Arthur et les Minimoys (2006)

Arthur und die Minimoys

Arthur et les Minimoys (2006) Arthur und die Minimoys

Oder: Die CGI-Rache der Franzosen

Arthur et les Minimoys

Deine Ohren machen mich ganz spitz

Arthur (Freddie Highmore) ist ein lieber Bub. Ein wenig fantasievoll und neugierig, aber er macht seiner Granny (Mia Farrow) keinen Ärger. Die Ferien verbringt der Junge regelmässig im alten Haus seiner Grosseltern, wo der Opa vor ein paar Jahren spurlos verschwunden ist. Seine Eltern sollten eigentlich bald anreisen, verspäten sich aber regelmässig.

Die grösste Freude des Buben ist es, durch Opas alte Bücher zu schmöckern. Dieser hat auf seinen vielen Reisen einiges zusammengetragen, viele Geschichten erlebt und schier Unglaubliches zu berichten gewusst. Nun, da der alte Mann nicht mehr da ist, müssen seine Bücher dran glauben, um Arthurs Wissensdurst zu löschen.

Arthur et les Minimoys

Der Euro-08-Ball

Zu alle dem hat Granny auch noch Probleme mit der Finanzierung ihres Hauses. Die Kohle ist knapp und diejenigen, die sich das Land unter den Nagel reissen wollen, stehen auch schon vor der Tür. 48 Stunden bekommen Arthur und seine Grossmutter. Dann ist Sense mit wohnen und das Haus wird dem Boden gleichgemacht.

Arthur et les Minimoys

The Son of the Mask

Da erinnert sich Arthur an eine Geschichte seines Opas. Es soll ein Volk geben, genannt die Minimoys, die klitzeklein sind und in deren Reich es scheinbar einen wertvollen Schatz geben soll. So hat es Opa auf alle Fälle beschrieben. Ebenso wie er aufgezeichnet hat, wie man zu diesen kleinen Figuren kommt.

Arthur macht sich auf die Socken und will dieses Volk treffen. Doch dafür muss er einer dieser Minimoys werden. Und wie wenn das noch nicht schwer genug wäre, gilt es danach auch noch ein riesiges Abenteuer an der Seite einer Prinzessin (in der englischen Fassung von Madonna) gesprochen zu bestehen. Denn nicht alle Minimoys sind lieb und strubelig.


Kinofilm-Rating

Wir erinnern uns - es war 1999, als der holde Ritter Luc Besson, damals verkleidet als Promoter der Heiligen Johanna von Orléans, in seiner anhaltenden Fehde mit den gefürchteten Journalisten von Paris zu einer neuen Schlacht rief und vor den finsteren französischen Fernsehkameras verkündete: "Ein Kinderfilm wird mein nächstes Werk, 3D-animiert wird es sein und basieren wird es auf einem selbstverfassten Buch." Was in diesem steinzeitlichen Alter so klang wie: "Ich werde Pixar und DreamWorks aus eigener Kraft die Stirn bieten."

Die gezeichnete Figur, die Besson damals als Beweis ins Bild hielt, glich in erster Linie einer entwurzelten Grünzwiebel mit schielenden Augen und Pumucklfrisur, oder anders gesagt - sie sah schon damals aus wie ein Maskottchen für das Vormittagsprogramm eines staatlichen Fernsehsenders, und nicht unbedingt wie eine Animationsfigur mit Blockbusterpotenzial.

Dieses Kindlein wurde fortan gebrütet, aber es war eine Schwergeburt. Geld und Zeit flossen in die Entstehung von Arthur, während Besson schon mal das versprochene Bilderbuch auf den Markt warf, seine üblichen Genrefilmchen produzierte und gleichzeitig ein prätenziöses Drehbuch über einen schwarzweissen Engel verfasste.

Jetzt kommt Bessons Animationsprojekt endlich ins Kino, und es kommt reichlich spät. Auf der technischen Ebene ist Arthur et les Minimoys ein alter Hut - selbst im unabhängigen, europäischen Bereich sind seither Filme wie Kaena: La prophétie oder Renaissance bereits viel fortschrittlicher und mit mehr Wagemut in die animierte Dreidimensionalität vorgestossen.

Vielerlei Berufsanimatoren haben sich im letzten Jahrzehnt immer wieder die Zähne daran ausgebissen, die Bewegungen von wallendem Kopfhaar möglichst glaubwürdig hinzukriegen. Man weiss nicht genau warum, aber irgendjemand im Team von Arthur hat diese Herausforderung annehmen wollen. Und das war keine gute Idee.

Die Figuren in Arthur haben entweder viel zerzaustes oder viel wohlgeformtes Haar am Haupt, und sie schütteln dieses auch bei jeder erdenklichen Gelegenheit - es ist zum Kopfschütteln, denn das Ergebnis sieht jedesmal erbärmlich schlecht aus. Wie auch sonst vieles in diesem Film.

Kurz gesagt - erwachsene Freunde des animierten Films können sich die Kinokarte mit bestem Gewissen sparen. Aber wie sieht's denn nun aus mit dem Unterhaltungswert für das eigentliche Zielpublikum, die lieben Kleinen?

Ein guter Moment, um auf die Geschichte des Films einzugehen, aber die ist eigentlich nicht der Rede wert. Sie ist eine unverfängliche Neudichtung von Alice im Wunderland, ohne den ganzen Irrwitz und den schwarzen Humor des Originals, dafür aber mit einem vorpubertären Luke Skywalker in der Hauptrolle und einem exzessiv lauten und finsteren Bösewicht.

An der Abgegriffenheit dieser Story werden sich die Kinder kaum stören, und viele unter ihnen werden wohl auch den unmittelbaren Zugang zu dieser Zauberwelt finden - aber auch sie werden sich durch eine Reihe von kitschigen, humorlosen und langwierigen Dialogen quälen müssen, bis eine Verfolgungsjagd die ganze Sache zumindest tempomässig auflockert.

3.0 Sterne
3.0 Sterne (19 Bewertungen) | 8 Kommentare

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28.12.2006 / muri (Inhalt), juz (Rating)