bernal (La Mala Educacion), der sich mit Grenzwächtern streiten darf und sein Spanisch an den Mann bringt. Soviel zu den Werbeträgern des Films.
Ja, Babel verlangt einiges vom Zuschauer. Meistens ist es Geduld und die Fähigkeit, auch bei endlos lang scheinenden Szenen nicht den "Forward"-Knopf auf der Fernbedienung zu drücken. Allerdings schiebt der Regisseur zwischendurch auch wieder schöne Momente ein, die es sich anzuschauen lohnt. Auch wird bald einmal klar, was die drei Geschichten miteinander zu tun haben. Aufmerksame werden hier weniger überrascht werden, als solche, die den Film so nebenbei gucken.
Die drei Geschichten hinterlassen zwiespältige Eindrücke. Diejenige in Marokko ist interessant, die in Mexiko ein bisschen an den Haaren herbeigezogen und diejenige in Japan grottenlangweilig. Die Verbindung aller drei Stücke ist ein bisschen gesucht und stellt den Zuschauer mehrfach vor eine harte Probe.
Ganz uninteressant ist Babel dennoch nicht. Das Sprachengewirr ist "aus dem Leben gegriffen" und glücklicherweise sprechen hier die Figuren aus der hintersten Ecke kein Oxford-Englisch, wie wir es sonst in Hollywoodfilmen vorgegaukelt bekommen. Das wahrt die Glaubwürdigkeit und gibt dem Film einen realitstischen Touch.
Fazit: Babel hat den Anspruch, hochstehend, interessant und zum Schluss noch ein Gesamtkunstwerk zu sein. Dem kann ich nur sehr bedingt zustimmen, da die Geschichten halt schon sehr dramatisch, teilweise deprimierend und leider nicht sehr interessant sind. Da helfen auch die traurigen Augen eines Brad Pitt nicht, die den Käufer auf der DVD-Hülle angucken.
Schwaches wird dann in der Extra-Sektion geboten. Ausser ein paar Trailern hat man nämlich nichts anzuklicken. Keine Infos, noch nicht mal Texttafeln oder irgendein Werbe-Making-Of. Einfach gähnende Leere. Ganz schwach!
Technisch macht Babel allerdings einen guten Eindruck und überzeugt mit klarem Ton, der die teils recht imposante Musik gut durch die Boxen zwirbeln lässt. Das Bild ist teilweise ein wenig verwackelt und unscharf. Das dürfte aber weniger an der DVD-Qualität als am Vorgehen des Regisseurs liegen.
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4.7 Sterne (141 Bewertungen) | 7 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 03.08.2007
- Bildformat: 1.85:1 (16:9 anamorph)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch
- Extras: Trailershow




