Apocalypto (2006)

Apocalypto (2006)

Oder: Im Dschungel ist die Hölle los

Apocalypto

Dschungelrennen

Jaguar Paw (Rudy Youngblood) und sein Volk leben in den Wäldern, die ihnen alles geben was sie zum Leben brauchen. Auf der Jagd begegnenen er und andere Jäger einer Gruppe ausgemergelter Fremder, die berichten, dass ihr Land ausgelöscht wurde. So werden sie zum ersten Mal mit einer Bedrohung konfrontiert, die sie bisher nicht kannten. Am kommenden Morgen wird das Dorf von brutalen Holcane-Kriegern angegfriffen, deren einziges Ziel es ist, Gefangene zu machen. Die Dorfbewohner werden überwältigt, Jaguar Paw gelingt es nur knapp seine schwangere Frau und seinen kleinen Sohn in Sicherheit zu bringen.

Apocalypto

Karnevalsfeier?

Die Krieger führen die gefangenen Männer und Frauen, Kinder werden zurückgelassen, über unwegsame Pfade und reissende Flüsse in ihr Territorium - in eine Zivilisation deren Hochkultur dem Ende entgegen geht. Durch verwüstete Dörfer, abgeholzte Gebiete, Steinbrüche und darbende Vororte ihrer Heiligtümer erreichen sie schliesslich eine für sie unbekannte und grausame Welt der Menschenopfer. Jaguar Paw und den anderen Gefangenen wird klar, das ihr Leben nur noch von kurzer Dauer sein dürfte.


Kinofilm-Rating

Mit Apocalypto entführt uns Mel Gibson in die tropischen Wälder von Südamerika und die letzten Tage der Mayakulturen. Dass diese keinen friedlichen Ausklang fanden, ist von vornherein klar und weiss jeder aus dem Geschichtsunterricht der Grundschule. Apocalypto ist ein grausiges Werk, welches den vorherrschenden Fatalismus in der späten Mayakultur zelebriert und mit sehr ausdrucksstarken Bildern beschreibt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man dies als Zuschauer für knapp zweieinhalb Stunden sehen will und muss?

Mel Gibson nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Eröffnen tut der Film mit einer fast schon idyllischen Beschreibung des möglichen Dschungellebens der Maya. "Pranke des Jaguars" ist als junger, gesunder und kräftiger Mann mit Frau und Kind angesehenes Stammesmitglied. Er unterscheidet sich von den anderen insofern, dass er das nahende Unheil zu spüren vermag und Furcht empfindet. Das Stammesleben erzählt Gibson anhand etlicher stereotyp gewordenen Elementen: wilde, gefährliche Jagdeinsätze, Generationenkonflikte, Vater-Sohn-Gesprächen und Lagerfeuer-"Romantik" mit Geschichtenerzählen. Dabei zeigt sich ein erstes Problem der Handlung. Sie kommt gelegentlich ins Stocken und macht die Erzählung im 1. Teil des Films zäh. Turbulenter wird es mit dem Angriff durch die Holcane-Krieger. Gibson-typisch wird dieses Ereignis wortwörtlich lang und blutig ausgeschlachtet. Womit wir bei einem weiteren, jedoch wenig überraschenden Problem wären: die Brutalität. Sie ist omnipräsent und wird oftmals wiederholt gezeigt, so gibt es nicht eine Opferung zu sehen sondern derer zwei (um nur ein Beispiel zu nennen). Auf die Dorfszene folgt die nicht enden wollende Reise zum Opfertempel, welche immer wieder mit viel Detailverliebtheit gezeigt wird (zum Beispiel, am Ziel angekommen, die Marktszene, aber auch die Szene mit dem erkrankten Mädchen, welches den Untergang voraussagt). Diese sind nicht schlecht, aber man weiss nie so recht, worauf Gibson hinaus will. Man vermisst das Engagement mit welchem uns Regisseur Edward Zwick die Samurai-Kultur in The Last Samurai näher brachte. Auch er nahm sich viel Zeit um den bevorstehenden Konflikt anzukünden und zeigte etliche für die Story nicht primär wichtige Details aus der Samurai-Kultur. Die Details wären auch hier alle vorhanden, doch mögen sie nicht annähernd so zu fesseln.

Nach dem etwas zähen ersten Teil jedoch kommt der Film in Fahrt und zieht sich somit wieder etwas aus dem Sumpf der Durchschnittlichkeit heraus. Die Fluch von "Pranke des Jaguars" und die folgende Hetzjagd quer durch den Dschungel ist erste Sahne. Action-Kino vom Feinsten, mit sehr viel Tempo, fantastisch geschnittenen Szenen (die Panter-Szene) und sich stetig zuspitzender Spannung. Dies muss man Mel Gibson lassen. Mit dem zweiten Teil hat er Action-Kino geschaffen, wie es schon lange nicht mehr zu sehen war. Die Kämpfe sind brutal und effektvoll mit Slow-Motion aufnahmen gemischt. Hier jagen sich die Protagonisten nicht durch Strassenschluchten und es wird auch nicht mit High-Tech-Waffen gekämpft, sondern es geht quer durch die Grüne Hölle und dies mit Nahkampf und primitiven Waffen. Das fesselt und packt. Doch bis der Film so in Fahrt kommt, muss der Zuschauer viel Geduld aufbringen und etliche Szenen ertragen.

Löblich am Film sind die Stimmung und die Cinematographie. Sie können viele laue Momente in der Geschichte überspielen. Das Primitivität im Film passt hervorragend. Auch die Wahl von unbekannten Schauspielern und dem beibehalten und lernen der Maya-Sprache war mutig und sehr richtig. Die ganze Dschungelumgebung bietet eine nette und willkommene Abwechslung. Das ganze Geschehen wird unkonventionell, aber sehr passend und richtig untermalt mit einer genauso brutalen wie primitiven Filmmusik vom Komponisten James Horner. Statt dem orchestralen Sound wählte er als Klangkulisse Vocals von Rahat Nusrat Fate Ali Kahn, unterstützt durch massenhaft Perkussion und exotische Instrumente. Nur einmal schimmert eine gewisse erhabene und edel klingende Fanfare durch den Score und dies ganz am Schluss, zu einer sehr passenden und die Wende ankündigenden Szene.

Fazit: Mit Apocalypto bringt uns Mel Gibson ein schwieriges, überlanges und brutales Werk. Sein Film überzeugt mit seiner Stimmung, der Machart und der teils atemberaubenden Cinematographie und Action. Dafür verlangt er dem Zuschauer viel Sitzleder ab mit einem zähflüssigen ersten Teil und der omnipräsenten Brutalität. Was übrig bleibt ist leider nicht die erhoffte Kulturstudie über die Mayas geworden, dafür aber ein im zweiten Teil überzeugender Action-Streifen, welcher den Puls schneller werden lässt. Überzeugendes Action-Kino, aber leider nicht mehr!

4.3 Sterne
4.3 Sterne (114 Bewertungen) | 22 Kommentare

3.53.5
23.12.2006 / pb (Inhalt), bab (Rating)